"Die Gefahr, dass man daran erkrankt, steht im Verhältnis von 1:1 000 000 Einwohner pro Jahr", betonte die Geschäftsführerin und verwies darauf, dass der Verdachtsfall keinerlei Auswirkungen auf den Klinikbetrieb hat, weil die Erkrankung nicht ansteckend ist. "Da gelten die ganz normen Hygienevorschriften."

Allerdings: Creutzfeldt-Jakob ist bei den Gesundheitsbehörden meldepflichtig.
Nähere Angaben zu dem Patienten konnte und wollte die Geschäftsführerin mit Hinweis auf das Persönlichkeitsrecht nicht machen. Offenbar kommt er aber aus dem Landkreis.


Das Gehirn wird zum Schwamm


Die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung ist eine tödlich verlaufende, übertragbare spongiforme Enzephalopathie. Darunter versteht man eine Hirnerkrankung, bei der es zu einer schwammartigen Veränderung des Gewebes kommt.

Obwohl diese Krankheitsform bei Schafen (Scrapie) schon seit mehr als 250 Jahren bekannt ist, hatte lange Zeit niemand eine Bedrohung für den Menschen gesehen. Erst als 1995 in Großbritannien eine neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit bekannt wurde, wird ein direkter Zusammenhang mit dem BSE-Erreger vermutet.

Beim Menschen gibt es die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung als sporadische, genetische oder übertragene Variante. Bei dem in Kulmbach behandelten Fall wird die sporadische Form vermutet, deren genaue Ursache unbekannt ist, so Christian Konhäuser, Leitender Arzt der Klinik für Neurologie am Klinikum.

Charakteristisch für die Krankheit ist, dass sich Eiweißstrukturen im Gehirn degenerativ verändern. Diese Eiweiße sind die sogenannten Prionen, die sich einem Virus ähnlich verhalten. Sie zwingen anderen im Gehirn vorhandenen, gesunden Eiweißen ihre veränderte Struktur auf. Dieser Prozess führt zur Zerstörung der Hirnsubstanz.
"Die Erkrankung äußert sich durch eine rasch verlaufende Demenz, bei der Gedächtnis- Verhaltens- und Bewegungsstörungen im Vordergrund stehen", sagt der Neurologe.

Creutzfeldt-Jakob-Erkrankungen verlaufen tödlich, weil die Ursache nicht behandelbar ist. Therapiert werden können nur die Symptome. Der Erreger finde sich vor allem im Nervenwasser, so Konhäuser. Beim normalen zwischenmenschlichen Kontakt kann man sich nicht infizieren.


Meldepflicht dient dem Überblick

Dieter Weiss, Leiter des Gesundheitsamts, wollte zu dem Fall keine Angaben machen: Nur wenn andere Menschen durch eine Erkrankung gefährdet würden, bestehe öffentliches Interesse. Bei Creutzfeldt-Jakob sei das nicht der Fall, insofern sei das Persönlichkeitsrecht wichtiger. Was Weiss bestätigt, ist die Meldepflicht. Das Gesundheitsamt gibt die Nachricht an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit weiter. Von dort gehe die Meldung an das Robert-Koch-Institut, das die bundesweite Entwicklung der Krankheit beobachtet.