Vor und hinter die Kulissen der Naturbühne hat Fotograf Martin Ritter schon des Öfteren geschaut und dabei die Akteure mit seinen Bildern ins rechte Licht gerückt. Jetzt wagte er mit seiner Kamera nicht nur einen Blick in die Sud- und Gärbottiche einer Brauerei.

"Fotografie ist im Prinzip nichts anderes als die Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema, es immer enger einzukreisen, die gleiche Stelle bei verschiedenem Licht und verschiedenen Jahreszeiten immer wieder aufzusuchen", erklärt er schon fast philosophisch. Das treffe besonders bei Aufnahmen in der Natur zu.


Kein frauentypischer Beruf


Martin Ritter nennt das konzeptionelle Fotografie. Er denkt sich ein Thema mit regionalem Bezug aus. Zum Beispiel: Was haben wir in Trebgast an Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmalen?

Dabei fiel ihm Yvonne Wernlein ein, die als Braumeisterin ja einen nicht unbedingt frauentypischen Beruf hat. "Es war interessant, mal hinter die Kulissen zu schauen und sie bei ihrer Arbeit fotografisch zu begleiten", sagt er hinterher, und war erstaunt, was eine Braumeisterin so alles leistet. "Des Madla muss werklich erbern", lobte er anerkennend, als er beispielsweise sah, mit wie viel kaltem Wasser sie ständig "rumpantscht".


Warme Jacke auch im Sommer


Selbst im Sommer stehe sie mit Gummistiefeln und mit warmer Jacke im Gär- und Lagerkeller. "So gesund kann das auch nicht sein. Von romantischen Klischees, einfach etwas Hopfen in den Sudkessel zu werfen, ist das weit entfernt. Es ist richtige, handwerkliche Arbeit", ist er voller Bewunderung für den Brauprozess.

"Alle reden derzeit von Craft-Beer. Was heißt das denn?" Martin Ritter gibt die Antwort gleich selbst. "Das ist handwerklich gebrautes Bier, bei dem hochwertige Zutaten, unkonventionelle Geschmacksrichtungen und alte Brau-Traditionen im Fokus stehen. Das wird hier in der Brauerei seit fast 500 Jahren praktiziert." Damit ist er einer Meinung mit der US-amerikanischen Brauervereinigung: Sie definiert Craft-Beer als "Bier von einem Brauer, der in kleinen Mengen und unabhängig von Konzernen auf traditionelle Weise braut". Und genau das will der Fotograf mit seinen Bildern einmal herausstellen. Ohne jetzt Reklame für die Brauerei zu machen, wie er gleich ergänzt.

"Ich wollte einfach die Arbeit einer fränkischen Braumeisterin darstellen. Mit allen Facetten. Es sind schöne und romantische Bilder dabei. Aber auch solche, wo sie total verschwitzt da- steht." In zweieinhalb Tagen hat er fast 400 Bilder geschossen. In allen Bereichen der Brauerei, damit er sich wirklich ein genaues Bild vom normalen Arbeitsablauf machen konnte.


"Kein Bild ist gestellt"


"Kein Bild ist gestellt", betont er. "Ich habe einfach zugeschaut, was sie macht und habe mich auf den richtigen Moment zum Abdrücken konzentriert. Gute Bilder gibt es dann, wenn das Pendant während ihrer Arbeit einfach dahinplaudert und gar nicht merkt, wenn ich auf den Auslöser drücke."

Die Serie erhebt nicht den Anspruch, dass man lückenlos sehen kann, wie Bier gebraut wird. "Mir ging es darum, Impressionen darzustellen", erklärt Martin Ritter beim Betrachten der Bilder. 25 davon hängen jetzt in der brauereieigenen Bräuschänke und können dort bis Mitte November besichtigt werden.

"Martin Ritter beherrscht es, Menschen in bestimmten Situationen festzuhalten, dabeizustehen, nicht zu stören, und den Augenblick einzufangen, der aussagefähig für diesen Menschen ist", erkennt auch Bürgermeister Werner Diersch die Fähigkeit des Fotografen an. In Trebgast sei man froh, "dass er immer mal wieder solche Anwandlungen hat."