Es ist schon eine Seltenheit, dass zwei Männerchöre - noch dazu in benachbarten Dörfern - im selben Jahr aus der Taufe gehoben werden. Beide Ensembles verstehen sich zudem Haustür an Haustür prächtig und haben in den zurückliegenden Jahrzehnten schon auf vielen Sängerfesten, Liederabenden und Chorkonzerten ihr Publikum begeistert. Auf Grund der demographischen Entwicklung haben sich die zwei Männerchöre seit fünf Jahren zu einer Singgemeinschaft zusammengeschlossen, um weiterhin in starker Besetzung ihrem Hobby frönen zu können. Das dieser Schritt richtig war, stellten die beiden Vereine am Samstag vor vollem Haus in der Steinachtalhalle unter Beweis. Zur Jubiläumsveranstaltung hatten sie sich sieben Gastchören aus dem Landkreis eingeladen. Fazit: Der Abend war eine großartige Werbung für den Chorgesang.

"90 Jahre Männergesangverein Wartenfels, 90 Jahre Liederkranz Schwand und fünf Jahre gemeinsames Singen im Chor - das ist ein Grund zur Freude und zum Singen. Es ist aber auch ein Tag des Dankes an alle, die die beiden Vereine über die Jahre mit Leben erfüllt haben", sagte der Wartenfelser Vorsitzende Erhard Hildner. Er erinnerte an den 16. April 2009, als die erste gemeinsame Singstunde in Schwand abgehalten. "Und das erlaubt uns heute, das 90-jährige Bestehen mit einem Sängerabend in der Steinachtalhalle zu feiern", betonte Hildner auch im Namen seines Schwander Vorstandskollegen Otto Sesselmann. Einen besonderen Willkommensgruß entbot er dem Schwander Ehrenchorleiter Alfred Fraas, der den Männerchor 55 Jahre dirigierte. Der Ehrenchorleiter von Wartenfels, Willi Guldner, war aus gesundheitlichen Gründen verhindert.

Entscheidung hat sich bewährt

Landrat Klaus Peter Söllner (FW) zollte den beiden Chören Respekt für die Entscheidung, sich zusammenzuschließen. Der Schritt habe sich bewährt: "Ihr habt ein straffes Programm aufgelegt, das großartige gesangliche Leistungen garantiert." Söllner versicherte, Musik und Gesang weiterhin zu unterstützen, und übergabe je eine Spende an die beiden Jubelvereine.

"Das Singen ist eine Gabe Gottes, und es geht mir zu Herzen", stellte Landtagsvizepräsidentin Inge Aures (SPD) fest. Die Männerchöre Wartenfels und Schwand hätten ihre Zukunft gemeinsam gesichert, und die ganze Nachbarschaft nehme teil an dem Doppelgeburtstag, der Herz und Seele anspreche.

"Singen ist Heimat"

"Singen ist Heimat und die Chöre eine verbindende Gemeinschaft. Weiterhin viel Freude dabei, um Zusammenhalt zu erleben", unterstrich MdL Martin Schöffel (CSU).

"Wo gesungen wird, da lass' auch ich mich gerne nieder. Es war eine wundervolle Fügung der Geschichte dass beide Gesangvereine im gleichen Jahr ins Leben gerufen wurden", betonte der Stadtsteinacher Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD) auch im Namen seines Pressecker Kollegen Siegfried Beyer (CSU). "Das ganze Stadtsteinacher Land ist ein fruchtbarer Boden für die Musik und den Gesang, die auch einen großen Rückhalt in der Bevölkerung haben", sagte Wolfrum

Stimmgewaltig eröffneten die Männer aus Schwand und Wartenfels dann unter der Leitung von Alexander Thern den musikalischen Teil. Mit zwei deutschen Volkliedern traf die Singgemeinschaft gleich den Nagel auf den Kopf und sang sich mit "Viva la Musica" in die Herzen zu Zuhörer.

Einfühlsam fragte dann der Gesangverein 1908 Tannfeld (Stabführung: Helena Birkle) "Warum bist Du gekommen?" aus der Oper "Bajazzo", gefolgt vom "Liederkranz" Berndorf mit Dirigent Steffen Schwarz, der "Nun leb' wohl, du kleine Gasse" anstimmt. Mit "Heast as net" entführte der gemischte Chor "Akustica" aus Stadtsteinach um Jörg Schmidt das Publikum in die Berge. Und die männlichen Chormitglieder gefielen mit ihrer Einlage "Verwegene Männer mag man eben". Der gemischte Chor des Gesangvereins 1896 Fölschnitz (Dirigent Alexander Thern) sang "O wunderbares, tiefes Schweigen" und "Herzallerliebstes Mädel". Mit einem Frühlingslied versetzte der gemischte Chor des Gesangvereins 1864 Untersteinach um Heiner Beyer die Zuhörer in den Mai zurück. Miriam Stutz hatte für den gemischten Chor des "Liederhorts" Ludwigschorgast "Hab' Sonne im Herzen" sowie "Und alles ward‘ gut" ausgesucht. Gemeinsam forderten die Chorgemeinschaft Presseck-Wartenfels und der Gesangverein 1891 Rugendorf dazu auf: "Sing mit uns ein Lied" (Dirigent Ottmar Föhr), und mit dem "Erwachen der Sonne in den Bergen" gingen drei beeindruckende Stunden des Chorgesangs in der Steinachtalhalle zu Ende. Gemeinsam schmetterten Besucher und Chöre noch das Volkslied "Wahre Freundschaft kann nicht wanken"