Ab dem 1. November wird die Bayerische Schlösserverwaltung den Kasernenhof der Plassenburg wieder für Autos öffnen. Besucher des Kulmbacher Wahrzeichens können ihre fahrbaren Untersätze bis Ende März in den rot-weiß markierten Parkboxen abstellen.


Bauhof übernimmt den Winterdienst


Die angekündigte Regelung stieß in und um Kulmbach auf ein vielfaches, zumeist positives Echo. Bewohner wie Politikern sehen darin aber nur eine Übergangslösung. Laut Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) soll das Parken im Kasernenhof wie im Vorjahr gehandhabt werden. Die Kontrolle des ruhenden Verkehrs übernehme die kommunale Verkehrsüberwachung der Stadt, den Winterdienst der städtische Bauhof.

Schramm sieht eine Reihe von positiven Effekten: "Die probeweise Öffnung der Plassenburg für den Individualverkehr in der letztjährigen Wintersaison war ein erster richtiger Schritt." In dieser Zeit hätten sich die Besucherzahlen in den Museen im Vergleich zum Vorjahr um etwa 50 Prozent erhöht.


Lösung für den Sommer gesucht


Sein Stellvertreter Stefan Schaffranek (WGK) begrüßt zwar die erneute Öffnung, hält aber eine nur halbjährige Zufahrtsgestattung für zu kurz gegriffen: "Viel wichtiger noch wäre eine Lösung für das Sommerhalbjahr. Hier muss dringend etwas passieren."

Landtagsvizepräsidentin Inge Aures (SPD) begrüßt es, dass sich die Schlösserverwaltung dazu durchgerungen hat, ab 1. November erneut das Parken im Kasernenhof zu ermöglichen. Dies könne allerdings nur ein erster Schritt sein. In den Sommermonaten sei die Besucherzahl viel höher, darauf müsse man eine vernünftige Antwort finden. Aures: "Ich habe es nie verstanden, warum man nicht auf der Fläche des früheren Reitgeländes neue dauerhafte Parkplätze errichtet."


Intensive Gespräche mit dem Heimatministerium


Für ihren Landtagskollegen Ludwig von Lerchenfeld (CSU) ist die Winteröffnung höchstens eine Zwischenlösung. Er glaubt nicht, dass sich Kraftfahrzeuge mit einer weiteren touristischen Nutzung des Burginnenhofs vereinbaren lassen. Stattdessen plädiert er für einen geeigneteren Parkplatz auf dem Burggelände und ein gesamtheitliches Nutzungskonzept, das kulturelle und touristische Aspekte berücksichtigt. Er führe hier bereits intensive Gespräche mit Vertretern des Finanz- und Heimatministeriums sowie der Schlösserverwaltung.

Etwas anders sieht das sein Parteifreund MdL Martin Schöffel, der sich erfreut zeigt, dass die Zufahrt für Autos ermöglicht werde: "Der Kasernenhof ist so groß, dass er auch als Parkplatz genutzt werden kann, ohne die Burganlage zu entstellen oder die Aufenthaltsqualität zu beeinträchtigen." Er setze sich dafür ein, dass die Besucher die Burg auch weiterhin mit dem Auto erreichen können.


Landrat hofft auf mehr Besucher


Überaus erfreut über die erneute Öffnung ist auch Landrat Klaus Peter Söllner (FW). Er hoffe, dass sich die Maßnahme erneut positiv auf die Besucherzahlen auswirken werde.

Nicht ausreichend nennt Sebastian Heisig, Pächter der Burgschänkeund des Cafés im Schönen Hof die Parkregelung für das Winterhalbjahr. "Für das Café wird die Regelung vielleicht ein paar Besucher mehr bringen, für die Burgschänke benötigen wir eine Parkregelung für das ganze Jahr und deutlich mehr Parkplätze hier oben", sagt er. Gerade für Veranstaltungen im Arsenalbau und im Schönen Hof gebe es viel zu wenig Stellplätze - "und für Gaststättenbesucher bleiben dann keine Parkmöglichkeiten mehr".


Chaos bei Veranstaltungen


Brigitta Lewerenz, seit 1953 Bewohnerin der Plassenburg, kann das bei Großveranstaltungen entstehende Chaos von ihrem Fenster aus sehen. "Manche trauen sich gar nicht, zwischen den rotweißen Absperrungen zu parken, da sie diese Farben für ein Verbotssignal halten - dann stellen sie sich lieber vor die Große Kaserne oder gleich ins Parkverbot." Lewerenz wünscht sich eine eindeutigere Regelung und klarere Beschilderung.

"Warum lassen wir die Burg nicht über den Buchwald anfahren?", bringt Peter Weith, Vorsitzender des Vereins Freunde der Plassenburg, eine andere Variante ins Gespräch. Die müsste aber im Zuge eines Gesamtkonzepts geplant werden.