"Wenn man zwei Seiten aus einem Telefonbuch rausreißt, merkt man ja auch nicht gleich einen Unterschied", stellt sie selbst fest. Mit ihrem neuem Programm begeisterte die gebürtige Kronacherin Daphne Haberlein und Wahl-Hannoveranerin wiederum im ausverkauften KKB-Saal.

In langer Abendrobe ("der pinkfarbene Trainingsanzug war schon gesetzt", spielte sie auf eine bekannte Kollegin an) füllt sie die Bühne und drapiert sich auf einen rot behangenen Sessel - mal im schwarzen Pannesamt mit Zeitungsdruck vorne, mal im Domina-Oberteil mit kleinbürgerlichem Volant-Rock in protestantischem Festtags-violett. Daphne plaudert aus ihrem Leben und von den kuriosen Dingen und Situationen, die ihr begegnen; von den Umständen und Umständlichkeiten einer London-Reise zum Beispiel, was ihr beim Zappen durch die Fernsehkanäle auffällt und was sie dort wundert oder gar blöd findet.

Sie spult dabei kein Jetzt-lacht-mal-Programm ab; es ist vielmehr so, als ob Tante D. mal zu Besuch vorbei kommt und einfach erzählt, was ihr in letzter Zeit so alles passiert ist. Sie kalauert nicht, ihre Pointen sitzen und sind neu, und das Publikum reagiert auch prompt darauf. Sie produziert keine absurden Geschichten (Witz komm raus), sondern komprimiert aus dem wirklichen Leben, denn "die wahren Wahnsinnigen laufen alle draußen frei herum", wie sie feststellt.

Es geht um Geschichten im Spannungsfeld Mann-Frau oder um andere Länder - andere Sitten, um die Umschreibung ihres "Beuteschemas" in Bezug auf Männer, um frei sein oder verklemmt sein. Und freilich kokettiert sie mit ihrer eigenen Erscheinung.

Aber groß und kräftig zu sein ist in Ordnung, wenn man beziehungsweise frau selbst damit im Reinen ist. Nein, Walküre ist sie nicht, das waren zänkische Weiber; Daphne zankt nicht, sie beobachtet nur die albernen Seiten der Wirklichkeit.

Warum Vieles zum Lachen ist

Fein nuanciert bremst sie zwischendurch die gute Laune und denkt über Automaten-ersetzen-Arbeitsplätze nach, unter welchen Umständen das Schnitzel nur noch 50 Cent kostet und wie doch Wertarbeit von Billig-Schnäppchen abgelöst wird - aber prompt schafft sie gleich wieder den Dreh zur guten Laune. Daphne moralisiert nicht, sie merkt lediglich an und bemerkt vor allem, dass Vieles doch eher zum Lachen ist.

Daphne de Luxe unterhält gekonnt - nicht durch Comedy mit vorhersehbaren Pointen, sie präsentiert auch kein klassisch ernsthaftes Kabarett; sie zelebriert eine ganz eigene Art, ihr Publikum zu unterhalten. Klaus Klaschka