Wie hat man das als junger Mann vom Dorf früher nur geschafft? Ich stehe in einer wildfremden Stadt, habe weder Karte noch Navigationsgerät zur Hand und weiß nicht mehr weiter. Vermutlich hätte ich einen Ortskundigen nach dem Weg gefragt. Heutzutage genügt es, Google Maps auf dem Smartphone zu öffnen, und schon weiß ich, wo's lang geht.

Schweizer Taschenmesser


Der Fall zeigt, dass insbesondere junge Menschen wie ich ohne modernes Handy heutzutage wohl aufgeschmissen wären. Denn die kleinen Geräte sind inzwischen zum Ersatz für vieles andere geworden. Sie können nicht nur viel - sie können alles.
Doch damit ein Smartphone zum digitalen Schweizer Taschenmesser wird, muss man sogenannte Apps (englisch kurz für "Applications", also Anwednungen) darauf installieren (siehe auch "MultiMediaJournal" vom Donnerstag). Denn Smartphones sind eigentlich eher kleine Computer als Mobiltelefone und müssen erst mit Programmen aufgerüstet werden. Diese bekommt man in der Regel aus dem bereits auf dem Handy vorinstallierten "App-Store": Man gibt in eine Suchmaske den Namen der Anwendung ein und kann sie dann herunterladen.
Doch die passende App für den richtigen Zweck zu finden ist oft nicht so einfach, denn inzwischen gibt es x-verschiedene Anwendungen. Da verliert man leicht den Überblick. Aber welche Apps braucht der Smartphone-Nutzer von heute unbedingt? Und welche sind zwar lustig, aber völlig überflüssig?
In der eingangs beschriebenen Situation hilft mir nicht nur Google Maps weiter, als sehr praktisch kann sich auch die App "Öffi" erweisen: Mit ihr komme ich auch ohne Auto sehr leicht von A nach B. Einfach Standort und Zieladresse eingeben, schon wählt die App den schnellsten Weg mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln aus.
Das mag in größeren Städten hilfreich sein, doch bei uns auf dem Land sind die meisten doch eher mit ihrem eigenen Auto unterwegs. Der umsichtige Fahrer hat dabei immer die Benzinpreise der verschiedenen Tankstellen im Auge, vergleicht und schlägt im richtigen Augenblick zu. Die App "mehr-tanken.de" nimmt den Pfenningfuchsern unter den Autofahrer nun einiges an Arbeit ab: Sie ermittelt per GPS oder Postleitzahl die billigsten Preise im Umkreis von bis zu 25 Kilometern. Dabei kann man auch nur nach bestimmten Marken oder Treibstoffarten suchen. Die App funktioniert erstaunlich gut, hat allerdings einen Haken: Bei mehreren Preissprüngen am Tag kommt sie oft nicht hinterher, denn die Anwendung lebt davon, dass Nutzer die Preise melden und in eine Datenbank eintragen. So kann es also passieren, dass man extra nach Kauerndorf fährt, weil dort der günstigste Preis gemeldet war, aber letztlich wäre es doch günstiger gewesen, man hätte in Melkendorf getankt.

Per App in den Biergarten


An einem warmen Herbsttag gibt es nach der Arbeit nur einen Wunsch: Die letzten Sonnenstrahlen bei einem kühlen Weizen in einem Biergarten zu genießen. Heute Abend will ich mir mal ein außergewöhnliches Plätzchen suchen. Dabei hilft mir die "Bier-App", die digitale Version des Gastronomieführers "Frankens schönste Bierkeller und Biergärten". Mit der praktischen Bierkarte weiß ich genau, wo sich in der Nähe schöne Biergärten befinden.
Aber wie das so ist im Redaktionsalltag, es wird spät, bis ich daheim bin, und es ist schon stockfinster. Nichts mehr mit Biergarten, also bleibt nur ein kühles Pils auf der heimischen Couch. Ein Blick in der Kühlschrank bringt allerdings Ernüchterung: Kein Bier mehr im Haus! Doch zum Glück gibt es "iBeer", das Bier fürs Smartphone. Auf Knopfdruck füllt sich das Display mit Gerstensaft und leert sich wieder, wenn man das Smartphone kippt. Einen stilechten Rülpser gibt's obendrauf. Natürlich ist das kein echtes Bier in meinem Handy, sondern nur ein lustiger Gag für zwischendurch. Meinen Durst löscht die App also leider auch nicht.

Jonas Gunzelmann