Der erste Eindruck war, dass man in einer Universitätsvorlesung sitzt. Kunststück, schließlich waren die Vortragenden am Donnerstagabend zum Teil Dozenten der Technischen Universität (TU) München. Sie haben den weiten Weg ins Schloss Thurnau gemacht, um ihre Kooperationspartner, interessierte Bürger und politische Vertreter über den Verlauf und das Ergebnis ihrer Untersuchungen zu informieren.


Projekt kostet 32 Millionen Euro


Besagtes Projekt, das zirka 32 Millionen Euro kostet, war eine Kooperation zwischen dem Landkreis Kulmbach, der TU München und dem Landesamtsfür Umwelt und wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz sowie über das EFRE-Programm der EU finanziert. Man wollte untersuchen, ob es möglich ist, Haushalte im Landkreis mit Erdwärme zu versorgen.

Im Kutschenhaus des Schlosses Thurnau waren Informationstafeln aufgebaut, auf denen die untersuchten Landkreisabschnitte, Bodenbeschaffenheiten und allgemeine Informationen zum Projekt zu sehen waren. Dazu eine Rednerbühne, dahinter eine große Leinwand, auf der per Beamer die Ergebnisse präsentiert und von den jeweiligen Rednern erklärt wurden.


Mit höheren Kosten rechnen


Professor Thomas Hamacher von der Technischen Universität München wies darauf hin, dass der Trend zu erneuerbaren Energien unaufhaltsam sei. Allerdings müsse jeder, der dies befürworte, auch daran denken, dass der Energiewandel Konsequenzen mit sich bringe: "Der Zusammenhang zwischen Strom und Wärme ist höchst komplex. Wenn ich als Privatmann Strom aus der Erdwärme ziehen will, muss ich auch damit rechnen, dass auf mich höhere Kosten zukommen.”

Grundsätzlich sei es aber möglich, dass sich ein Großteil der Haushalte in den untersuchten Kommunen des Landkreise selbst mit Erdwärme versorgen kann. Dies erläuterte Marcellus Schulze vom Bayerischen Landesamt für Umwelt in Hof. "Wenn die Voraussetzungen stimmen, können bis zu 100 Prozent des Wärmebedarfs eines Haushaltes durch Erdwärme aus dem eigenen Grundstück gedeckt werden. Für ein Einfamilienhaus kann man von zwei Erdwärmesonden mit jeweils 100 Metern Bohrunsgtiefe ausgehen.”


Es gibt Förgermittel


Allerdings gab Florian Schneider von der ASK Geotherm in Kulmbach zu bedenken, dass dies mit erheblichen Kosten für den Hausbesitzer verbunden ist: "Geht man von einem Neubau eines Einfamilienhauses aus, kommen die Bohrungen mit Sondeneinsatz und Leitungsverlegung auf etwa 10 000 Euro. Dazu benötigt man noch eine Wärmepumpe, ohne die man die Erdwärme nicht nutzen kann und die noch einmal zirka 7000 Euro kostet.”

Aber man könne Fördermittel beantragen, etwa von der KfW oder dem Bundesamt für Ausfuhrkontrolle. Diese decken knapp die Hälfte der entstehenden Kosten ab. Hamacher dazu: "Alle Investitionen rentieren sich erst auf lange Sicht. Aber die Umstellung Erdwärme ist auch keine kurzfristige Investition."


Viele Faktoren spielen eine Rolle


Allerdings spielen viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle, ob die Erdwärme, in Fachkreisen auch Geothermie genannt, sinnvoll genutzt werden kann. Das erläuterte Tobias Eder von der TU München. Zum einen ist dies die Bodenbeschaffenheit, zum anderen die Fragem ob sich Trinkwasservorräte im Untergrund befinden. Auch in Wasserschutzgebieten werde grundsätzlich nicht gebohrt. Zudem sind es die Häuser selbst. Je besser ein Haus saniert werde, desto besser sei auch das Einsparpotenzial bei der Erdwärme.

Ob das eigene Grundstück für die Geothermie-Nutzung tauglich ist oder nicht, kann jeder in Kürze auf der Geoportal-Seite des Landkreises Kulmbach im Internet ersehen, wie Michael Beck vom Landratsamt Kulmbach abschließend erklärte.

Landrat Klaus Peter Söllner zeigte sich am Ende der Vorträge davon überzeugt, dass das im Landkreis Kulmbach begonnene Projekt als Modell für ganz Bayern dienen kann: "Wir sind hier auf einem sehr guten Weg. Wir freuen uns auf weitere Zusammenarbeit mit unseren Partner und erwarten den Beginn der tatsächlichen Umsetzung.”