Am Ende der rund zweistündigen Protestveranstaltung brachten die Neuensorger klar zum Ausdruck, dass sie die Aufrüstung der Freileitung ablehnen und im Bereich von zwei Kilometern um Neuensorg eine Erdverkabelung fordern. Die Bürger befürchten vor allem eine zunehmende Gesundheitsgefährdung.

Landrat Klaus Peter Söllner (FW) will sich zusammen mit seinem Hofer Amtskollegen Oliver Bär, Bürgermeister Franz Uome (CSU) und unter Einbindung von MdB Emmi Zeulner und MdB Hans-Peter Friedrich (beide CSU) für ein Pilotprojekt stark machen und sich in der ersten Januarhälfte treffen.


"Jetzt Druck aufbauen"

Fritz Ruppert (65), der Sprecher der Bürgerinitiative, hatte die Protestveranstaltung eröffnet. Die Initiative hatte sich im Herbst gegründet, als man erfuhr, dass auch eine Erdverkabelung möglich ist. Ruppert: "Wir haben gesehen, dass fast alle im Dorf dafür sind und wir auch Unterstützung erfahren. Ich war von Anfang an total gegen die Trasse, weil ich der Meinung bin, dass man im Zeitalter des Energiesparens nicht das Dreifache durch die Leitungen jagen muss." Ruppert gab sich am Ende der Veranstaltung überzeugt: "Wenn wir jetzt Druck aufbauen, werden wir auch etwas erreichen."


Unterschiedliche Technologien

Projektleiter Andreas Herath von der TenneT TSO GmbH ging auf den "Ostbayernring" ein: "Jetzt kommt man aufgrund der Energiewende zur Erkenntnis, dass wir viel Strom von A nach B bringen müssen." Dafür gebe es technologische Unterschiede. Entweder die Schaffung eines Freileitungsnetzes mit Spannungsebenen von bis zu 700 Kilovolt oder eine Gleichstromverbindung. Innerhalb Deutschlands seien vier Projekte vorgestellt worden, in der Gesetzgebung habe man den Vorrang für Freileitungen festgelegt. Mit Hilfe vieler Bürgerinitiativen sei aber dafür Sorge getragen, dass alle Gleichstrompassagen grundsätzlich erdverkabelt werden können.

Herath erläuterte, dass eine Erdverkabelung bei Wechsel- oder Drehstrom aufgrund technischer Rahmenbedingungen nicht möglich ist: "Die kann man nicht aushebeln. Das Problem ist bei der Drehstromtechnologie, dass hier Magnetfelder vorhanden sind, die sich ändern. Dabei entstehen Blindleistungen, die irgendwann kompensiert werden müssen. Beim Gleichstrom haben wir ein konstantes Magnetfeld."

Weiter betonte der Experte, dass es nicht möglich ist, den Ostbayernring mit 185 Kilometer erdzuverkabeln: "Das geht nur dort, wo ich besondere Herausforderungen habe, wie die Annäherung zu Wohngebäuden." Auf den Einwand, dass diese Situation auf Neuensorg zutrifft, sagte Herath: "Ich möchte nicht sagen, dass es hier nicht geeignet ist, ganz im Gegenteil. Ich bin überzeugt, dass sich hier auch eine Erdverkabelung anbieten würde." Diese könne aber nur für Pilotzwecke eingesetzt werden, die bisher nur in Niedersachsen und Schleswig-Holstein möglich gewesen seien. Ohne die Schaffung einer rechtlichen Möglichkeit müsse man in Neuensorg aber nicht darüber diskutieren."


Keine Mehrheit im Bundestag

Landrat Klaus Peter Söllner betonte, dass das Thema Erdverkabelung von den Landräten aus Oberfranken und der Oberpfalz überhaupt erst auf die Tagesordnung gesetzt wurde: "Wir haben eine Resolution verfasst, dass man auch bei Wechselstrom eine Erdverkabelung anwenden soll. Diese Resolution ist auch vom Freistaat unterstützt worden. Vor einigen Tagen haben wir eine Mitteilung des früheren Innenministers Friedrich erhalten, wonach eine Erdverkabelung bei Wechselstrom im Bundestag keine Mehrheit gefunden habe. Wir haben aber alles versucht."

Söllner dankte den Vertretern von TenneT, die eine offene und ehrliche Informationspolitik betrieben hätten, und gab auch zu bedenken, dass die Trasse im Bereich der Marktgemeinde bereits vorhanden ist. Er sprach sich dafür aus, dass man im Gespräch mit den Vertretern von TenneT und den zuständigen Bundestagsabgeordneten eine Möglichkeit findet, zumindest in Teilbereichen eine Erdverkabelung vorzunehmen und hier einen Versuchsabschnitt als Pilotprojekt anzustreben.

Rainer Bauer aus Ösel griff diesen Gedanken auf: "Das heißt, die Erdverkabelung ist für den Wechselstrom noch nicht erforscht. Wir fordern ja keine für den gesamten Ostbayernring, sondern nur eine auf zwei Kilometer. Und was haben die bisherigen Pilotprojekte für eine Erdverkabelung anders als wir?"

Bürgermeister Franz Uome versicherte: "Wenn es einen Strohhalm für eine Erdverkabelung gibt, dann werden wir uns dafür einsetzen." Ralph Goller dazu: "Wenn wir eine Chance haben, ein Pilotprojekt zu bekommen, dann sollten wir auch sämtliche Möglichkeiten ausschöpfen. Wir sind hier in einer Region, wo die demografische Entwicklung viele Menschen zum Wegzug bewogen hat. Wenn wir die Leitung in die Erde bekommen, wäre es für die Region wirklich ein Gewinn."


Eindeutiges Votum

Fritz Ruppert nahm am Schluss noch eine Probeabstimmung vor. Das Votum war eindeutig: Man will eine Erdverkabelung, und es soll alles unternommen werden, um den Ersatzneubau der Freileitung zu verhindern. Dazu sollen weitere Protestplakate aufgestellt werden. Klar ist aber auch, dass gegen das derzeit laufende Raumordnungsverfahren bis zum 18. Januar 2016 Widerspruch eingelegt wird. In der Begründung wird vor allem auf die gesundheitliche Beeinträchtigung sowie auf eine nachhaltige Zerstörung des Landschaftsbildes verwiesen.