Mit Tiegel, Topf und Teller kennt sich Alexander Schütz aus. Ob ein rosa gebratener Rücken vom Wartenfelser Rehbock auf roh marinierten Steinchampignons und cremiger Polenta oder Saltimbocca vom Zander auf gebratenen Salbeignocci - das ist die Welt des ehemaligen Sternekochs aus Wartenfels. Damit, dass er mit seiner Brandrede beim Treffen der Kulmbacher Allianz gegen das Wirtshaussterben in Oberzettlitz so viel Aufmerksamkeit in den Medien bekommen würde, hat er nicht gerechnet.


Rückendeckung von Kunden

Wie berichtet, platzte dem Spitzenkoch der Kragen: Er prangerte Bürokratie ohne Ende, Steuerbelastung und Konkurrenz durch Vereinsgastronomie an - und bekam hinterher jede Menge Zuspruch. "Meine Stammtischler im Wirtshaus, die Restaurantgäste, Kollegen und Liefereranten - von allen gab es zustimmende Rückmeldungen", berichtet er. "Die Resonanz ist gigantisch."

Das Thema Wirtshaussterben wird seither an Stammtischen und im Internet eifrig diskutiert. Auf der Facebook-Seite der Bayerischen Rundschau oder von inFranken.dewar die Aufmerksamkeit beachtlich. "Meine Frau hat den Beitrag auf ihrer Facebook-Seite auch geteilt und viele positive Rückmeldungen bekommen", so Schütz.


Politik hat versagt

Hier eine kurze Auswahl der Diskussionsbeiträge im Internet. Andreas Opel schreibt bei Facebook: "Treffender Bericht über die Probleme der Gastronomie und das diesbezügliche Versagen unserer Politik! Die Gastronomen werden von der Politik im Stich gelassen. Wenn nichts passiert, wird das Wirtshaussterben massiv weitergehen und somit ein fränkisches Kulturgut verschwinden."

Raf Garion meint: "Vorschriften über Vorschriften nicht nur dort. Die Regulierungswut in Deutschland gehört bekämpft und einfach vieles an Verordnungen und Gesetzen überarbeitet, vereinfacht oder gestrichen."
Joachim Geißler findet es "besonders lustig", dass die EU-Verordnungen komischerweise nur in Deutschland umgesetzt werden. "Der Kroate, Grieche, Ungar schreibt seine Rechnung wie gehabt aufn Block mit der Hand."


Auch Selbstkritik angebracht

Dagegen hält Wolfgang Bernhardt auch ein bisschen Selbstkritik für angebracht: "Es ist nur komisch, dass andere Wirtsleute mit dem allem klarkommen und die Gasthäuser voll sind ... Liegt es vielleicht doch an den Wirten., die sich nicht umstellen können?"

Alexander Schütz hat in allen Gesprächen seine Argumente wiederholt. "So, wie es jetzt läuft, gehen die Kleinen kaputt", sagt er und bezieht die Bäcker und Metzger mit ein: "Die haben die gleichen Probleme wie wir. Dem Mittelstand läuft die Zeit davon." Deshalb hofft er, dass der Aufschrei in Berlin gehört wird und dass sich endlich etwas bewegt. Der Spitzenkoch erwartet konkret: Entbürokratisierung und ein reduzierter Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, "wie ihn auch die Kollegen in den europäischen Nachbarländern haben".


Lauterbach: "Sind verzweifelt"

Besonders gefreut hat sich Schütz über die Zuschrift von Ursula Lauterbach, die mit einer Plakataktion in ihrer Metzgerei am Marktplatz den Bürokratiewahnsinn anprangert. Auf Anfrage erklärt die Kulmbacher Metzgermeisterin: "Was Alexander Schütz gesagt hat, geht uns alle an. Wir sind verzweifelt wegen der ganzen Bürokratie. Wir können die Kunden nicht mehr bedienen, weil wir lauter Formulare ausfüllen müssen."

Die Probleme der Gastwirte, Metzger und Bäcker, so Ursula Lauterbach, seien massiv. "Es ist aber noch nicht bis Berlin und Brüssel durchgedrungen, dass wir nicht mehr können."


Groß: "Ständig neue Vorschriften"

"Da liegt viel im Argen", sagt auch Obermeister Ralf Groß von der Bäckerinnung. "Es gibt ständig neue Vorschriften." So müsse man 2018 neue Kassensysteme einführen, "damit wir mit dem Finanzamt vernetzt sind. Das kostet mich ein paar tausend Euro." Er hat Verständnis, dass Alexander Schütz der Kragen geplatzt ist: " Er hat recht. Man wird von allen Seiten attackiert und gepiesackt."