Die Krankheit hat Ernst Nagengast überrascht und sein Leben aus den gewohnten Bahnen geworfen. Der 51-jährige Metzger aus Marktleugast kam im Frühjahr mit Herzpro blemen ins Krankenhaus. Die Diagnose: Herzinsuffizienz. Nagengast wird operiert, bekommt einen Schrittmacher plus Defibrillator eingesetzt.

An eine Rückkehr an seinen Arbeitsplatz ist nicht zu denken. Erst mal zur Reha. Der Schock bei ihm und seiner Familie sitzt tief: "Ich hatte vorher keine gesundheitlichen Probleme. Dann bricht von einem Tag auf den anderen alles zusammen, und man weiß nicht, wie es weiter geht."

Was tun? Ein Freund empfiehlt ihm, sich an Alexander Wunderlich, Geschäftsführer des VdK-Kreisverbands Kulmbach, zu wenden.

"Das Beste, was ich tun konnte", sagt Na gengast heute, denn tatsächlich konnte Wunderlich ihm helfen.

Bei einem ersten Gesprächstermin schilderte der Marktleugaster seine Probleme, brachte alle seine medizinischen Unterlagen mit. "Richtig beraten kann ich nicht am Telefon, sondern nur, wenn ich den Menschen vor mir habe und alle Unterlagen lesen kann", sagt Wunderlich. Nötig ist dafür Schritt zwei: Mitglied im VdK werden, denn Beratung und rechtlichen Beistand kann der Sozialverband nur Mitgliedern gewähren.


Widersprüche in der Beurteilung
In der Leistungsbeurteilung der Reha-Klinik wurde Na gengast eine Leistungsfähigkeit des Herzens von 30 Prozent bescheinigt. In seinem Beruf als Metzger sei er damit höchstens drei Stunden am Tag arbeitsfähig.

Für den allgemeinen Arbeitsmarkt wurde aber eine Leistungsfähigkeit von täglich sechs Stunden errechnet. Rentenansprüche könnte man damit nicht durchsetzen.

Alexander Wunderlich fiel der Widerspruch auf: Nur noch 30 Prozent Herzleistung und sechs Stunden arbeiten am Tag - das passt nicht zusammen. Er stellte deshalb am 14. November einen Rentenantrag wegen voller Erwerbsminderung mit einer entsprechenden Begründung.

Kreisgeschäftsführer Alexander Wunderlich Aus Kulmbach by Infranken.de

Vor ein paar Tagen kam der Bescheid der Rentenversicherung: Nagengasts Antrag ist bewilligt. Er erhält eine - vorerst befristete - Rente wegen voller Erwerbsminderung. Als Alexander Wunderlich ihm die frohe Botschaft überbringt, ist der 51-Jährige überglücklich. "Das nimmt eine große Last von mir", sagt er.

Es sind Momente wie dieser, die auch den VdK-Geschäftsführer froh machen: "Es lief in diesem Fall überraschend gut.

Oft muss man mehr kämpfen, Widerspruch einlegen und notfalls sogar vor Gericht ziehen, um die Interessen der Betroffenen durchzusetzen." Das kann dauern - und es klappt nicht immer, aber doch häufig. "Ich freue mich für jedes Mitglied, dem ich Arbeit abnehmen und Erleichterung verschaffen kann. Das ist mein Antrieb, meine Motivation."


3000 aktuelle Fälle
Das Arbeitspensum des Geschäftsführers ist beachtlich. 3000 laufende Fälle betreut der Kreisverband aktuell mit seinem Team aus einer weiteren Beraterin und drei Verwaltungsangestellten. Dazu kommen die Außensprechtage in Stadtsteinach, Kasendorf und Wirsberg, Schulungen für die Sozialberatung am Klinikum und Vorträge.

Ernst Nagengast ist das 8000. Mitglied des VdK-Kreisverbands Kulmbach.

Als Alexander Wunderlich vor 15 Jahren die Geschäftsführung übernahm, waren es 4074 Mitglieder.


Soziale Härte und Kälte nimmt zu
Wie kommt es zu einem derart starken Zuwachs? "Im Grunde trägt der Gesetzgeber dazu bei", sagt Wunderlich, "der Paragraphendschungel wird immer undurchdringlicher, Fälle von sozialer Härte und Kälte nehmen zu". Aus eigener Kraft zu seinem Recht zu kommen, sei schwer.

Ein "Verein von Rentnern" ist der VdK längst nicht mehr. Vorbei sind die Zeiten, in denen es in erster Linie um Abfindungen und Renten für Kriegsdienstbeschädigte und Hinterbliebene ging. Heute ist der VdK kompetenter Ansprechpartner für alle Fragen des Sozialrechts.

"Am häufigsten geht es um Schwerbehinderungen und Renten wegen Erwerbsunfähigkeit, aber wir kümmern uns um alle Angelegenheiten, die im Sozialgesetzbuch stehen - vom Arbeitslosengeld und Krankengeld über Leistungen der Berufsgenossenschaften bis zur Pflegeversicherung."


Der VdK Kulmbach
Geschichte In Kulmbach gründete sich bereits 1946 ein Kreisverband des Verbands der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands (VdK). Die Initiative ergriff damals Karl Hahn aus Wirsberg.

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