Mit einem fröhlichen "Welcome" eröffnete der Posaunenchor der evangelischen Kirche die kleine Feierstunde, mit der gestern die Wohngruppe für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge im ehemaligen Gasthaus "Schönberg" in Burgkunstadt offiziell eröffnet wurde. In dem Haus sind seit rund fünf Wochen 14 Jugendliche aus vier Nationen untergebracht.


"Wir sind ehr gerne in Burgkunstadt"


"Wir sind sehr gerne in Burgkunstadt", erklärte der 16-jährige Denden aus Eritrea. Die Heimaufsicht liegt in den Händen der Rummelsberger Diakonie. In seinen Begrüßungsworten erinnerte Regionalleiter Fritz Glock daran, dass keiner ohne Not seine Heimat verlasse. Für die Rummelsberger Diakonie sei es die erste Einrichtung dieser Art.

Landrat Christian Meißner verwies auf die jüngere deutsche Geschichte. Deutschland habe wie kein anderes Land Erfahrung mit Flucht und Vertreibung gemacht. Wie Menschen aufgenommen werden, sei auch die Visitenkarte des Landkreises, sagte Meißner.

Den jungen Leuten sei schließlich nicht in die Wiege gelegt worden, einmal in Burgkunstadt zu leben. An die Jugendlichen gerichtet, sagte Meißner: "Wir wollen euch behüten, beschützen und euch versorgen, damit ihr euch wohlfühlt."

Der Landrat freute sich, dass mit der Rummelsberger Diakonie ein geeigneter Partner gefunden wurde.
In Burgkunstadt könnten die jungen Leute erfahren, "dass man auch leben kann, ohne verfolgt zu werden", sagte Bürgermeisterin Christine Frieß. Sie erinnerte daran, dass gerade jugendliche Flüchtlinge einen besonderen Schutz verdienen.


Krieg und Hunger erlebt


Emilie Schmidt, Heimaufsicht der Regierung von Oberfranken, erinnerte daran, dass die Kinder und Jugendlichen Krieg, Vertreibung, Hunger und Ausgrenzung erlebt und die Flucht überlebt hätten. Waren es vor einigen Jahren nur einige hundert, so gehen aktuelle Prognosen von rund 10 000 minderjährige Flüchtlingen aus, die heuer nach Bayern kommen werden.

"Die Jugendämter stehen in der Verantwortung für jeden einzelnen dieser Jugendlichen", sagte Schmidt. Den 14 jungen Leuten in Burgkunstadt gab sie den Rat mit auf den Weg, ihre Chance auch zu nutzen. Im Vordergrund stehe erst einmal das Erlernen der deutschen Sprache. Bildung und Sprache werde den Jugendlichen auf ihren Lebensweg auf jeden Fall helfen, egal ob sie in Deutschland bleiben oder in ihre Heimat zurückkehren.

Einen symbolischen Scheck über 10 000 Euro übergab Felicitas Hönes, Geschäftsführerin der Stiftung "Antenne Bayern hilft". Eine Summe, die für die beiden Kücheneinrichtungen im Haus verwendet wurde.

Hönes brachte ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass es den Bewohnern gelingen werde, die Traumata ihrer Flucht zu überwinden.

Die Geistlichkeit, der evangelische Pfarrer Heinz Geyer und sein katholischer Amtskollege Pater Kosma Rejmer, stellten das Gebäude und die Bewohner unter den Schutz Gottes.

Im ehemaligen Gasthaus "Schönberg" sind 14 Jugendliche untergebracht. Das Gebäude verfügt über zehn Schlafräume, zwei Gemeinschaftsräume, zwei Küchen, vier Bäder und zwei Nachtbereitschaftsräume für die Betreuer.


"Ich mag dieses Haus"


Tagsüber kümmern sich vier Betreuer um die Jugendlichen, zwei im Frühdienst und zwei im Spätdienst. Nachts ist eine Bereitschaft im Haus vertreten. Der 16-jährige Denden aus Eritrea war zwei Jahre lang auf der Flucht. Sein Weg führte ihn von Eritrea über den Sudan, Libyen, Italien bis nach Rosenheim. In Burgkunstadt gefällt es ihm sehr gut. "Ich mag dieses Haus", erklärt Denden. Aktuell lernt er Deutsch. Sein Tagesablauf ist gut strukturiert.

Ab September beginnt für die Jugendlichen an der Staatlichen Berufsschule in Lichtenfels der erste Teil eines zweijährigen Berufs-Integrationsjahres. Die Vorbereitungsklasse diene zum Erlernen der deutschen Sprache und zum Kulturerwerb, erklärte Schulleiter Hans-Jürgen Lichy. Das zweite Jahr sei für den Erwerb des Mittelschulabschlusses vorgesehen. Danach wäre laut Lichy eine Berufsausbildung möglich.