Die "Tsingane" aus der "Rhapsodie de concert" von Maurice Ravel gehört bis heute zu den anspruchsvollsten Werken der Violinmusik. Und ausgerechnet dieses Stück hatte sich der erst 25 Jahre alte russische Violinist Mikhail Pochekin für den Meisterkurs mit Markus Wolf im Haus Marteau ausgesucht. Zugrunde liegen dem Werk keine echten "Zigeunerweisen" der Sinti und Romas, sondern eher virtuose Abwandlungen romantischer ungarischer Melodien.


Anspruchsvoller Solopart

Mikhail Pochekin beeindruckte mit der Interpretation des Werkes. Er meisterte den anspruchsvollen Solopart zum Auftakt und überzeugte durch meisterhaftes Zusammenspiel mit dem Pianisten Julian Riem. Ob kraftvoll-temperamentvolle Elemente oder hauchzarte Flageolett-Töne - der junge Musiker überzeugte das Publikum und avancierte zum Shooting-Star des Abends.
Tatsächlich kann Mikhail Pochekin schon auf viele Erfolge in seinem jungen Leben blicken. Er stammt aus einer russischen Musikerfamilie, hat seit seinem fünften Lebensjahr Violinunterricht. Schon im Alter von sieben Jahren wurde er am Moskauer Musikkonservatorium aufgenommen. Gleichzeitig studierte er bei seiner Mutter weiter. Pochekin, zollte Professor Markus Wolf, dem Werdegang seines Schützlings größten Respekt, hat zahlreiche Preise gewonnen und hat sich bereits als Solist bei der Russischen Nationalphilharmonie, beim Nationalen Symphonieorchester aber auch bei zahlreichen weiteren Orchestern hervorgetan.


Lohn: Stradivari spielen

Im Jahr 2008 ist Mikhail Pochekin eine besondere Ehre zuteil geworden: Er gewann den Pablo-Sarasate-Preis in Madrid um konnte die Stradivari-Violine E Bossier spielen. Eine echte Ausnahme für den Meistergeiger, denn eigentlich spielt Mikhail Pochekin ausschließlich auf Instrumenten, die sein Vater Yuri Pochekin gefertigt hat. Auch beim Konzert in Thurnau.
Doch nicht nur Mikhail Pochekin begeisterte bei dem Auftritt im Schloss Thurnau, auch die anderen Violinisten aus aller Herren Länder konnten sich hören lassen. Lilian Heere und Olga Carboni hatten sich für ihren Auftritt das Allegro aperto aus dem bekannten Violinkonzert in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart ausgesucht. Lilian Heere interpretierte das Werk in beeindruckend unaufgeregter, fröhlich-unbekümmerter Weise, frisch und überzeugend. Olga Carboni aus Kiew dagegen brachte in das Werk ihren eigenen künstlerischen Stil ein. Mozarts Konzert bekam deutlich mehr Dramatik.
Auch der rumänische Violinist Andrei Ciobanu hatte sich Mozart ausgesucht, allerdings das Allegro aus dem Violinkonzert G-Dur. Ciobanu kitzelte die Töne aus seinem Instrument, spielte mit dem mozartesken Esprit und begeisterte ebenfalls.
Theresa Aigner präsentierte beim Konzert im Schloss Thurnau das Allegro aus der lyrischen Sonate in A-Dur von Ludwig van Beethoven, Meghan Nenniger aus Kanada hatte sich das "Allegro animato" von Edvard Grieg ausgesucht. Und alle überzeugten mit Virtuosität, durch technisches Können.


Er eifert dem Vater nach

Ein ganz besonderes Werk wollte Amadeus Kausel aus Wien präsentieren. Er suchte sich Fritz Kreislers Solo-Violinstück aus und brachte eine völlig neue Klangfarbe in das Konzertprogramm. Christian Zahlten, der derzeit an der Musikhochschule in München seine Ausbildung absolviert, bewies, dass er das Zeug dazu hat, es mit seinem Vater - einem Bratschisten - und seiner Oma, einer echten Operndiva, aufzunehmen. Christian Zahlten hatte sich Johannes Brahms melancholisch, wehmütiges "Vivaco ma non troppo" aus der ersten Sonate für Klavier und Violine in G-Dur ausgesucht und legte für sein zartes Alter von nur 23 Jahren erstaunliche Tiefe in das Werk.
Doch auch Marius Biglmaier, der schon mit vier Jahren angefangen hat, Violine zu lernen und Larissa Cidlinsky (21), die in Erlangen geboren ist, überzeugten bei ihrem Auftritt in Thurnau. Biglmaier intonierte die Canzonetta aus Pjotr Tschaikowskis Violinkonzert in D-Dur und Larissa Cidlinsky überraschte mit einem sehr temperamentvollen Violinkonzert Nr. 1 von Sergej Prokofiev.
Jeder Absolvent des Meisterkurses bewies bei seinem Auftritt in Thurnau, dass er das Talent zum Meister-Geiger hat. Auch technisch beeindruckten die Profi-Geiger. Eine echte Höchstleistung allerdings stellte auch Julian Riem unter Beweis. Denn er begleitete alle Violinisten am Klavier, stellte sich auf die unterschiedlichen künstlerischen Nuancierungen und Temperamente ein.