Am Montag steht ein Punkt auf der Tagesordnung des Mainleuser Gemeinderats, der es vielleicht in sich hat: Elke Hailfinger hat eine Bauvoranfrage für den Umbau und Anbau einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber auf den Flurnummern 124/5 und 124/8, Gemarkung Mainleus, gestellt. Bei den besagten Flurnummern handelt es sich um das alte Kino, nur einen Steinwurf vom Rathaus entfernt.

Rein aus baurechtlicher Sicht wird man das Vorhaben wohl nicht ablehnen können, sagt Bürgermeister Dieter Adam (FW) auf Nachfrage der Bayerischen Rundschau. Allerdings weist er darauf hin, dass es sich bislang nur um eine Voranfrage handelt. "Der Bauantrag muss erst mal eingereicht werden."


Adam: bessere Möglichkeiten

Persönlich würde es ihm aber nicht gefallen, wenn mitten im Herzen des Marktes eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge entstehen würde. "Da gibt es bestimmt bessere Möglichkeiten", ist er überzeugt. Zumal Mainleus mit der Unterbringung von bislang 90 Asylsuchenden in den Augen des Bürgermeisters seiner Verpflichtung nachgekommen sei.

Das alte Kino könne er sich vielmehr für den sozialen Wohnungsbau vorstellen. "In meinen Augen ist das keine Unterkunft für nicht anerkannte Asylbewerber", so Adam.

Jürgen Karg, der Bürgermeister-Kandidat der SPD, will sich zunächst über die Hintergründe des Bauvorhabens informieren. "Ich weiß jetzt noch nicht, ob das genehmigungsfähig ist." Derzeit habe der Markt jedenfalls seine Aufgaben erfüllt, was die Aufnahme von Flüchtlingen angeht, sagt er mit Verweis auf die Gemeinschaftsunterkunft in der Heinrich-Schneider-Straße. Jetzt seien erstmal andere Kommunen an der Reihe. "Wenn wieder Bedarf ist, müssen wir erneut schauen."

CSU-Kandidat Robert Bosch zufolge befindet sich das alte Kino in einem Mischgebiet. Dort könne man eine Wohnnutzung normalerweise nicht verwehren, unabhängig davon, ob es sich um eine Sammelunterkunft für Flüchtlinge handelt oder nicht. "Wir werden uns die Pläne anschauen und entscheiden, ob etwas dagegen spricht", sagt Bosch.

Auch er ist der Meinung, dass Mainleus schon seine Pflicht erfüllt hat, was die Unterbringung von Flüchtlingen angeht und untermauert das mit Zahlen: Insgesamt lebten 620 Flüchtlinge im Landkreis, 90 davon allein in Mainleus, also rund 14 Prozent. Gemessen an der Einwohnerzahl sei das Verhältnis überproportional. Er sprach sich dafür aus, diese Menschen gleichmäßig über alle Kommunen zu verteilen. Und das dürfe nicht durch private Initiativen unterminiert werden. Er sieht die Behörden in Bund und Land gefordert, für eine gerechte Aufteilung zu sorgen. "Mainleus hat jedenfalls keinen Grund, initiativ Flüchtlinge aufzunehmen."

Günther Stenglein, der für die Freien Wähler ins Rennen um das Bürgermeisteramt geht, ist der Ansicht, dass der Gemeinderat sein Einvernehmen zu dem Bauvorhaben erteilen muss, zumal sich das Gebäude an einer öffentlichen Straße befinde, erschlossen sei und eine Zufahrt habe. "Wer darin wohnt, das können wir nicht entscheiden." Als Techniker halte er die Bausubstanz des alten Kinos für den beabsichtigen Zweck allerdings für "fraglich".

Eine Unterkunft für Flüchtlinge im Ort sieht Stenglein gespalten: Auf der einen Seite kämen Menschen, die Hilfe brauchen. Auf der anderen Seite sei die zentral gelegene Unterkunft den Bürgern wohl schwer zu vermitteln. "So eine Gemeinschaftsunterkunft muss schon geeignet sein - ob dieser Standort der richtige ist, kann ich nicht sagen ..."

Erich Luthardt (ABL) hätte kein Problem mit dem Vorhaben von Elke Hailfinger. Im Gegenteil: "Wenn das alte Kino hergerichtet werden würde, wäre ein baulicher Schandfleck weg." Die baulichen Auflagen seien inzwischen für eine Flüchtlingsunterkunft nicht mehr so hoch. Und so viele Leute könne man ohnehin nicht in dem Gebäude unterbringen. Zwischen 15 und 20, lautet seine Schätzung. Er geht auch davon aus, dass viele seiner Gemeinderats-Kollegen keine Probleme mit den Planungen haben werden.

Die Regierung von Oberfranken sei auf sie zugekommen und habe Interesse am alten Kino als Flüchtlingsunterkunft bekundet, sagt Elke Hailfinger, die Besitzerin des Gebäudes. "Die schauen sich alle leer stehenden Gebäude an."

Sie habe nun eine Bauvoranfrage an den Markt Mainleus gestellt, um die Stimmung auszuloten. "Ich will mit der Gemeinde keinen Ärger." Zielgruppe seien Familien, deren Asylantrag schon genehmigt sei beziehungsweise bei denen gute Chancen auf eine Anerkennung bestehen. Das habe sie dem Markt auch so mitgeteilt.

Wie viele Menschen in dem alten Kino auf 2 x 250 Quadratmetern unterkommen, kann sie nicht abschätzen. "Das kommt darauf an, wie umgebaut werden muss, was es kostet." Seit 1988 stehe das alte Kino leer, das sie gerne wieder einer Nutzung zuführen möchte. "Das Gebäude wird ja nicht besser."