In der Blaich haben die Bauarbeiten für den Kindergarten begonnen, der die renovierungsbedürftige Tagesstätte der Auferstehungskirche ersetzen soll. Das freut die Eltern der betroffenen Mädchen und Jungen, weniger aber die Anwohner der Friedrich-Ebert-Straße. In der Querverbindung zwischen Blaicher und Caspar-Fischer-Straße hat sich nämlich die Parksituation drastisch verschärft.

Stefan Dörfler kann ein Lied davon singen. Der 33-Jährige, der im Klinikum Bayreuth arbeitet und jeden Tag früh aufstehen muss, hatte schon oft Schwierigkeiten, sein Auto aus dem Stellplatz zu manövrieren.
"Es wird beidseitig geparkt, und inzwischen stellen auch die Lehrer der Blaicher Schule ihre Autos hier ab. Ich habe ja durchaus Verständnis für die Bauarbeiten, aber die Gehwege sollten zumindest frei bleiben", sagt Dörfler und erinnert sich daran, dass eine Nachbarin mit einem Familienangehörigen im Rollstuhl schon einmal auf die Fahrbahn ausweichen musste. "Ich bin seit 33 Jahren Kulmbacher und Blaicher, aber so schlimm war es noch nie", sagt er.

Ein Problem liege auch darin, dass niemand einen festen Stellplatz habe. "Es gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst." Zudem stelle er oft auch Fahrzeuge fest, deren Besitzer nicht in der Friedrich-Ebert-Straße wohnen. Dörfler wurde zwar noch nie völlig zugeparkt, befürchtet aber, dass das irgendwann passiert und er zu spät zur Arbeit kommt: "Ich kann doch früh um fünf Uhr die Leute nicht aus dem Bett klingeln."


"Da muss es schon wild zugehen"

Der 33-Jährige berichtet, dass er sein Anliegen auch schon im Rathaus, bei der Verkehrsüberwachung und bei der Polizei vorgetragen hat. In der Inspektion sei ihm versichert worden, dass eine Streife vorbeigeschickt werde, um sich vor Ort ein Bild von der Parksituation zu machen. "Das war etwa vor einer Woche. Seitdem habe ich nichts mehr gehört. Das ärgert mich etwas."

Polizeihauptkommissar Michael Kofer, der Verkehrssachbearbeiter der Kulmbacher Inspektion, macht Dörfler wenig Hoffnung auf Veränderung durch verkehrsrechtliche Anordnungen: "Da muss es schon ganz wild und eng zugehen, damit ich sage, wir machen eine Straßenseite zu. Jeder muss schauen und notfalls warten. Es handelt sich um ein Siedlungsgebiet, wo ich als Autofahrer eine gewisse Sorgfaltspflicht habe."

Kofer räumt ein, dass es "dort draußen" sicher ein Problem ist, einen Parkplatz zu finden. Würden aber plötzlich für 30 Fahrzeuge Stellflächen wegfallen, würden Anwohner, die erst nach 18 Uhr von der Arbeit kommen, eben gar keine Lücke mehr finden. Sollte das Ordnungsamt der Stadt Kulmbach, die in diesem Fall die Verkehrsbehörde sei, eine Nachschau halten, sei er als Verkehrssachbearbeiter natürlich mit im Boot, versicherte der Polizeihauptkommissar.


Stadt bittet um Verständnis

Der Leiter des OB-Büros, Pressesprecher Simon Ries, stellt fest, dass die Belastungen für die Anwohner überschaubar sind, da die Bauphase nur wenige Monate andauern werde. "Bis Herbst wird der Kindergarten fertig sein", so Ries, der darauf verweist, dass für ein Projekt dieser Größenordnung im Normalfall eineinhalb Jahre notwendig seien. Im Übrigen werde die Stadt auf dem Gelände des Kindergartens auch neue Stellflächen schaffen. "Dass es hier zu Belastungen kommt, ist klar, und die Stadt bittet dafür auch um Verständnis", so Ries, der nichts davon hält, jetzt verkehrsrechtlich durchzugreifen, sondern an die Verkehrsteilnehmer appelliert, rücksichtsvoll miteinander umzugehen. Die Mitarbeiter der Kommunalen Verkehrsüberwachung seien im Übrigen nur in der Innenstadt unterwegs.

Maßnahmen will der Pressesprecher aber nicht vollkommen ausschließen: "Sollten sich in der Blaich dauerhaft gravierende Probleme ergeben, dann muss man sich halt einmal zusammensetzen."