Was sie erwartet, haben sie natürlich geahnt. Vor Ort sind die Eindrücke trotzdem verstörend: Mitglieder der Kulmbacher Nepalhilfe sind in der letzten Woche in das vom Erdbeben schwer getroffene Land gereist - und sehen sich nun mit immensen Schäden konfrontiert.

Aus Malekhu, wo der Kulmbacher Verein eine Schule unterstützt, hat hat sich Andreas Rebhan per Mail bei der Bayerischen Rundschau gemeldet. Gemeinsam mit Vorsitzendem Peter Pöhlmann und dessen Stellvertreterin Sonja Promeuschel versucht er vor Ort zu helfen.

"Wir sind sehr gut voran gekommen", schreibt er. "Die Zerstörung an den Häusern in Malekhu ist wirklich immens. Häuser die von außen völlig intakt aussehen, sind aufgrund von Rissen so stark geschwächt, dass sie bei einem nächsten stärkeren Beben wohl einstürzen werden."

Totalabriss wird empfohlen

Dort, wo auf alte, traditionelle Weise gebaut wurde, sei es im Fall eines weiteren Bebens den Bewohnern wohl nicht möglich, unbeschadet zu entkommen. "Die Empfehlung des uns begleitenden Ingenieurs Keshap Phokrell ist ein Totalabriss und ein erdbebensicherer Neubau."

Die Schulen sind weitgehend intakt, so Rebhan. Allerdings ist sich Ingenieur Keshap Phokrell nicht sicher, ob diese ein stärkeres Erdbeben aushalten. Hier seien bauliche Maßnahmen erforderlich, um die Gebäude zu sichern. Der Ingenieur bescheinige den Häusern eine solide Grundkonstruktion, die aber unter den gegebenen Umständen nicht ewig halten werde.

Begleitet wurden die drei Kulmbacher auch von Shyam Neupane, einem Nepalesen, der erst vor kurzem in Kulmbach zu Gast war, und von Bishal Upreti, ehemaliger Geologieprofessor an der Universität von Kathmandu.
Die Zerstörung in Kathmandu ist Andreas Rebhan zufolge nicht so offensichtlich wie erwartet. "Erst auf den zweiten Blick sieht man die Schäden und die daraus resultierenden Risiken bei weiteren Erdbeben."

Wo Platz ist, zum Beispiel in Malekhu, schlafen die Menschen aus Angst vor neuerlichen Beben in Zelten vor den Häusern . In Kathmandu bleiben die Menschen trotz des Risikos oft in den Häusern. Wer kann, flieht zu Verwandten aufs Land.

In Bhaktapur, der Stadt, in der die Nepalhilfe das Siddhi Memorial Hospital unterstützt, sind die Schäden unermesslich. "Die Stadt scheint wie nach einem Bombenangriff und ist wie ausgestorben. Es befinden sich kaum Menschen auf den Straßen. Die wenigen, die man sieht, versuchen das Chaos zu beseitigen."

Die Abordnung der Nepalhilfe, die am Wochenende nach zurückkehren wird, hat sich auch nach dem Wohlergehen der Familien erkundigt, für die Kulmbacher eine Patenschaft übernommen haben. Sie werden die Paten nach ihrer Rückkehr persönlich informieren.