Ein Beamter der Kriminalpolizei wies dabei die bisherige Einlassung des Angeklagten vehement zurück. Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt am Mittwoch angegeben, der Polizei als eine Art verdeckter Ermittler zahlreiche Kriminelle aus der örtlichen Szene geliefert zu haben.
Er könne mit Sicherheit ausschließen, dass der Angeklagte von der Polizei als eine Art Überwachungsperson eingesetzt wurde, sagte der Kommissar. Weder er, noch irgendein Kollege hätten den Angeklagten auf dritte Personen angesetzt. "Selbst wenn er sich angeboten hätte, dann hätte ich es nicht gemacht", sagte der Beamte. Er gab an, dass der Angeklagte bei der Polizei "ein alter Bekannter" ist und deshalb als "unzuverlässig, unglaubwürdig und als chaotisch" gelte. Er wisse auch nichts davon, dass der Angeklagte von sich aus auf die Polizei zugegangen sei und andere Personen "ans Messer geliefert" habe. Lediglich in einem einzigen Fall habe der Angeklagte der Polizei einen Tipp in Richtung eines Drogendealers gegeben, der sich im Nachhinein als richtig erwiesen haben dürfte.
Damit dürften sich die bisherigen Einlassungen erledigt haben, nach denen der 33-jährige Kroate als "Undercover Agent" in geheimer Drogenmission für die Polizei tätig gewesen sei. Bereits am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte über seinen Verteidiger Johannes Driendl aus Bayreuth erklären lassen, dass nur durch seine Zusammenarbeit mit der Polizei einige Größen der örtlichen Drogenszene dingfest gemacht werden konnten. Auch am zweiten Verhandlungstag blieb der Mann bei seiner Version. Er habe der Polizei entscheidende Tipps gegeben, um beispielsweise Hausdurchsuchungen durchzuführen, sagte er und rechtfertigte damit seine eigenen Drogengeschäfte im Sinne eines verdeckten Ermittlers.
Von den 15 Zeugen, die für den zweiten Verhandlungstag geladen waren, erschien lediglich die Hälfte: die geladenen Polizeibeamten und zwei anderweitig verurteilte Straftäter, die von Polizisten vorgeführt wurden. Alle anderen Zeugen waren entweder nicht auffindbar, nicht reisefähig oder ihnen konnte die Ladung in der Kürze der Zeit nicht zugestellt werden. Die beiden verurteilten Männer waren an Straftaten beteiligt, an denen nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auch der Angeklagte beteiligt war. Der bestreitet dies allerdings und gab bislang nur Einbrüche zu, bei denen seine DNA-Spuren sichergestellt werden konnten. Alle anderen Punkte aus den umfangreichen Anklagen der Staatsanwaltschaft hatte der Mann von sich gewiesen.
Ein 25-jähriger Elektriker, der unter anderem wegen der beiden Einbrüche in Lottogeschäfte in der Nibelungenstraße und in der Friedrichstraße verurteilt wurde, konnte sich angeblich nicht mehr an seinen Mittäter erinnern. Dabei soll es ausgerechnet der Angeklagte gewesen sein, der einem weiteren Zeugen mehrere Rollen mit postfrischen Briefmarken im Gegenwert von rund 1500 Euro angeboten hatte. Genau diese Briefmarkten wurden bei dem Einbruch in das Lottogeschäft mit angeschlossener Postfiliale in der Friedrichstraße entwendet. Der Verkauf der Marken soll allerdings letztlich gescheitert sein. Als dem Zeugen die Sache zu heiß wurde, vernichtete er die Postwertzeichen in der Toilette, den dazugehörigen Briefmarkenspender will er in den Main geworfen haben.
Zur kompletten Verwirrung trug dann auch noch der Laptop-Diebstahl aus einer Gaststätte an der Pottensteiner Straße bei. Während der Zeuge angab, der Angeklagte habe den Laptop aus dem unverschlossenen Büro der Gaststätte geklaut, behauptete der Angeklagte, dass der Zeuge den Diebstahl begangen habe. Ob die Erinnerungslücken auf den Drogenkonsum der beteiligten zurückzuführen sind, oder ob tatsächlich einer dem anderen die Schuld für die taten in die Schuhe schieben will, werden die kommende Verhandlungstage ergeben. Der Prozess wird am Mittwoch, 23. Januar, fortgesetzt.