Es ging um konkrete Einwände zum Vogelschutz und Schattenwurf, zu Windstärke und Lärmbelastung, aber auch um objektiv schwer fassbare Einschätzungen darüber, was der "Erholungswert" einer Landschaft sei und inwiefern dieser durch Windkraftanlagen eine unvertretbare Minderung erfahre. Diese und weitere Einwendungen waren insbesondere von Bürgerseite, aber auch von Trägern öffentlicher Belange gegen die geplanten Windparks in Alladorf und Kleetzhöfe vorgebracht worden.

Der Thurnauer Gemeinderat widmete sich am Montagabend eines jeden einzelnen Einwands, um nach vier Stunden Aussprache und Diskussion zwei entsprechende Bebauungspläne auf den Weg zu bringen; dafür war eine Änderung des Flächennutzungsplans vonnöten. Gegen die planerische Umsetzung für Alladorf stimmten die FDP-Räte Veit Pöhlmann und Jürgen Kraus sowie Hans-Friedrich Hacker (CSU).

Zenk: "Zu weit gegangen"
Diese Gremiumsmitglieder waren es auch, die den Bebauungsplan für Kleetzhöfe ablehnten, dazu gesellte sich Detlef Zenk (FW-ÜWG) mit einem Nein. Seine Begründung: "Die fünf Anlagen bei Alladorf gehen für mich nach wie vor in Ordnung." Aber Energiewende hin oder her: Bei der weiteren Ausweisungen von fünf Standorten für Kleetzhöfe und auch den Vorrangflächen in Lochau mit Platz für zwei potenzielle Windmühlen sei die Kommune "zu weit gegangen".

Kritik hatten Bürger unter anderem daran geäußert, dass einer Gefährdung seltener Vogelarten (Schwarzstorch, Roter Milan) durch die Rotoren zu wenig Beachtung geschenkt werde. Diplom-Ingenieur Bernhard Walk vom Planungsbüro Grosser-Seeger und Partner, der die Stellungnahmen der Marktgemeinde zu den Anregungen und Hinweisen aus der öffentlichen Anhörung formulierte, verwies auf die artenschutzrechtlichen Prüfungen. So werde etwa dem Schutz von Zugvögeln dadurch Rechnung getragen, dass die Windanlagen in den Sommermonaten abgeschaltet würden, sollte eine Gefährdung bestehen.

Die Art des Vorgehens erregte den Unmut Veit Pöhlmanns: "Wer hat Sie beauftragt, wer bezahlt Sie?", wollte der FDP-Rat von Bernhard Walk wissen. Dieser entgegnete, er handle im Auftrag der Gemeinde, werde aber von NewEN bezahlt; das ist die in Bremen ansässige Planungsgesellschaft, die die Windparks projektiert.

Pöhlmann monierte diese Verquickung: "Das Gremium scheint mir hier sehr in eine Richtung geschoben zu werden." Unter diesen Umständen glaube er nicht, dass der Marktgemeinderat eine objektive Beurteilung der berechtigte Bürgereinwände treffen könne, "zumal der Investor ja sogar denjenigen bezahlt, der für uns als Rat die Stellungnahmen formuliert". Die versprochene Wertschöpfung für die Bürger und die Kommune sei angesichts sinkender Stromerlöse eher fraglich. Pöhlmann frage sich, ob sich die Gemeinde - vor dem Hintergrund der 10H-Regelung - nicht um ein Mitspracherecht für künftige Anlagen bringe, wenn jetzt einem Bebauungsplan zugestimmt wird.

Ströbel: Anlagen sind genehmigt
Verwaltungsleiter Hans-Peter Ströbel und Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) machten deutlich: Die Diskussion sei letztlich ein Kampf gegen Windmühlen: Bei den Windkraftanlagen in Alladorf und Kleetzhöfe handelt es sich um Projekte, die bereits nach den Vorgaben der Bundesemissionschutzverordnung genehmigt wurden, also vor Horst Seehofers 10H-Vorstoß. Dadurch besteht Bestandsschutz. Ein Bebauungsplan erlaube es der Gemeinde aber immerhin, gewisse Rahmenbedingungen festzulegen; als Beispiel nannte Ströbel eine Anlagen-Maximalhöhe von 215 Metern. "Derzeit bewegen wir uns im Bereich von 200 Metern. Mit der Zugabe nach oben tragen wir möglichen technischen Fortschritten Rechnung."

Die Rotorenhöhe hatte auch die Gemeinde Wonsees in ihrer Einlassung als kritisch angesehen. Die Anlagen beeinträchtigten das Landschaftsbild und seien zu nah an bestehender Wohnbebauung. Antwort von Planer Walk: Es bestehe keine "bedrängende Wirkung", da ein Mindestabstand von einem Kilometer eingehalten werde - und damit mehr, als im Regionalplan als erforderlich vorgesehen.

Gemeinderat in Kürze