Zigaretten, Alkohol, CDs, DVDs - in der Hitliste der bei Kaufhausdiebstählen am meisten entwendeten Gegenstände liegen diese Dinge ganz vorne. Kurios mutet es dagegen an, wenn ein Ladendieb Heftpflaster klaut. Ein 18-jähriger Arbeiter aus Kulmbach brachte das fertig uns musste sich deshalb jetzt vor dem Jugendrichter verantworten.

Sein Finger habe plötzlich im Kaufland zu bluten begonnen, da habe er sich nicht anders zu helfen gewusst, sagte der junge Mann vor Gericht. "Einen blutenden Finger im Kaufland, das hatten wir noch nie", entgegnete Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner. Der Angeklagte habe nur ein einziges Pflaster aus der Verpackung genommen, es sich um den Finger gewickelt und die Packung wieder in das Regal gestellt, sagte die Staatsanwältin bei der Verlesung der Anklageschrift.


Diebesgut kostete 1,99 Euro


Diebstahl ist halt auch dann Diebstahl, wenn der Wert der gestohlenen Ware nur bei 1,99 Euro liegt. Der Angeklagte räumte die Tat jedenfalls voll und ganz ein. Er habe sich fünf Minuten vorher am rechten Zeigefinger verletzt und stark geblutet, da habe er sich das Pflaster genommen.

"Es tut mir sehr leid, ich habe einfach nicht nachgedacht", so der Angeklagte. Beim Verlassen des Kassenbereichs habe ihn ein Wachmann angesprochen, da sei er in panischer Angst davongelaufen. "Ich hatte eh schon Stress mit meinem Vermieter, nun hatte ich auch noch Angst vor der Strafe und wusste nicht, wie ich das alles schaffen sollte."


Ziemlich komplizierte Lebenssituation


Tatsächlich hatte der Angeklagte damals so einige Probleme, wie der Vertreter der Jugendgerichtshilfe zu berichten wusste. Das Jugendamt hatte bereits zum zweiten Mal einen Erziehungsbeistand eingerichtet, Grund sei die ziemlich komplizierte Lebenssituation und der schwierige familiäre Hintergrund des Mannes. Er jobbt zwar, lebt aber dennoch im Wesentlichen von Hartz IV. "In der vorliegenden Straftat wird die Lebenssituation des Mannes so richtig deutlich", so der Vertreter der Jugendgerichtshilfe.

Ein weiteres Problem war, dass sich der junge Mann erst vor einem guten halben Jahr wegen Ladendiebstahls vor dem Amtsgericht hatte verantworten müssen. Das Verfahren wurde damals gegen die Ableistung von 20 gemeinnützigen Arbeitsstunden eingestellt. Die Arbeitsstunden hat der Mann inzwischen verrichtet.


"Ziemlich dumm gelaufen"


Richter Christoph Berner entschied auch diesmal, das Verfahren einzustellen, ebenfalls gegen die Ableistung von unentgeltlichen, gemeinnützigen Arbeitsstunden nach näherer Weisung der Geschwister-Gummi-Stiftung. "Ist schon ziemlich dumm gelaufen", sagte der Richter. Der Angeklagte nickte und war spürbar und sichtbar erleichtert.