Im Allgäu sind viele Hausfassaden mit Malereien verziert, in Oberbayern ist es die Lüftlmalerei, die Besucher zum Staunen bringt. Udo Holländer möchte in Guttenberg mit einer anderen Kunstform Akzente setzen, mit aufwändig gestalteten Mosaiken.


Ferienhäuschen in Guttenberg


Wenn Udo Holländer (72) die schönsten Wochen des Jahres in seinem Ferienhäuschen in Guttenberg verbringt, dann möchte er die fränkische Umgebung in einem schönen Ambiente genießen. Von Grund auf hat er das 231 Jahre alte Haus seiner Frau Ursula saniert.

Der Clou sind bunte Mosaike an der Fassade. Das Spiel mit den bunten Glas- und Keramiksteinchen fasziniert den Westfalen aus Herne schon seit seiner Kindheit. "Ich habe schon mit elf angefangen, Mosaike zu legen", erzählt er. Und inzwischen hat er die Kunst der Mosaikgestaltung zur Perfektion gebracht.


8000 Teilchen


In den zurückliegenden Jahren hat er das Haus in Guttenberg mit einem oberfränkischen Wappen verziert. Direkt neben dem Eingang hat er das Schloss und die Kirche verewigt. Mehr als 8000 Teilchen hat er hierfür an der Frontseite des Hauses zusammengesetzt.

Jetzt hat sich Udo Holländer an ein abstraktes Kunstwerk gewagt und eine Hausseite mit einem Windrad aus fünf Teilen verziert. Das innere Quadrat ist in Schwarz gehalten - als Zeichen dafür, dass das Haus auch dunkle Phasen überstanden hat. Die Flügel dagegen sind bunt. Die Windmühle solle verdeutlichen, "dass die Zeit nicht stehen bleibt, sondern dass sich das Rad der Geschichte immer weiter dreht".

Mit seinen Mosaiken möchte der Westfale auch anderen Menschen Mut machen, die Kraft der Farben zu erleben. "Ich bin froh, dass die Zeiten vorbei sind, in denen alle Häuser weiß waren. Ich finde, man sollte Farbe wagen", sagt Holländer.


Feuerwehrhaus verziert


Der 72-Jährige hat auch das Innere des Hauses verziert, sogar der Couchtisch im Wohnzimmer ist ein großes Mosaik - perlmuttschimmernd und irisierend. Doch nicht nur sich selbst möchte Holländer mit Mosaiken umgeben, sondern auch andere mit seiner Kunst erfreuen. So prangt am Feuerwehrhaus in Guttenberg eine Arbeit des Westfalen. Und auch in Herne hat er mit seiner Kunst schon für Furore gesorgt.

Die aufwändigsten Mosaike hat Udo Holländer von zwei Menschen gefertigt, die er besonders bewundert: von John. F. Kennedy und von Papst Johannes XXIII. Monatelang war er mit diesen Porträts beschäftigt. Tausende von Steinen hat er gebrochen und wieder aneinander gefügt. "Um Mosaike legen zu können, muss man ein bisschen zeichnerisches Talent und eine klare Vorstellung von den Farben haben. Denn wenn man etwas falsch gelegt hat, kann man das nicht einfach übermalen. Man kann die Steine nicht wieder herausnehmen, das wird nichts", erklärt er.

"Wenn man einmal angefangen hat, dann ist das Mosaiklegen wie eine Sucht. Man kann nicht mehr aufhören. Man muss erleben, wie Gesichtszüge oder Falten wirken", sagt er. Pro Tag schafft er bei seinen Kleinmosaiken gerade mal die Fläche von der Größe einer Hand. Mehr geht nicht.


Wie gemalt


Doch genau das ist es, was den Westfalen reizt. "Am Ende muss das Mosaik so aussehen, als ob es gemalt wäre - die Fugen dürfen nicht hervortreten", erklärt Holländer.

Udo Holländer legt die Glas- und Keramiksteinchen auf wasserfeste Platten und klebt sie mit wasserfestem Leim auf. Natürlich muss auch das Fugenmaterial so gewählt sein, dass kein Wasser eindringen kann. Denn jeder noch so winzige Tropfen, der in das Mosaik eindringt, würde die Arbeit zerstören und die winzigen Glassteinchen abplatzen lassen.

Von Beruf war Holländer übrigens Tischler. Außerdem engagiert er sich ehrenamtlich in der Betreuung von psychisch kranken Menschen, fertigt mit diesen Holzarbeiten und neuerdings auch Mosaike. "Leider ist vielen Menschen das Mosaiklegen zu aufwändig", bedauert Udo Holländer, dass seine Kunstrichtung fast in Vergessenheit geraten ist.