Um eine Überfallserie mit den Schauplätzen Hof, Kulmbach und Pegnitz handelt es sich ganz sicher. Aber sind die Verbrechen auch alle ein- und demselben Täter zuzuschreiben? Diese Frage beschäftigt die Kriminalpolizei in Hof und Bayreuth.

Der Ablauf des jüngsten Überfalls gleicht dem der Taten in Hof am Vorabend von Fronleichnam und in Kulmbach vom Mittwochabend: Gegen Ladenschluss um etwa 20 Uhr tritt der Unbekannte einer Angestellten an der Kasse gegenüber, bedroht sie mit einer Schusswaffe und fordert Bargeld. Die Einnahmen packt er in eine weiße Plastiktüte mit roter Aufschrift. Danach flüchtet der Räuber mit seiner Beute in zunächst unbekannte Richtung.

Mit zahlreichen Streifenwagenbesatzungen und Zivilkräften fahnden oberfränkische Polizisten seitdem nach dem Mann. Dabei erhielten sie auch Unterstützung von Beamten aus der Oberpfalz und Mittelfranken sowie von der Bundespolizei. Spezialisten der Kripo Bayreuth führten umgehend eine umfangreiche Spurensicherung sowie Befragungen durch.

Mit dem Einsatz von Personensuchhunden konnte noch in den Abendstunden der Fluchtweg des Täters in Pegnitz rekonstruiert werden.

Fluchtweg rekonstruiert
Auch in Kulmbach war es gelungen, dem mit einem auffallend alten Fahrrad geflüchteten Täter nach dem Raub auf die Spur zu kommen. Personensuchhunde führten die Kriminalbeamten vom Lidl-Markt in der Albert-Ruckdeschel-Straße über die Saalfelder Straße in die Nähe der Gastwirtschaft "Hähnchenwirt". Doch dort war für die Ermittler Endstation. Offenbar setzte der Räuber in beiden Fällen die Flucht mit einem Fahrzeug fort.

Anne Höfer, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken, bestätigt, dass die Polizei sehr wohl einen Zusammenhang zwischen den Taten sieht, weil es beim "modus operandi", also der Tatausführung, und den Personenbeschreibungen Parallelen gibt. "Das trägt alles die gleiche Handschrift", so Höfer.

Spurenauswertung dauert
Dass es sich um den gleichen Mann und damit um einen Serientäter handelt, das lasse sich aber nicht definitiv bestätigen. Noch nicht? Die Spezialisten arbeiten mit Nachdruck an der Spurenauswertung der drei Tatorte. Beim Überfall auf den Lidl-Markt in Hof hatte der Täter sogar mehrere Schüsse abgegeben. Die Patronenhülsen ließ er zurück, so dass möglicherweise sogar DNA oder Fingerabdrücke abgeglichen werden können. Aber diese Untersuchungen brauchen Zeit.

Wie Anne Höfer weiter bestätigte, werden die Taten in Hof, Kulmbach und Pegnitz außerdem mit ähnlichen Verbrechen in anderen Bundesländern abgeglichen. In einem Fall in Hannover hatte ein Räuber in einem Supermarkt einen 21-Jährigen mit einem Schuss getötet; ihm wird eine ganze Serie von Überfällen zugeschrieben. Nutzer des sozialen Netzwerks Facebook bringen die drei Taten in Oberfranken inzwischen mit anderen Überfällen in Verbindung - ohne dafür Hinweise zu haben...

In Kulmbach ging der Überfall ohne körperliche Gewalt ab. Die fünf Lidl-Mitarbeiter waren unmittelbar nach dem Verbrechen dennoch sichtlich gezeichnet. Öffentlich äußern wollten sie sich nicht.

Psychologische Betreuung für Überfallopfer
Wie Eva Groß von der Lidl-Presseabteilung in Neckarsulm betonte, nimmt das Unternehmen mögliche Folgen solcher Verbrechen für die darin verwickelten Kollegen sehr ernst. "Die Mitarbeiter erhalten direkt und unmittelbar durch ihren Verkaufsleiter und unseren Personalbetreuer, den Beauftragten für Mitarbeiter & Soziales, jegliche Unterstützung und Hilfe."

Unter anderem werde psychologische Betreuung über die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik vermittelt. Und: "Bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess berücksichtigen wir Arbeitszeit- und Arbeitsortwünsche."

Täterbeschreibung und Zeugenaufruf
Der Kulmbacher Räuber wird wie folgt beschrieben:
• zirka 40 bis 45 Jahre alt
• etwa 170 Zentimeter groß
• kurze Haare
• geschätzte 80 Kilogramm schwer, leicht untersetzte Figur
• er trug eine dunklere Kopfbedeckung
• er sprach deutsch mit osteuropäischem Akzent

Die Kriminalpolizei Bayreuth bittet um Mithilfe
• Wer hat im Bereich des Einkaufsmarktes in der Albert-Ruckdeschel-Straße am Mittwoch um etwa 20 Uhr oder kurz darauf im Bereich der Saalfelder Straße bei der Gastwirtschaft "Hähnchenwirt" verdächtige Wahrnehmungen gemacht?
• Wer hat den Unbekannten auf dem auffallend alten Fahrrad gesehen?
• Wer kennt einen Mann, auf den die Beschreibung passt oder kann Hinweise zu seinem Aufenthaltsort geben?
• Wer kann sonst sachdienliche Angaben machen, die im Zusammenhang mit dem Raub stehen könnten?

Die Polizei warnt davor, mit dem bewaffneten Mann Kontakt aufzunehmen. Wer glaubt, den Täter zu erkennen, wird dringend gebeten, umgehend den Notruf 110 zu wählen.

Zeugen setzen sich mit der Kripo Bayreuth unter der Telefonnummer 0921/5060 in Verbindung.