Wie Hagen Hartmann seine Chancen bei der Oberbürgermeister-Wahl einschätzt? "Ich möchte am Wahltag OB sein, sonst würde ich nicht hier stehen", sagte der AfD-Kandidat, der nach Dagmar Keis-Lechner (Bündnis 90/Die Grünen) der zweite von vier Kandidaten war, die sich beim Wahltalk von Radio Plassenburg und Bayerischer Rundschau zur OB-Wahl den Fragen von Programmleiter Markus Weber und Redaktionsleiter Alexander Müller stellen.

"Aufwecken für die Realität"

Was nicht nur die Zuschauer im Veranstaltungssaal der Mediengruppe Oberfranken interessierte: Warum setzt Hartmann im Wahlkampf auf die Unterstützung von Björn Höcke, der dem rechten Spektrum der AfD angehört und unter Beobachtung des Verfassungsschutzes steht? Höcke tritt am 14. Februar als Gastredner in der Stadthalle auf. Er erhoffe Impulse von ihm, wolle Infos aus der Bundes- und Landespolitik, sagte Hartmann. Höcke wolle wie die AfD nicht spalten, "sondern die Leute aufwecken für die Realität". Für Hartmann ist Höcke, der Faschist genannt werden darf, ein "hochfeinsinniger Mensch, förmlich ein Philosoph". Eine Aussage, die nicht nur die beiden Moderatoren verwunderte.

"Müssen sich nicht fürchten”

Der OB-Kandidat freut sich über die Aufmerksamkeit, für die der Auftritt Höckes sorge. Er rechnet mit Gegendemonstranten aus dem gesamten Bundesgebiet. "Ich wünsche mir aber, dass möglichst wenig kommen, damit der Stadt kein Schaden entsteht und sich die Kulmbacher nicht fürchten müssen. Vor uns müssen sie sich nicht fürchten", stellte er fest.

Der 65-Jährige wurde auch zu seinem Wahlprogramm befragt, erläuterte, was sich unter ihm als Stadtoberhaupt ändern würde. Vieles müsse transparenter werden, dann würde das Vertrauen in die Politik wieder steigen. "Denn viele wissen heute nicht, was hinter den verschlossen Rathaustüren passiert", so Hartmann, der Diplombetriebswirt ist und in Kulmbach ein Unternehmen führt. Die aktuellen Diskussionen um die Grundstücksgeschäfte des Oberbürgermeisters zeigten, dass da vieles im Argen liege. Hartmann wünscht sich mehr öffentliche Sitzungen, Offenheit bei Grundstücksgeschäften, Baugenehmigungen und Personalangelegenheiten. Bei Grundsatzentscheidungen müssten die Bürger befragt werden. Er wisse, "wo es den Kulmbachern unter den Nägeln brennt", betonte der AfD-Kandidat, der sich für einen Politikwechsel aussprach. Alte Strukturen müssten aufgebrochen werden: "Es muss ein Ruck durch Kulmbach gehen."

Senioren auf Kaufplatzareal

Was das drängendste Problem ist, das gelöst werden muss? Es sei die Bekämpfung des Wohnraummangels, betonte Hartmann, der davon überzeugt ist, dass sich die Lage durch die Ansiedlung des Uni-Campus noch verschärfen wird.

Es gebe aber Lösungen. Der 65-Jährige kann sich vorstellen, dass nach dem Abriss auf dem frei werdenden Kaufplatz-Areal "Häusereinheiten" entstehen, die vorrangig von Senioren und nicht von den Studenten bewohnt werden. Letztere könnten problemlos weitere Strecken mit dem Rad zur Uni fahren oder auch laufen. Was ihm noch vorschwebt? Ungenutzte Räume wie Dachböden sollten zu Appartements ausgebaut werden. Auch Wohnbereiche, in denen abgelehnte oder geduldete Asylbewerber leben, sollten saniert werden. Dadurch würde Wohnraum "für die heimische Bevölkerung geschaffen".

Mehr kostenlose Parkstunden

Wie Hartmann den Einzelhandel in Kulmbach beleben will? Der 65-Jährige möchte den Individualverkehr fördern, um mehr Leute zum Einkaufen in die Innenstadt zu locken. Er kann sich nicht nur eine erste, sondern auch eine zweite und dritte kostenlose Parkstunde vorstellen. Dass es derzeit viele "graue Schaufenster" in Kulmbach gibt, sei teilweise hausgemacht. Grund seien die großzügig vergebenen Baugenehmigungen, die zur Entstehung von Subzentren wie in der Albert-Ruckdeschel-Straße geführt hätten. Dies sei zu Lasten der Innenstadt gegangen, die er mit einer starken AfD-Fraktion im Kulmbacher Stadtrat wieder stärken wolle.

"Luft nach oben"

Hagen Hartmann, der sich durchaus Chancen ausrechnet, Henry Schramm abzulösen, hofft auf ein gutes zweistelliges Ergebnis seiner Partei bei der Stadtratswahl. Er sehe noch "Luft nach oben", so der OB-Kandidat, der hier auch mit Blick auf die Diskussionen um die Grundstücksgeschäfte von Henry Schramm feststellte: "Es ergeben sich jeden Tag neue Perspektiven."