Was sind eigentlich Workawayer? Unser Mitarbeiter hat welche in dem kleinen Wirsberger Ortsteil Weißenbach entdeckt. Workawayer sind Leute, die als Reisende oder Sprachschüler in einer Familie oder einem kleinen Unternehmen arbeiten und damit eine ideale Möglichkeit haben, um Land und Leute kennenzulernen und die Sprache perfekt zu erlernen - so wie das junge Paar Dana Bronstein (24) und Ben Blumberg (24) aus Amerika. Sie arbeiten für kurze Zeit für "Leepswood", dem Kunst- und Naturzentrum von Silka Gebhard und Peter Mitchell in Weißenbach.

Silka Gebhard: "Das ist ein super Programm. Es kommen Menschen aus der ganzen Welt, junge Leute nach der Schule oder dem Studium. Sie sind in der Regel eine Woche, höchstens mal zwei Wochen da. Sie leben in der Familie, was wir machen, machen die dann auch. Sie lernen die Gepflogenheiten von uns und wir lernen natürlich auch von ihnen. Deswegen finde ich das Workaway-Programm auch so toll."

Auf "Leepswood" waren schon Pärchen aus Neuseeland, Australien, England, Schweden, Italien, Spanien und Amerika.

Das junge Paar, das nun hier ist, hat sich vor vier Jahren an der Uni kennengelernt. Es ist nicht nur jüdischen Glaubens, sondern Dana Bronstein ist auch noch die Tochter eines Rabbis, eines jüdischen Gelehrten. Silka Gebhard: "Da haben meine Kinder sehr viel gefragt!"

Dana und Ben waren vor "Leepswood" schon in der Fränkischen Schweiz zu einem Workaway. Als ausgesprochene Naturliebhaber nutzten sie auch die Möglichkeiten zum Klettern.

Der Kontakt mit den Programm-Teilnehmern entsteht über die modernen Medien wie E-Mail-Nachrichten. Vier bis fünf Stunden arbeiten sie pro Tag an fünf Tagen in der Woche, dafür erhalten sie Verpflegung und Unterkunft. Das ist eine Möglichkeit, günstig zu reisen, für eine gewisse Zeit in einem anderen Land zu leben und eine Sprache zu erlernen.

Silka Gebhard weiß: "Dazu gehört natürlich eine Portion Mut, aber unsere Erfahrung zeigt, dass ein längerer Aufenthalt in einem fremden Land in einer Gastfamilie immer eine Bereicherung für das ganze Leben ist."


In Amerika viel vor

Dana und Ben sind seit drei Monaten unterwegs und wollen später einmal in Amerika eine Therapie für Kinder anbieten, die unter psychischen Problemen leiden. Ben Blumberg: "Also die Kinder mit in die Wildnis nehmen und mit ihnen arbeiten und Sport machen. Es ist eine Therapieform, die bei uns in Amerika sehr gut funktioniert."
Ben hat Neurophysik studiert und Dana ökologische Agrarwirtschaft.

Ben ist ein überzeugter Workawayer: "Ich finde das Leben toll, aber wir wollen natürlich irgendwann ein Zuhause haben und ein normales Leben leben, aber für uns ist diese Zeit sehr spannend, weil sie zusammen verbracht wird, weil es noch eine relativ junge Liebe zwischen uns beiden ist. Die ganzen Erfahrungen, sich an neue Situationen anzupassen, wie man sich in unterschiedlichen Ländern benimmt, sind wichtig für uns. Wir lernen mit Workaway unheimlich viel."

Natürlich drängte sich die Frage auf, welchen Eindruck das junge Paar von den Franken hat. Ben Blumberg: "Wir haben schon Franken in Spanien kennengelernt, die wir im Anschluss besuchen. Wir finden die Franken toll. Uns hat es auch auf Leepswood sehr gut gefallen."

Dana Bronstein ergänzt: "Leepswood ist die dritte Station, bei der ich Workaway mache. Bei den anderen Stationen war immer viel los, hier war es eher eine Art Urlaub, weil es hier sehr ruhig, normal und bodenständig ist. Das hat mir sehr gut getan, auch die gute Luft hier."

Nächste Station nach Wirsberg ist Erlangen, wo die beiden mit einem befreundeten Ehepaar die Bergkirchweih besuchen und anschließend in der Fränkischen Schweiz gemeinsam klettern. Dann führt sie ihr Weg über München weiter nach Spanien.

Workaway ist eine Webseite, über die geeignete Plätze angeboten und der Kontakt hergestellt werden. Die Organisation der Reise muss man allein in die Hand nehmen, ebenso die Abmachungen mit den Gastgebern und die Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen.

Auf der Webseite heißt es unter anderem: " Es ist immer sinnvoll, Dich in Deinem Profil so genau wie möglich zu beschreiben und ein Profilfoto einzustellen, damit die Gastgeber sich schon ein Bild von Dir machen können, bevor sie antworten."

Workawayer sind in der Regel junge Leute, die möglichst wenig Geld ausgeben wollen. Viele Workawayer haben ihre Aufenthalte verlängert, weil die Zusammenarbeit gut geklappt hat.

Natürlich gibt es manchmal Probleme. Silka Gebhard: "Es ist mitunter schon schwierig, weil sie mit im Haushalt sind. Sie sind immer um einen herum, und man muss sie ja auch bespaßen, denn man will ja auch, dass es ihnen bei uns gefällt. Meine Kinder stöhnen dann auch hin und wieder. Sie müssen sich ja beim Essen anders benehmen. Das ist auch eine Form der Erziehung, die nebenher läuft."

Zum Abschluss haben Dana und Ben ihren Gastgebern übrigens das jüdische Gericht "Latkes" mit Apfelmus gekocht, das den fränkischen Kartoffel-"Batschala" ähnlich ist.