Tritt er noch einmal an oder nicht? Im März 2019 hatte Landrat Klaus Peter Söllner (FW) erklärt, dass er nach Ostern bekanntgeben werde, ob er bei den Kommunalwahlen am 15. März 2020 für eine fünfte Amtsperiode kandidieren wird. "Ich muss erst meine Frau fragen", sagte Söllner damals der BR. Heute, sieben Monate später, scheint die Entscheidung immer noch nicht gefallen zu sein. Söllner hüllt sich jedenfalls nach wie vor in Schweigen. Politische Wegbegleiter rätseln wie auch die Mitarbeiter im Kulmbacher Landratsamt, ob der kommunalpolitische Dauerläufer - Söllner ist seit 1996 Landrat - erneut kandidieren wird. Der 63-jährige Stadtsteinacher ringt offenbar mit sich, wohlwissend, dass er zum Ende der nächsten Legislaturperiode schon 69 Jahre alt wäre.

Hoffen auf zeitnahes Signal

Söllners Zögern sorgt bei vielen für Verwunderung. Selbst "seine" Freien Wähler hoffen auf ein zeitnahes Signal, zumal Söllners Entscheidung die Planungen für die Kommunalwahl beeinflussen wird. Was ist, wenn er nicht mehr antritt? Haben die Freien Wähler dann einen alternativen Kandidaten? Kreisvorsitzender Rainer Ludwig will sich dazu nicht äußern. Wie Ludwig mitteilt, wird man "jegliche Entscheidung des Landrats respektieren". Er persönlich hofft und wünscht sich allerdings, dass Söllner weitermacht. "Er ist nicht nur eine Gallionsfigur der Freien Wähler. Er ist seit 24 Jahren auch der Macher im Landkreis Kulmbach und hat sich sehr große Verdienste erworben. Aus meiner Sicht ist er unentbehrlich."

Das sagt die CSU

Und was sagen die anderen Parteien? Rechnen sie mit Söllners Kandidatur, schicken sie einen eigenen Kandidaten ins Rennen? Die CSU hat sich mit der Frage nach der Aufstellung eines eigenen Kandidaten nicht befasst, wie Kreisvorsitzender Henry Schramm betont. Er sei fest davon überzeugt, dass Klaus Peter Söllner noch einmal antreten wird: "Ich gehe davon aus, dass er sich noch einmal zur Wahl stellen wird. Wir blicken seit Jahren auf eine wirklich gute Zusammenarbeit zurück. Und es gibt noch wichtige Projekte, die wir auch gemeinsam auf den Weg bringen müssen."

SPD-Kreisvorsitzende Inge Aures ist verwundert, dass Söllner seine Entscheidung so lange hinauszögert. "Ich frage mich, warum er das macht", sagt die Landtagsabgeordnete, die aus dem engeren Umfeld gehört hat, dass der Landrat hin- und hergerissen sei. Die SPD werde ihre Weichen für die Kommunalwahl im November stellen. Dann werde auch entschieden, ob die Partei mit einem eigenen Kandidaten antritt. Söllners Entscheidung werde bei dieser Frage allerdings nicht ausschlaggebend sein, betont die Landtagsabgeordnete.

Grüne wären überrascht

Die Grünen werden, wie Kreisvorsitzende Dagmar Keis-Lechner mitteilt, am morgigen Dienstag ihre Marschroute festlegen. Eine Kandidatur für das Amt des Landrats sei eher unwahrscheinlich, so Keis-Lechner, die nicht verstehen kann, dass Klaus Peter Söllner seinen Meinungsfindungsprozess noch immer nicht abgeschlossen haben will. "Er wollte sich doch schon vor über einem halben Jahr erklären." Keis-Lechner kann sich nicht vorstellen, dass sich der Landrat aus der Kommunalpolitik zurückzieht: "Es würde mich überraschen, wenn er nicht weitermachen würde."

AfD schließt nichts aus

Thomas Nagel, stellvertretender FDP-Kreisvorsitzender, findet es schade, dass sich Söllner noch nicht festgelegt hat. Eine zeitige Entscheidung wäre nicht nur für die eigene Partei, sondern auch für die politischen Mitbewerber wünschenswert gewesen, sagt Nagel, der bis dato davon ausgegangen ist, dass der Landrat nach dem überragenden Ergebnis 2014 auch 2020 seinen Hut noch einmal in den Ring wirft.

Und was macht die AfD, die am kommenden Sonntag ihre Listen für den Stadtrat und den Kreistag aufstellen wird? Die Alternative für Deutschland, die aller Wahrscheinlichkeit nach Hagen Hartmann als Gegenkandidaten von Henry Schramm bei der OB-Wahl aufstellen wird, wird wohl keinen Kandidaten für die Landratswahl nominieren. "Ich will einen Landratskandidaten aber noch nicht ganz ausschließen", sagt Kreisvorsitzender Georg Hock.