Ob mein alter Lateinlehrer musikalisch war oder nicht, weiß ich nicht. Wäre er es gewesen und hätte er alles Wissenswerte über unregelmäßige Verben, Gerundium und Gerundiv und den Ablativus absolutus in Reime und Melodien gepackt - ich stünde heute da mit einem Großen Latinum und der Note 1 mit Stern.
So aber... reden wir lieber nicht drüber.
Fakt ist: Trockenes Wissen anzuhäufen, liegt mir nicht. Hingegen geht alles, was sich reimt und singen lässt, leicht und problemlos in meinen Kopf - und bleibt auch drin.
Deswegen kann ich auch fast 50 Jahre nach meiner Grundschulzeit den Text des Liedes "Trautes, liebes Heimatstädtchen..." nahezu fehlerfrei auswendig aufsagen.
Unsere Lehrerin in der dritten und vierten Klasse, Marianne Ansorge, heimatkundlich bestens bewandert, hatte uns den Text in Schönschrift aufschreiben und mit Buntstiften verzieren lassen. Gesungen haben wir das Lied immer und immer wieder. Nicht nur zum Gregoriusfest.
Lächelt heute einer über den betulichen Text ("... die Burg als treue Freundin...", "Enge Gässchen schleichen schüchtern..."), sage ich, dass ich das Lied "zum Greina schön" finde. Kindheitserinnerungen halt...
Intensivere Erinnerungen vielleicht als das Periodensystem der Elemente aus dem Chemie-Unterricht oder nackte Zahlen im Fach Geschichte. Abgespeichert in der Gedächtnisschublade mit der Aufschrift "unnützes Wissen". Obwohl - vielleicht braucht man's ja doch noch mal. Und dann ist es gut, wenn man's kann.