Gemütliche Stimmung herrscht in dem außergewöhnlichen Saal des Blauen Hauses in Döllnitz. Die Bühne in warmes Licht getaucht, der große Kaminofen wohlig eingeschürt - die Gäste lassen sich von Eigentümerin Li Tröster liebevoll umhegen und machen es sich bei einem Glas Wein, Wasser oder einer Tasse Tee bequem. Genau das richtige Ambiente für einen Liedermacher, der gleich mit einem "Plagiat" beginnt, weil er aus Bayreuth kommt. "Drum Freunde, lasst es mich einmal sagen, nämlich Dank", singt Sandy Wolfrum mit warmer Stimme ins Mikrofon und lässt dabei seine Finger über die Gitarrensaiten hüpfen.

"Ich schreibe alles, was mich bewegt", sagt der Bayreuther Liedermacher, der seit 1980 mit seiner Gitarre auf den Bühnen unterwegs ist. Und sogar ein Lied über sich selbst hat er inzwischen geschrieben. "Manchmal lief' ich gern als Wolf rum", lautet der Titel des Songs, in dem er davon erzählt, dass als Wolf so vieles einfacher wäre. "Ich könnte gleich probieren, wie mancher Hintern schmeckt - das wär' perfekt" heißt es im Refrain. Da ist etwas dran.

Es folgen Lieder im fränkischen Dialekt, ja sogar ein Oberfränkisches Kufsteinlied hat er komponiert, in dem er die Mentalität der Franken porträtiert. "Hof in Sachsen ganz unten", dichtet Wolfrum den bekannten Slogan mit einem Augenzwinkern um und hat die Lacher auf seiner Seite. Und als Premiere durfte das Publikum einem ganz neuen Stück lauschen, das er zum Jubiläum von Wagner und Jean Paul geschrieben hat - aber ganz anders, als man vielleicht vermutet. "Wir sind die Festspielstadt, wir haben Festspiele satt" heißt es etwa im Refrain. Oder ganz kritisch: "Alle Jahre wieder bezahlen wir das Hügelfest, auch wenn in unsern Schulen der Wind durch die Ritzen bläst."

Wolfrum ist ein kritischer Musiker, der es aber versteht, mit einer gehörigen Portion Humor und Parodie ein breites Publikum zu erreichen. Ergänzt wird sein Repertoire an witzigen und deutlichen Eigenkompositionen durch hervorragende Interpretationen englischsprachiger Balladen. "Rake and ramblin' blade" zum Beispiel ist ein traditionelles Lied aus Irland, von dem keiner weiß, wer es eigentlich geschrieben hat.

72 Strophen gesammelt

Fest steht nur, dass zu dieser Geschichte eines Räuberhauptmanns über die Jahre immer mehr Strophen hinzugedichtet wurden - 72 hat Sandy Wolfrum inzwischen gesammelt, und eine Auswahl davon gibt er auch in Döllnitz zum Besten. Seine markante Stimme wird von der erstaunlich guten Akustik im Saal weit getragen, man kann das irische Gras förmlich riechen und spüren.

"Ich bin begeistert", sagt eine Besucherin aus Stuttgart, die während eines Kurzurlaubs in Kulmbach auf das Konzert aufmerksam wurde. "Diesen Abend werde ich nie vergessen", lautet ihr Resümee, und sie spricht damit allen anderen Konzertbesuchern aus dem Herzen.

Seit etwa 15 Jahren veranstalten Li und Thomas "Jim" Tröster Konzerte aller Art in ihrem liebevoll restaurierten Blauen Haus in Döllnitz. "Die Künstler kommen auf uns zu und fragen uns nach freien Terminen, weil sie gerne bei uns spielen", sagt Li Tröster. Tango-Veranstaltungen gehören dabei ebenso zum Repertoire wie Puppentheater oder bekannte Interpreten wie Bolle & Schatz oder Andy Lang.

Informationen zu aktuellen Veranstaltungen finden sich hier.