"Michel war ein Lausejunge, aus `nem Dorf in Schweden. Nichts als dumme Streiche hatte er im Sinn." Die anwesenden Kinder werden gleich mit in den Text einstimmen, wenn diese bekannte Melodie heute Abend zu Beginn der zweiten Premiere auf der Naturbühne ertönt.Mit der turbulenten Sommergeschichte "Michel aus Lönneberga" gibt Sigrid Graf aus Osnabrück ihr Regie-Debüt am Wehlitzer Berg.

Gebürtige Fränkin

Geboren ist Sigrid Graf in Würzburg, aufgewachsen in Thüngersheim. Der Vater war Heimatdichter, die Mutter hat Romane geschrieben. Das hat offensichtlich ihre künstlerische Laufbahn geprägt. Während ihres Studiums an der Schauspielschule in Hamburg hatte sie bei kleinen Engagements am Schauspielhaus erste Begegnungen mit Schauspielern, die sie bisher nur vom Fernsehen kannte. Ihre ersten Regie-Erfahrungen sammelte sie bei Stadttheatern und Landesbühnen in Süddeutschland, bevor sie 1999 ihrem Mann nach Osnabrück folgte, wo beide seither freiberuflich arbeiten.

Theater ist die Leidenschaft von Sigrid Graf. Als bekennender Freiluft-Theater-Fan inszeniert sie beim Kulturverein der Stadt und im "Piesberger FreiLauftheater" an originellen Orten. Außerdem produziert sie mit einer eigenen Gruppierung, dem "Ensemble Bouquet", Theaterstücke, mal überspitzt, mal mit feinen Beziehungsgeflechten.

Dass es sie nun nach Trebgast verschlagen hat: "Zufall", sagt sie. Sie surfte im Internet. " "Ich hatte Heimweh, wollte mal wieder in Franken arbeiten und schauen, was da unten so los ist", sagt sie. Irgendwann ist sie dabei auf die Naturbühne gestoßen.

2012 hat Sigrid Graf die Naturbühne kennen gelernt und war von der Atmosphäre gleich sehr angetan. Zunächst war sie selbst gespannt, ob sie mit der Sprache wieder klar kommt, nachdem sie ja bereits zwanzig Jahre aus Franken weg war. "Als manche so richtig loslegten, hatte ich schon noch Probleme", gibt sie zu, "aber nach und nach habe ich mich eingehört."

Doppelt besetzt

Dass sie immer noch ein Kindskopf sei, sagt Sigrid Graf von sich selbst. Da kommt ihr die Geschichte von Michel aus Lönneberga bestimmt entgegen.

Die beiden Hauptrollen, Michel und Klein-Ida, sind mit Moritz Weinmann und Florian Potzel einerseits, und Sophia Weinmann und Sina Lechner andererseits jeweils doppelt besetzt. Gibt es da Reibereien? "Überhaupt nicht, das funktioniert sehr gut", antworten die beiden Buben wie aus einem Munde. Bereits im letzten Jahr haben sie das praktiziert, als sie sich bei "Pippi" als "Thommy" abwechselten. Da spielte Florian die Premiere, diesmal ist Moritz dran. Von den dreißig Vorstellungen spielt jeder die Hälfte.

Mit der Schule gab's wegen der Proben, die überwiegend von 15 bis 18 Uhr stattfanden, keine Probleme. "Meistens dauert der Unterricht bis 13 Uhr, bis man daheim ist, ist es 14 Uhr", kommentiert Moritz. "Und nach der Probe hat man ja noch zwei Stunden für die Schularbeiten", fügt Florian locker hinzu. Übereinstimmung bei Beiden auch bei der Frage nach den Lieblingsszenen: "Klein-Ida auf dem Fahnenmast, die Suppenschüssel auf dem Kopf und Vater Anton auf dem Klo."

Die beiden Klein-Idas vertragen sich ebenfalls bestens. Sina geht in eine Ganztages-Klasse. "Dadurch bin ich zwar oft etwas später zur Probe gekommen. Trotzdem sind die Proben besser gelaufen, als ich gedacht habe." Sina hat am besten direkt bei den Proben mit den anderen gelernt. Sophia hat ihr eigenes System entwickelt: "Ich habe den gesamten Text auf mein Handy aufgespielt, und dabei meinen Teil als Lücke freigelassen. Dann habe ich das Stück abgehört und meinen Text jeweils reingesprochen."

Haben sie denn keine Angst, wenn sie von Michel an der Fahnenstange hochgezogen wurden? "Am Anfang schon etwas", gesteht Sina, "aber jetzt nicht mehr." Sophia geht es genauso. Sie findet es außerdem "cool", dass ihr Opa, ihre Mutter, und ihr Bruder im gleichen Stück mitspielen.

Der Opa spielt den Vater

Diese - zugegeben schon etwas ungewöhnliche - Situation schätzt Bruder Moritz so ein: "Lustig ist es schon, wenn ich im Stück meinem Vater, der ja in echt mein Opa ist, immer davon renne." Dann verrät er noch einen Ausspruch seines Großvaters zu dieser Situation: "Wenigstens gibt es noch zwei normale Menschen in der Familie, die nicht "theaterverrückt" sind." Gemeint sind Moritz‘ Oma Helga und seine Tante Cordula.
Das Stück selbst, ein erheiternder Klassiker von Astrid Lindgren für die ganze Familie, kennen die meisten Kinder durch die gleichnamige Fernsehserie. Vor genau fünfzig Jahren wurde Michel zum literarischen Leben erweckt. Zu einer Zeit, in der man noch jede Menge Zeit hatte, zumindest als Kind. Es sind kuriose Dinge, die dem kleinen Michel auf dem Katthult-Hof immer wieder passieren - und meist gerät er ganz unbeabsichtigt von einem Schlamassel ins nächste.
Vorsitzender Siegfried Küspert ist seit Jahren stolz darauf, dass in Trebgast Kinder noch von Kindern gespielt werden. Zehn von ihnen im Alter von sieben bis zwölf Jahren drei Jugendliche und vierzehn Erwachsene tummeln sich auf der Bühne, wenn die letzte Fanfare verklungen ist.
Dann gilt: Wer Spaß an lustigen Streichen und Sinn für Humor hat, oder wieder einen Bezug zur eigenen Kindheit herstellen möchte - hier steckt alles drin.

Premiere Freitag um 20.30 Uhr auf der Naturbühne Trebgast. Karten gibt es noch an der Abendkasse.

Kartenreservierungen unter 09227/6220 (9 bis 17 Uhr und eine Stunde vor der Vorstellung)

Weitere Termine im Internet unter www.naturbuehne-trebgast.de oder in den Vorverkaufsstellen, zum Beispiel in der Geschäftsstele der Bayerischen Rundschau im Kressenstein in Kulmbach.