Schon das Plätschern beruhigt. Dass Rinnsal, das sich seinen Weg aus einer Quelle im Berg bahnt, passiert ein 150 Meter langes Rohr, um sich schließlich nach dieser Tunnelfahrt glucksend ins Becken der Kneipp-Anlage kurz hinter Ebersbach zu ergießen.

Das Wasser hat es in sich: Zehn Grad misst es. Sobald die erste Zehe eintaucht, zuckt der Fuß unwillkürlich. Eigentlich möchte man wieder umdrehen. Aber: Zurückziehen gilt nicht! Also die Hose hochgekrempelt und rein mit dem Bein bis zum Knie - derweil der Puls gefühlt bis zum Scheitel pocht!


Sandsteinbecken ist Geschichte

Seine Runden dreht der Kneippianer (oder heißt es Kneippier?) seit 2013 in einem runderneuerten Becken aus Beton mit einem Abschluss aus Sandstein. "Früher war es komplett aus Sandstein, aber der wurde immer poröser, nicht zuletzt durch die Auffrierungen im Winter. Irgendwann waren die Fugen nicht mehr dicht und das ganze Wasser sickerte unkontrolliert raus", sagt Anja Wollnik, die Vorsitzende des Ebersbacher Gartenbauvereins.

Die Pflege der Anlage ist aber nicht nur Aufgabe des Vereins, sondern quasi Dorfangelegenheit. Früher waren es vor allem Bettina Meile sowie Lieselotte und Helmut Schieber, die sich federführend um das Areal sorgten. Auch der Kneippverein Kulmbach Stadt und Land kümmert sich.

Offiziell gibt es das Kneippbecken seit Mai 1971. Gut 5000 Euro kostete die Sanierung vor vier Jahren - fast 4000 davon kamen über Spenden zusammen. "Es scheint, dass die Anlage wirklich vielen Menschen am Herzen liegt", sagt Anja Wollnik. Über Besucherzahlen gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Leider aber suchten auch immer mal wieder Personen die abgeschiedene Anlage auf, die man lieber nicht dort haben möchte. "Probleme mit Vandalismus gibt es häufiger. Es kam zum Beispiel vor, dass die Ruhebänke aus Holz zerhackt und für ein Lagerfeuer verschürt wurden", erinnert die Vorsitzende an unschöne Begebenheiten.

Heute fällt vor allem jene Holzbank ins Auge, die die Wappen von Gemeinde und Landkreis ziert. Aufgestellt wurde die Sitzgelegenheit zur Einweihung, ebenso wie der Stein daneben, auf dem ein Tonschild an die Wiedereröffnung erinnert. Das Dach des Unterstands haben die Bürger 2016 im Rahmen der Aktion "Zamm geht's" neu errichtet. Das Material zahlte die Gemeinde Ködnitz.

Neu ist auch der Holzbottich, der an jener Stelle steht, an der das Quellwasser aus dem Berg dringt. Den ursprünglichen Behälter demolierte vor zwei Jahren eine umgestürzte Buche aus dem Staatswald. Die Materialkosten hat der Staatsforst bezahlt, an Ort und Stelle aufgebaut haben die Ebersbacher den Bottich.


Und hoch das Bein!

Wer wissen will, wie korrekt nach Pfarrer Kneipp trainiert wird, den informiert eine Schautafel darüber. Ratsam ist es demnach, zwischen Armbad und Wassertreten zu unterscheiden. Beim Fußbad soll der Besucher durchs Becken laufen und dabei die Beine anheben wie der Storch, wenn er durch den Salat stakst. Und: Die Beine sollten dabei vorher warm sein.

Für die ganz Harten empfiehlt sich das, was die Kinder des Dorfes sich als Mutprobe ausgedacht haben: Wer schafft es, am längsten im Kneippbecken zu sitzen? Wem es schon beim Eintauchen der Zehen fröstelt, dem sei davon freilich abgeraten...