Einst war das Stadtsteinacher Freibad ein Vorzeigeobjekt, eines der ersten in Bayern mit einer Warmwassersolaranlage. 1984 wurde die damals innovative Technik installiert. Inzwischen ist die Anlage allerdings in die Jahre gekommen: Ein Viertel der Kollektoren ist nicht mehr funktionstüchtig, und auch am Holzständerwerk nagt der Zahn der Zeit.

Noch ist die Solaranlage leistungsfähig genug, um das Wasser im Schwimmbecken zu erwärmen. Doch in absehbarer Zeit wird Ersatz benötigt, so Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD), der die Firma Münch Energie aus Rugendorf gebeten hat, Alternativen zu prüfen, "damit wir für möglichst wenig Geld Warmwasser haben".


Erneuerung ist teuer


Das haben die Fachleute getan und stellten dem Stadtrat am Montagabend die Grundlagen eines Konzepts mit einer Photovoltaikanlage und Wärmepumpen vor. Eine Erneuerung der thermischen Solaranlage verursache Kosten in Höhe von 300 000 bis 350 000 Euro, schätzt Abteilungsleiter Markus Wunner von der Firma Münch. Zuschüsse für die Finanzierung einer derartigen Ersatzbeschaffung gibt es nicht.

Die für die Stadt bessere und kostengünstigere Variante sei ein intelligentes Eigenstromkonzept. Wie dieses System funktioniert, erläuterte Michael Schlee vom Vertrieb der Firma Münch. Der Vorteil liegt für ihn auf der Hand: "Es ist eine steuerbare Anlage. Sie können bedarfsabhängig entscheiden, ob der erzeugte Strom in Wärme umgewandelt oder ins Netz eingespeist und vergütet werden soll." Erzeugte Überschüsse könnten immer eingespeist werden und zur Finanzierung beitragen.


Ölheizung wird überflüssig


In das neue Konzept könne die Heiztechnik des gesamtes Bades inklusive der Wohnung einbezogen werden. Die noch vorhandene Ölheizung, die 5000 Liter Heizöl pro Jahr verbraucht, kann sich die Stadt dann sparen. Zusätzlich verbessere die Stadt durch eine positive CO 2 -Bilanz ihr grünes Image und könne den selbst erzeugten Strom auch für andere Projekte nutzen, beispielsweise für eine Fahrradladesäule am Freibad. "Nach spätestens 15 Jahren hat sich die Anlage selbst finanziert und erwirtschaftet danach Gewinn", so Schlee. "Das kann keine andere Anlage."

Das Bad kostenneutral mit neuer Technik ausstatten - für Bürgermeister Wolfrum und die Mehrzahl der Stadträte klingt das sehr verlockend. Wolfgang Martin (BL) bezweifelt jedoch, dass ein Ersatz für die bestehende Anlage 300 000 Euro kostet. Er möchte, dass zum Vergleich eine Alternative mit Absorbermatten und Schwimmbadabdeckung durchgerechnet wird. Außerdem rechnet Martin mit Kosten in Höhe von mindestens einer halben Million Euro für die Umsetzung des Alternativvorschlags der Firma Münch.

Michael Schlee machte die Räte darauf aufmerksam, dass die Anlage über ein Kommunal-Leasing finanziert werden könnte. So falle die Anfangshürde hoher Investitionskosten weg. Die Stadt müsse mit einer Jahresbelastung von 10 000 Euro in den ersten 15 Jahren rechnen. "Das ist deutlich günstiger als eine Erneuerung der Solaranlage."

Was genau die Umstellung auf die alternative Technik kostet, welche Dimension die neue Anlage haben müsste und alle weiteren Details wird die Firma Münch noch ermitteln und genau berechnen. Der Stadtrat erteilte dafür am Montag einen entsprechenden Arbeitsauftrag.

In zwei Monaten sollen detaillierte Zahlen und Fakten auf dem Tisch liegen. Das Zeitfenster, das den Räten für eine Entscheidung zur Verfügung steht, ist nämlich nicht allzu groß: "Erst seit Jahresanfang erlaubt der Gesetzgeber die Errichtung einer solchen Anlage entlang der Bahnlinie zum Eigenverbrauch. Das ist auf jeden Fall bis zum Jahresende möglich. Was danach kommt, wissen wir nicht", sagte Michael Schlee. Deshalb sollte die Stadt nicht zu lange warten.