Wird es weitere oberfränkische Sparkassen-Fusionen geben? Eine Frage, auf die Andreas Pöhlmann antwortet. Der 45-Jährige, der seine Banklehre in den 80er-Jahren bei der Kulmbacher Sparkasse absolviert hat, ist seit 1. Juli 2014 Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hochfranken, die das Gebiet der Stadt und des Landkreises Hof sowie Wunsiedel umfasst. Im Interview sprich er über seinen beruflichen Aufstieg, die schwierige Situation im Bankenwesen und klärt darüber auf, wo er mit den früheren Vorständen Max Schreiner und Dieter Seehofer auf alte Kulmbacher Sparkassen-Zeiten anstößt.

Sie haben die Carl-von-Linde-Realschule in Kulmbach besucht, erst nach der Lehre die Hochschulreife erlangt - jetzt stehen Sie einer Bank vor, die mit 3,6 Milliarden Euro eine um 1,2 Milliarden höhere Bilanzsumme als Ihre einstige Ausbildungsstätte, die heutige Sparkasse Kulmbach-Kronach, aufweist. Haben Sie sich diesen beruflichen Aufstieg vorstellen können, als Sie 1987 als Azubi in Kulmbach begonnen haben?
Als Lehrling habe ich mir darüber natürlich noch keine Gedanken gemacht. Ich bin aber in meiner Zeit in Kulmbach motiviert worden, habe nach der Banklehre die Fachoberschule besucht und später Betriebswirtschaft studiert. Es gab mit Dieter Seehofer und Max Schreiner zwei Vorstände, denen ich viel zu verdanken habe und die Vorbilder waren. Dass ich nun selbst Vorstandsvorsitzender bin, hat sicherlich mit Fleiß zu tun. Man braucht aber im Berufsleben oft auch Glück, muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Ein historisch niedriges Zinsniveau, schrumpfende Erträge und hohe Kosten durch die Präsenz in der Fläche - die Sparkassen sehen sich großen Herausforderungen gegenüber. Wie sehen Sie deren Zukunft?
EZB-Chef Mario Draghi wird die Banken zwar nicht abschaffen, er macht ihnen aber mit seiner Zinspolitik das Leben schwer. Wenn man weiß, dass Sparkassen im Bundesdurchschnitt 80 Prozent ihrer Erträge aus dem Zinsbereich erwirtschaften, dann ist es verständlich, dass man neue Weichenstellung vornehmen muss. Zu allererst geht es heute darum, Kosten zu senken. Wichtig es ist für den Mittelständler aber auch, sich den immer wieder verändernden Kundenwünschen anzupassen. Ich bin mir sicher: Wir Sparkassen werden auch künftig mit unserem Service punkten.

Kosten reduzieren, das heißt, es wird Personal abgebaut, Filialen werden geschlossen?
Wir müssen auf das Kundenverhalten reagieren. Wir haben in Zeiten, in denen das Online-Banking wächst und der Bankschalter nicht mehr die Bedeutung früherer Tage hat, natürlich auch das Filialnetz auf den Prüfstand gestellt. Wir mussten im vergangenen Jahr 13 Geschäftsstellen schließen, haben jetzt noch 43 Filialen. Was das Personal betrifft, so wird es bei uns keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Wir setzen auf die natürliche Fluktuation, bieten auch Altersteilzeit-Modelle an. In den nächsten vier Jahren werden wir so unseren Personalstand von 900 auf schätzungsweise 800 Mitarbeiter reduzieren.

Es wird immer wieder darüber spekuliert, wann die nächste Sparkassen-Fusion stattfindet. Wird es irgendwann nur noch eine große Sparkasse Oberfranken geben?
Langfristige Prognosen kann in der heutigen Zeit keiner mehr abgeben. Bei uns ist eine Fusion bei einer Bilanzsumme von 3,6 Milliarden Euro derzeit allerdings überhaupt kein Thema. Was in 30 Jahren ist, weiß niemand.

Auch Bankangestellte stehen unter einem immer größeren Arbeitsdruck. Wie gelingt es dem Chef einer großen Sparkasse, die Mitarbeiter zu fordern, ihnen aber gleichzeitig nicht die Motivation und Freude am Job zu nehmen?
Es sollte das Bestreben jeder Geschäftsführung sein, die Mitarbeiter zu motivieren. Auch ein Lob, ein kleines Dankeschön gehören da dazu. Wichtig ist vor allem die Kommunikation. Bei der Sparkasse Hochfranken gibt es geschäftspolitische Seminare, bei denen wir den Mitarbeitern aufzeigen, warum es welche Entscheidung gibt.
Wer die Leitlinien nicht nur auf Papier vorgesetzt, sondern erläutert bekommt, wird eher bereit sein, sie mit zu tragen. Dabei ist es natürlich wichtig, dass sich die Führungsetage auch unangenehmen Fragen stellt.

Sie waren lange Zeit in Zwickau, dann ab 2006 Vorstand der Sparkasse in Pfaffenhofen und sind jetzt nach Oberfranken zurückgekehrt. Welchen Kontakt haben Sie noch zu Ihren früheren Kulmbacher Kollegen?
Ich wohne derzeit wieder in Leuchau, habe mich aber auch während meiner Zeit in Pfaffenhofen immer wieder mit Freunden aus der Jugend- und der Sparkassen-Zeit getroffen. Zu den früheren Kulmbacher Sparkassen-Vorständen Max Schreiner und Dieter Seehofer habe ich heute noch einen sehr guten Kontakt. Ein Treffen im Stadel auf der Bierwoche ist jedes Jahr Pflicht.
Ich bin auch oft bei meiner Familie in Rugendorf. In Rugendorf bin ich aufgewachsen, und ich fühle mich dort nach wie vor zuhause. Das wird so bleiben, auch wenn ich mit meiner Familie in naher Zukunft in den Hofer Raum umziehen werde.