Am 21. Januar 2015 hatte es zu nachtschlafender Zeit im Kulmbacher Stadtteil Oberzettlitz gebrannt. Im September 2015 fand der erste Prozess vor dem Landgericht Bayreuth statt. Am Montag musste sich eine andere Strafkammer zum zweiten Mal mit dem Fall des Brandstifters befassen. Denn: Der Bundesgerichtshof hat das erste Urteil teilweise kassiert.

Die obersten Richter gaben der Revision von Verteidiger Johannes Driendl insofern statt, als die Strafe von neun Jahren und zwei Monaten aufgehoben wurde. Am Schuldspruch wegen besonders schwerer Brandstiftung und versuchten vierfachen Mords bestehe aber kein Zweifel, hieß es.


Wodka, Wut und Weihnachten

Für den heute 66-jährigen Metzgermeister aus Bad Kissingen brach Ende 2014 eine Welt zusammen. Wodka, Wut und Weihnachten waren damals eine explosive Mischung. Seine Firma weg, sein Frau weg, sein Haus weg - für sein persönliches Unglück machte er seinen Ex-Chef verantwortlich. Dem verhassten Mann wollte er es heimzahlen, ihm "einen Denkzettel" (O-Ton Angeklagter) verpassen und sich danach selbst umbringen.

Der Brandstifter hatte schon im ersten Prozess zugegeben, das Haus des Ex-Chefs angezündet zu haben. Der Hausherr war zufällig wach geworden und sah, dass die Haustür und die Terrassentür in Flammen standen. Er, seine Frau und die beiden Töchter konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Familie, Nachbarn und Polizei löschten das Feuer. Der Täter stellte sich später selbst und wurde in Neubau im Fichtelgebirge von der Polizei festgenommen.


Psychisch völlig erledigt

Der Angeklagte, der viele Jahre erfolgreich als Subunternehmer in der Fleischfabrik Lutz in Hammelburg arbeitete, hatte eine Riesenwut auf seinen Ex-Chef, weil ihm 2008 die Zusammenarbeit aufgekündigt worden war. Darauf begann der Abstieg des jetzt 66 Jahre alten Angeklagten. Er musste seine 65 Mitarbeiter entlassen und verlor sein gesamtes Vermögen. Psychisch völlig erledigt, griff er ständig zur Flasche.

Der Angeklagte, der seit seiner Festnahme in der Bezirksklinik Bayreuth psychiatrisch behandelt wird, beteuerte am Montag erneut: "Ich kann's bis heute nicht verstehen, dass ich vier Menschen in Lebensgefahr gebracht habe. " Der bislang nicht vorbestrafte Mann entschuldigte sich bei den Opfern: "Ich war nicht mehr ich selbst."

Der Ex-Chef und Nebenkläger berichtete, dass es ihm und seiner Familie nicht schlecht gehe. "Ob der Angeklagte immer noch denkt, dass ich an seiner Misere schuld bin", bereite ihm aber Sorge. Er fragte: "Was passiert dann, wenn er wieder rauskommt?"

Staatsanwalt Roland Köhler hielt in seinem Plädoyer die im Ersturteil ausgesprochene Strafe von neun Jahren und zwei Monaten für tat- und schuldangemessen. Verteidiger Driendl beantragte sieben Jahre und berief sich dabei auf den BGH, der eine Strafreduzierung wünsche. Dies sei vertretbar, weil sein Mandant keinerlei Rachegefühle mehr hege, seine Taten zutiefst bereue und aufgrund einer schweren Herzerkrankung eine reduzierte Lebenserwartung habe.


Gegen Versuchsmilderung

Doch im zweiten Prozess am Landgericht Bayreuth gab es am Montag nur einen Strafrabatt von acht Monaten. Vorsitzender Richter Werner Kahler und die Kammer waren - wie das Erstgericht - der Ansicht, dass eine Strafrahmenverschiebung, weil es beim Versuch geblieben war, nicht in Betracht komme. Dass Schlimmeres verhindert werden konnte, sei nur dem Zufall zu verdanken, dass der Hausherr aufgewacht war.

Das Urteil bedeutet für den Angeklagten, dass er zunächst ein Jahr und drei Monate ins Gefängnis müsste. Nach dem sogenannten Vorwegvollzug dürfte er eineinhalb Jahre seine Therapie wegen Alkoholabhängigkeit abschließen und dann darauf hoffen, nach Verbüßung der halben Strafe auf Bewährung entlassen zu werden.

Doch diese Reduzierung der Strafe ist dem Verteidiger zu wenig. Ihm reicht der "marginale Erfolg", wie es das Gericht ausdrückte, nicht. "Damit sind wir nicht einverstanden", erklärte Driendl auf Anfrage. Der Anwalt kündigte an, erneut Revision einzulegen und vor den BGH zu ziehen. Er rechne damit, dass ein drittes Mal über das Urteil gesprochen werden muss.