Im Gespräch mit der Bayerischen Rundschau nahm Hubert Weiger auch Stellung zum Thema Winenergie in der Region.

Seit wann kämpfen Sie für den Bund Naturschutz?
Hubert Weiger: Ich habe 1971 als erster Kriegsdienstverweigerer als Mitarbeiter unseres langjährigen Vorsitzenden Hubert Weinzierl begonnen und war dann als Beauftragter für Nordbayern tätig, um den Verband mit aufzubauen. Seit Februar 1973 bin ich hauptamtlich beim Bund Naturschutz zätig und habe unter anderem die Kreisgruppe Kulmbach vor 40 Jahren mit gegründet und auch die ganze Versammlung damals geleitet.

Gab es Momente, in denen Sie gedacht haben, Sie würden gegen Windmühlen kämpfen?
Immer wieder! Es gab nicht nur bittere Niederlagen, sondern schon auch die Verzweiflung, ob unsere Gesellschaft jemals bereit ist, umzudenken. Was mich immer wieder veranlasst hat, weiterzumachen, war nicht nur die Liebe zur Natur selbst, sondern auch das Engagement unserer Mitglieder, das faszinierend ist und mich schon damals sehr begeistert hat. Unterm Strich kann man sagen, dass der Bund Naturschutz Großartiges bewegt hat, nicht allein, sondern auch mit Unterstützung von engagierten Kommunal- und Landespolitikern. Die Erfolge, die wir für die Natur erzielt haben, sind immer Gemeinschaftswerk.

Können Sie heute mit Überzeugung sagen, der Bund Naturschutz hat die Menschen und damit die Gesellschaft auch ein Stück weit verändert?
Mit Sicherheit. Unsere Hauptsorge ist heute der Klimawandel, also die Frage, ob wir es im Wettlauf mit der Zeit schaffen, die drastische Verringerung der klimarelevanten Emissionen, national wie weltweit, zu erreichen. Wir müssen da vorangehen, weil wir für viele Länder in der Entwicklung Vorbild sind. Wenn wir beweisen, es geht anders, dann hat das eine weltweite Wirkung.

Noch eine Frage zur Windkraft. Vielen möglichen Investoren bläst momentan der Wind in der Region kräftig ins Gesicht. Wie stehen Sie persönlich zur Windkraft?
Die Windkraft ist eine unverzichtbare erneuerbare Energie. Sie hat den geringsten Flächenanspruch. Von daher kann es nicht so sein, dass wir in Bayern sagen, Windkraft ja, aber bitte nicht bei uns. Ganz im Gegenteil: Wir müssen die Windkraft gerade auch bei uns als dezentrale Stromerzeugungsform aktiv nutzen. Aber die Windkraft hat natürlich auch die weiteste Wirkung in den Raum hinein. Man kann sie nicht verstecken, man sieht sie.
Von daher sagen wir, wir brauchen Windkraft nach Plan. Und wir haben genügend Auswahlmöglichkeiten und müssen nicht an den hervorragendsten Punkten unserer Landschaft entsprechende Windparks errichten.

Was meinen Sie genau?
Es gibt genügend planerische Möglichkeiten. Oberfranken war eigentlich ein Pionier in der Regionalplanung, hier sind schon vor 15 Jahren Vorranggebiete ausgewiesen worden. Die müssen natürlich überprüft werden, da braucht es auch Landschaftsbildkriterien, die öffentlich diskutiert werden müssen. Dazu braucht es Menschen, die das machen. Das heißt, die Regionalplanung braucht zusätzliche Menschen, die letztendlich die Bevölkerung informieren, aus welchem Grund hier ein Vorranggebiet ist. Es reicht nicht, nur die Gemeinden zu informieren und nicht die unmittelbar Betroffenen. Wir brauchen eine ganz andere Transparenz in der Planung, die in einer anderen Qualität als es bisher der Fall war, und wir brauchen Beteiligungsgesellschaften. Mit unseren derzeitigen Atomkraftwerken hinterlassen wir unseren Kindern und Kindeskindern eine ganze andere Hypothek als eine Windkraftanlage, selbst an einem falschen Standort, denn der kann nach 20 Jahren ohne Schaden für die Umwelt und die kommende Generation abgebaut werden.

Das Gespräch führte Werner Reißaus.