Alexandra Hofmann, die Inhaberin der Parfümerie Benker , tritt bei "Unser Kulmbach" die Nachfolge ihres Bruders Christoph Hofmann an, der das Amt aus zeitlichen Gründen abgegeben hat und jetzt ihr Stellvertreter ist. Für die 62-Jährige hat die Einkaufsstadt nach wie vor ihren besonderen Reiz. Im Interview spricht sich über den Umzug des Drogeriemarktes Müller, die Leerstände und die Zukunft der Einkaufsstadt

Frau Hofmann, Sie wollten ja eigentlich kein Führungsamt. Was hat Sie dazu bewogen, nun doch den Vorsitz der Händlervereinigung zu übernehmen?
Alexandra Hofmann: Ich habe das gemacht, um zu verhindern, dass der Verein sich auflöst. Nachdem mein Bruder das Amt abgegeben hat, habe ich mich zur Wahl gestellt. Auch weil mir die Einkaufsstadt Kulmbach sehr am Herzen liegt.

Die Einkaufsstadt Kulmbach hat es schwer. Mit dem bevorstehenden Auszug des Drogeriemarkts Müller aus der Filiale in der Webergasse verliert die Innenstadt ein weiteres Zugpferd. Wie bewerten Sie das?
Es ist schade, dass der Drogeriemarkt, der mit seinem Angebot so viele Dinge des täglichen Bedarfs abdeckt, die Innenstadt verlässt. Nicht wenige sagen, dass ich selbst mit meiner Parfümerie profitieren werde. Ich sehe das anders, denn von den Leuten, die Müller in die Stadt lockt, haben mit mir auch viele andere Händler profitiert.

Was fehlt der Innenstadt?

Mit dem Weggang von Müller sicherlich ein Geschäft, das ein ähnliches Angebot unterbreitet. Wünschenswert wäre ein größerer Lebensmittelladen. Es gibt ja Ketten, die mit "City Points" wieder in die Innenstädte gehen.

Was hat "Unser Kulmbach" vor?
Wir wollen eine Plattform für all die bieten, die die Einkaufsstadt attraktivieren wollen. Wir wollen etwa mit Aktionen zu Weihnachten - 2015 gibt es den Krippenweg - dazu einen Beitrag leisten. Wir brauchen aber sicherlich ein Netzwerk, um die Einkaufsstadt voranzubringen. Es gibt Ideen, den Wochenmarkt zu attraktivieren, auch den Vorschlag, den Holzmarkt stärker in das vorweihnachtliche Geschehen in der Stadt einzubinden.

Hat die Einkaufsstadt in Zeiten des Online-Handels Zukunft?
Wir werden in Zeiten, in denen sich das Einkaufsverhalten fundamental ändert, wohl kleinere Brötchen backen müssen. Ein Problem, das mit Kulmbach auch viele andere Städte in Deutschland haben. Wir müssen auf unsere Stärken setzen. Kulmbach lebt von vielen kleineren Geschäften, die durch ihr besonderes Angebot das Einkaufen gerade auch für die vielen Touristen zum Erlebnis machen.

Nicht wenige Einheimische klagen über die Leerstände und eine mangelnde Angebotsvielfalt. Was sagen Sie den Kritikern?
Viele, die klagen, sollten sich an die eigene Nase fassen. Wir Kulmbacher sollten uns der Tatsache bewusst sein, dass es unsere Heimat- und auch Einkaufsstadt ist. Wer klagt, sollte mal sein eigenes Einkaufsverhalten auf den Prüfstand stellen. Wer in Kulmbach nichts kauft, muss sich nicht wundern, dass das Angebot kleiner wird.

Was wünschen Sie sich für die Händlervereinigung?

Dass wir mehr Mitglieder - derzeit haben wir 38 - gewinnen und diese gemeinsam für die Einkaufsstadt eintreten. Wünschenswert wäre es, das sich mehr Filialisten einbringen. Auch die machen bei uns ihr Geld und sollten ein Interesse daran haben, dass die Stadt nicht an Attraktivität verliert.