Sie hat eine weiten Weg hinter sich, kommt aus den südlichen rumänischen Karpaten und soll nun in Oberfranken heimisch werden: die Weißtanne. In einer aufwendigen Aktion mit europäischer Bedeutung wurde im Staatsforst westlich von Muckenreuth jetzt eine Versuchsfläche gestartet, um dieser für die Stabilität der Wälder wichtigen Baumart eine neue Chance zu geben. Das Projekt begleiten die Bayerische Forstverwaltung in Bayreuth und das Bayerische Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht.

Bei einem Ortstermin konnte man einen ersten Einblick gewinnen, wie das funktionieren soll. Auf einer Fläche von 1,52 Hektar stehen etwa 2300 Pflanzen, die vier bis fünf Jahre alt sind, und helfen sollen, eine stabilisierende Wirkung auf den Klimawandel auszuüben und etwas für die Gesundheit des Waldes zu tun. Hans Schmittnägel vom Bayreuther Forstamt erklärt die Vorteile der Baumart: "Die tief wurzelnde schatten- und klimatolerante Weißtanne eignet sich gut hier in Oberfranken, passt sich ihrer natürlichen Umgebung an und verbessert die derzeit gehemmte natürliche Verjüngung." Der Versuch ist auf die Dauer von 30 Jahren ausgelegt, ob alles gelingt, wie sich die Fachleute das vorstellen, liegt in der Zukunft. Fritz Maier jedenfalls verspricht sich positive Ergebnisse, "weil die Karpaten-Weißtanne ein stabiler Baum ist mit großen Anpassungsfähigkeiten".
Der Bereichsleiter vom Forst Nordhalben schildert, was mit dieser Pflanzung bezweckt werden soll: "Wir wollen die großen fichten- und kieferndominierten Waldgebiete bei uns mit dieser wertvollen Baumart anreichern und deren ökologische und ökonomische Eigenschaften nutzen." Jährlich soll kontrolliert werden, wie es den Bäumchen auf diesem Areal im Staatsforst ergeht. Die Gesamtkosten bisher bezifferte er zwischen 15.000 Euro und 20.000 Euro.


Schon ein bisschen stolz

Weitere Gründe für die Pflanzung erläuterte Forstreferendar Georg Späthling und sagte, dass die Fläche hier ein Teil eines deutschlandweiten Weißtannen-Herkunftsversuches sei. "Bereits in der Vergangenheit haben diese Karpatenbäume in den Bereichen Wüchsigkeit und Vitalität gut abgeschnitten." Neben Bayern beteiligen sich noch die Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Thüringen und Sachsen. "Dass wir in Nordbayern eine von zwei Versuchsflächen im Freistaat haben, darauf sind wir schon ein bisschen stolz", fügte Späthling an. Und damit alles gut gedeihe, würden jede Konkurrenzvegetation und alle sonstigen sich verjüngenden Baumarten entnommen. Die Pflanzen stehen im Abstand von zwei mal zwei Metern, ein Block umfasst sechs Reihen mit jeweils acht noch ganz kleinen Bäumchen. Es ist ein Test für die Eignung von Tannen aus den rumänischen Karpaten, fasste der Referendar zusammen. In Oberfrankens Wäldern sei die Weißtanne einst prägend gewesen, aber mittlerweile selten geworden. "Diese Baumart soll wieder gebührend Fuß fassen", sagte Späthling.
Schmittnägel ergänzte humorvoll: "Als Christbaum ist sie aber nicht geeignet."