Die Scheune des ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens in Ameisloch steht in Flammen. "Menschen und Tiere sind nicht in Gefahr", gibt der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Windischenhaig, Reinhold Kaßel, über Funk an die Einsatzkräfte durch. Denn das landwirtschaftliche Anwesen wird nicht mehr als solches genutzt, nur noch als Wohnstätte.
Doch auch so ist die Situation, die sich der Kommandant gemeinsam mit Kreisbrandmeister Thomas Limmer ersonnen hat, knifflig genug. Denn in Ameisloch ist nur der Anschluss für eine 60er-Leitung. Und die ist viel zu schwach, um gegen lodernde Flammen wirksam etwas auszurichten. Deshalb läuft die komplette Feuerwehrmaschinerie an.
Mit rund einem Dutzend Autos rücken die Feuerwehren Windischenhaig, Hutschdorf, Thurnau, Lanzenreuth, Melkendorf, Leuchau, Kulmbach, Katschenreuth, Langenstadt und Kasendorf an. Allein die Feuerwehr Kulmbach ist mit drei Fahrzeugen gekommen. Doch die Situation ist schnell unübersichtlich. Denn nach Ameisloch führt nur eine schmale Straße - gerade so breit wie ein einzelnes Feuerwehrfahrzeug. Jedes, das zum Brandort hinfährt, muss zwangsläufig die anderen blockieren. Es kommt auf die richtige Logistik an. Schon in Windischenhaig sperren die Wehren ab, koordinieren, dirigieren.
Doch die größte Herausforderung ist das Wasser. Die Leitung vor Ort taugt nur für den ersten Löschangriff. Also wird zusätzlich eine Wasserleitung aus Windischenhaig aufgebaut: zwei Kilometer lang. "Wir haben fünf Pumpen eingebaut, denn der Druck muss ja auch groß genug sein", erklärt Kreisbrandmeister Peter Hochgesang und schaut nach: Der Druck steigt: zwei Bar, drei Bar, Tendenz steigend. Hochgesang hat die Verantwortung für die Wasserförderung auf dem letzten Streckenabschnitt - von der Abzweigung Ameisloch bis zum Brandherd.
Es dauert gefühlt eine halbe Ewigkeit, bis die Leitungen zusammengebaut sind - obwohl die Feuerwehrler routiniert sind und ihr Möglichstes tun. Doch die Strecke von Windischenhaig bis nach Ameisloch ist lang. Die Leitung muss kleine Anstiege überwinden. Und es ist neblig und die Feuerwehrposten können sich gegenseitig nicht einmal sehen.
"Wir brauchen rund eine Dreiviertelstunde, bis die Leitung steht und bis tatsächlich Wasser kommt", zieht Reinhold Kaßel eine erste Bilanz. Doch eine schnellere Leistung ist einfach nicht möglich. "Im Ernstfall wäre die Scheune natürlich längst runtergebrannt", muss der erfahrene Kommandant feststellen.
Trotzdem ist er zufrieden mit der Zusammenarbeit der Wehren. Denn die Logistik hat bestens geklappt, die Wasserleitung ist ohne größere Pannen aufgebaut worden. 120 Einsatzkräfte waren zwischen Windischenhaig und Ameisloch im Einsatz - und es gab kein Chaos, sondern die Übung verlief koordiniert und strukturiert. "Die Herausforderung bei dieser Übung waren sicherlich die Wasserförderung und die Tatsache, dass hier in Ameisloch am Brandort einfach sehr beengte Platzverhältnisse herrschten", erklärte Kaßel.
Und am Ende hieß es dann "Wasser marsch!" Der Löschangriff von der Seite, von oben und aus der Deckung konnte seinen vollen Verlauf nehmen.