Der Wind bewegt - auch das im Vergleich zum stürmischen Norden doch laue Lüftchen Oberfranken. 105 Mühlen drehen sich in der Region bereits. Sie erzeugen im Jahr 225 000 Megawattstunden Strom. Um die Energiewende voranzutreiben, sind aber noch viele weitere Anlagen geplant. Über 90 sind genehmigt oder befinden sich im Genehmigungsverfahren. Etliche Mühlen könnten auf dem Fränkischen Jura entstehen - der vor einer Zerreißprobe steht.

Auch eine Finanzspritze


Wie kontrovers die Windkraft dort betrachtet wird, macht ein Blick auf Gebiete deutlich, an denen die Planungsregionen Oberfranken-Ost und -West aneinanderstoßen. Im Landkreis Kulmbach sind auf dem Jura etwa 30 Mühlen vorgesehen, allein bis zu 16 auf einer 430 Hektar großen Fläche bei Schirradorf im Markt Wonsees (Ost). "Wir freuen uns, können wir so doch einen Beitrag zur Energiewende leisten", sagt Thomas Schmeußer, der dem Koordinierungskreis der Grundstückeigentümer angehört. Diese wollen mit einem Projektentwickler aus Schleswig-Holstein einen bis zu 70 Millionen Euro teuren Windpark auf den Weg bringen, der den Grundbesitzern lukrative Einnahmen verspricht. Was Schmeußer nicht verhehlt: Landwirte, die ihre Flächen zur Verfügung stellen, erhalten eine stolze Pacht. "Das Geld kann helfen, gerade kleinere Betriebe über Wasser zu halten", sagt der Landwirt.

Windpark-Gegner haben Unterschriften gesammelt


Bei Schirradorf werden sich wohl schon 2014 die ersten Rotoren drehen - nur wenige Kilometer weiter ist der Gegenwind im Bereich des Planungsverbands West bei der Fortschreibung des Regionalplans aber groß. So haben auf dem Jura Windpark-Gegner 3000 Unterschriften gesammelt. Wie Edwin Bergmann, Sprecher einer Bürgerinitiative, deutlich macht, wären allein in Weismain über 40 Windräder möglich, die von der Mehrheit der Bürger abgelehnt würden. "Auch von den Landwirten, die nicht auf hohe Pachten schielen, sondern die Region im Blick haben", betont Bergmann, der vor negativen Auswirkungen warnt.

So sei ein Immobilien- und Grundstückswertverlust von bis zu 50 Prozent zu befürchten durch Mühlen, die in unmittelbarer Nähe zu den Orten entstünden und mit über 200 Metern Gesamthöhe wahre Giganten wären. Bergmann fürchtet die Zerstörung der Naturlandschaft, ebenso die Lärmbelästigung. Er ist auch überzeugt, dass sich Anlagen auf dem Jura nicht wirtschaftlich betreiben lassen. Bei einer Insolvenz der Betreibergesellschaft drohe die Verschrottung der Region, "wenn Mühlen, die nicht mehr laufen, stehen bleiben".

Der Weismainer Stadtrat ist dem Bürgerwillen gefolgt, hat fünf von sechs Vorranggebieten abgelehnt. "Auch deshalb, weil wir fordern, dass im Planungsverband West die selben Kriterien gelten wie im Osten", sagt Bürgermeister Udo Dauer (CSU). So sei im Osten beschlossen worden, dass die Umzingelungswirkung durch Vorrang- und Vorbehaltsgebiete, die auch in Weismain gegeben wäre, ein Ausschlusskriterium ist.

Dauer bedauert, dass der Bayerische Windatlas, auf den bei den Planungen Bezug genommen wird, nur Schätzungen beinhaltet. Der Nachweis der sogenannten Windhöffigkeit, die einen wirtschaftlichen Betrieb einer Anlage zumindest in Aussicht stelle, müsse schon vor der Ausweisung von Vorranggebieten erfolgen. "Genaue Windmessungen dürfen nicht erst im Baugenehmigungsverfahren erfolgen", so der Bürgermeister, der deutlich macht, dass Weismain nicht gegen erneuerbare Energien sei, mit der riesigen Freiflächen-Photovoltaikanlage an der A70 aber schon einen großen Beitrag zur Energiewende geleistet habe: "Jetzt sind auch andere gefordert."

Energieagentur: großes Potenzial


Dass Windparks ohne Zweifel einen erheblicher Eingriff in die Natur darstellen, erklärt Markus Ruckdeschel von der Energie agentur Nordbayern, der die Weismainer Bedenken in diesem Punkt verstehen kann. Viele Argumente der Windpark-Gegner könnten aber widerlegt werden, so Ruckdeschel, nach dessen Worten die Windkraft, was den Beitrag Oberfrankens zur Energiewende betrifft, das größte Potenzial bietet. Dass sich moderne Räder bei einer Nabenhöhe von 140 Metern im Binnenland wirtschaftlich betreiben lassen, davon ist er überzeugt. "Dass zeigt die Anlage im Markt Wirsberg im Kreis Kulmbach. Die läuft besser als so manches baugleiche Windrad an der Küste."

Die Angst vor einem Schrottpark hält er für unbegründet, da im Genehmigungsprozess für jede Mühle eine Bürgschaft für den Rückbau unterzeichnet werden müsse. Und beim Thema Lärm rät er zum Selbsterfahrungstest. "Jeder sollte sich in die Nähe einer Windmühle stellen. Sicher wird da ein Geräusch erzeugt, das ich aber nicht als Lärm bezeichnen würde."

Ob Grundstücke in Wind park nähe an Wert verlieren? Eine gewisse Wertminderung sei zu befürchten, sagt dazu der Kulmbacher Immobilienmakler Jörg Naumann. Doch könnten die Preise im ländlichen Raum gar nicht stark fallen, da sie nicht hoch seien - und sich die Nachfrage ohnehin in Grenzen halte.

Brennpunkte der Kritik


Die Argumente der Windkraft-Gegner hat man auch bei der Regierung vernommen. Es gebe im Osten wie auch im Westen Brennpunkte der Kritik, die in Weismain, aber etwa auch in Forchheimer Land liegen, weiß Abteilungsdirektor Thomas Engel.

Es sei eben aber auch Sinn und Zweck des Anhörungsverfahrens, dass Stellungnahmen abgegeben werden. Diese würden vom Planungsverband bei der Fortschreibung des Regionalplans gewürdigt, erklärt Engel, der es für möglich hält, dass etwa bei Weismain ein oder zwei Vorranggebiete herausgenommen werden. "Das wird aber alles anhand objektiver Kriterien bewertet werden."

Dass objektive Kriterien gelten, das weiß auch Weismains Bürgermeister Udo Dauer. Doch ist er davon überzeugt, dass dort, wo der Widerstand groß ist, sich auch in Vorranggebieten nicht viele Windräder drehen werden. Da pflichtet ihm Edwin Bergmann bei: "Denn ohne uns Grundstückseigentümer läuft nichts."