Eine Hymne auf Kulmbach - gibt es die überhaupt? Das "Kulmbach-Lied" vielleicht. Wie war der Text noch gleich:
"In dem schönen Frankenlande liegst du da in bunter Pracht, zwischen Höh'n am grünen Strande, von der Plassenburg bewacht.
Kulmbach, du alte Stadt am Main, Kulmbach, du sollst gepriesen sein!
"
Hat das Hymnen-Charakter? Oder doch eher jenes Lied, das mit "Mein Heimatort" betitelt ist (siehe unten)?
Die Recherchen zu dieser Geschichte beginnen bei Ingeborg und Horst Degelmann in Fölschnitz. "Das wurde früher, noch bis in die 1950er und 1960er Jahre, immer beim Wiesenfest gesungen, das war sozusagen ein Standardlied", wissen die begeisterten Musiker und Sänger. Horst Degelmann, einst der Leiter des Plassenburg-Singkreises sowie des Kulmbacher Kammerorchesters, greift in seine Unterlagen und holt eine Postkarte hervor. Darauf sind Text und Melodie notiert. Als Komponist wird Richard Matthes angegeben, der Text ist demnach angeblich entnommen aus einem Gedicht von J. Sichart. Die frühere Musikschullehrerin Ingeborg Degelmann summt die Melodie an. Wer aber dieser ominöse Sichart war? Achselzucken bei den Fölschnitzern.

Wer nach jenem J. Sichart im Internet sucht, wird verwiesen auf das "Handbuch der allgemeinen Literaturgeschichte aller bekannten Völker der Welt". Dort tauchen ein J. Sichart auf und eine Jahreszahl: 1528. Ein anderer Vermerk deutet nach Stuttgart: Dort gibt es ein Johann-Sichart-Haus, in dem die Evangelische Heimstiftung Baden GmbH alte und kranke Menschen pflegt. Beide Einträge entpuppen sich als Fährten ins Nirgendwo.


Wer ist J.Sichert?

Vielleicht kann Erich Olbrich weiterhelfen. "Bei diesem Sichart sicher nicht", sagt der begeisterte Heimatkundler verschmitzt. Und schiebt hinterher: "Für mich gilt ohnehin das ,Kulmbach-Lied' als das Lied auf unsere Bierstadt. Immerhin trägt das Stück explizit Kulmbach im Titel, während ,Mein Heimatort' im Endeffekt auf jede Stadt mit einer en Burg passt."



Zum Kulmbach-Lied kann Olbrich eine Menge erzählen. "Es war eine Auftragsarbeit des ehemaligen Kulmbacher Oberbürgermeisters Georg Hagen." Der hatte seine Söhne im Zweiten Weltkrieg verloren und zu ihrem Gedenken den bekannten Chorleiter und Komponisten Josef Kubina um eine musikalische Hommage gebeten.
"Kubina war ein Flüchtling aus Oberschlesien, der in den Kriegswirren schließlich nach Kulmbach kam und hier eine neue Heimat fand", sagt Olbrich. Er war ein begnadeter Chorleiter und hat unter anderem den Mädchenchor der Blaicher Schule geleitet sowie die Gesangvereine "Eintracht" und "Liederhort", deren Ehrenchorleiter der 1974 verstorbene Kubina ist. Dass sich sein Kulmbach-Lied offenbar im musikalischen Gedächtnis festgesetzt hat, macht der Heimatforscher an der folgenden Begegnung fest: "Bei einer meiner Entdecker-Touren für Kinder durch Kulmbach war ich mit Blaicher Schülern unterwegs. Als die Gruppe auf OB Henry Schramm traf, trug sie ihm spontan das besagte Kulmbach-Lied vor." Und schmunzelnd fügt er hinzu: "Unsere Stadt verfügt über sehr viele sehr schöne Lieder. Ob nun das eine oder das andere die Hymne auf Kulmbach ist, ist letztlich nicht wichtig. Hauptsache ist doch, dass die Titel gesungen werden und nicht in Vergessenheit geraten."



Spannende Radio-Umfrage

Interessante Ergebnisse zum Thema Kulmbach-Hymne brachte übrigens eine Umfrage von Radio Plassenburg. Redakteurin Marlen Vohwinkel bestätigte, dass sich die Bürger daran sehr rege beteiligt haben. "Unserem Aufruf sind viele Menschen gefolgt. Sie haben uns erzählt, welches Lied ihnen spontan in den Sinn kommt - und mancher hat gleich noch eine Kostprobe seines Gesangstalents ins Mikro gegeben." Hörerin Christine Schoberth hat zwei Strophen des Stücks "Mein Heimatort" eingesungen.



Kulmbach-Lied

1. In dem schönen Frankenlande liegst du da in bunter Pracht,
zwischen Höh'n am grünen Strande, von der Plassenburg bewacht.
Kulmbach, du alte Stadt am Main, Kulmbach, du sollst gepriesen sein!

2. Soviel Schlote sieht man selten, soviel Fleiß und soviel Kraft
und es trägt in alle Welten
deinen Ruhm, dein Gerstensaft.
Kulmbach, du alte Stadt...

3. Zeiten voller Not und Mühen
kehrten oft bei dir auch ein,
doch jetzt sollst du immer blühen, das soll unser Streben sein.
Kulmbach, du alte Stadt...

Mein Heimatort

1. Trautes, liebes Heimatstädtchen, du mein Glück, mein Sonnenschein.
Könnt ich doch so lang ich lebe
immer, immer bei dir sein.
Könnt ich doch so lang ich lebe
immer, immer bei dir sein.

2. Friedlich liegst du in dem Tale, rings umgrenzt von schatt'gen Höhn.
Und die Burg als treue Freundin, schaut herab so stolz und schön.
Und die Burg als treue Freundin, schaut herab so stolz und schön.

3. Enge Gäßchen schleichen schüchtern
zwischen alten Häusern hin
und erinnern an die Zeiten, die schon längst, schon längst dahin
und erinnern an die Zeiten, die schon längst, schon längst dahin.

4. Ach, wie weile ich so gerne
in des Elternhauses Glück
und muß ich es einst verlassen, sehn' ich mich nach ihm zurück
und muß ich es einst verlassen, sehn' ich mich nach ihm zurück.

5. Segne Vater unser Städtchen, halte ferne jedes Leid
und verleih in deiner Güte all' den Seinen Trost und Freud
und verleih in deiner Güte all' den Seinen Trost und Freud.