Bekennender Europäer, begeisterter Bayer und engagierter Oberfranke: So charakterisiert sich Heribert Trunk selbst. Der IHK-Präsident und Logistikunternehmer war am Samstag beim politischen Jahresauftakt der Kulmbacher CSU einmal mehr angetreten, das "Jahrzehnt Oberfrankens" auszurufen. Kein Zweiter könne die Stärken des Regierungsbezirks so herausstellen wie Trunk, sagte der Stadtverbands- und Kreisvorsitzende, Oberbürgermeister Henry Schramm. Schon lange habe die Region jemanden gebraucht, der das so positiv spricht, so Schramm.


Höchste Realeinkommen

Das tat Heribert Trunk dann auch. Die Zahlen zeigen nach oben, sagte er. Oberfranken habe die bayernweit höchste Abnahme der Arbeitslosenzahlen, die oberfränkischen Haushalte hätten die höchsten Realeinkommen in Bayern, und die hiesigen Unternehmen meldeten doppelt so viele Patente an wie der Bundesdurchschnitt.
Auch wenn der demographische Wandel noch immer ein Problem sei, so gehe es noch lange nicht konsequent abwärts, wie die aktuellen Zahlen zeigen.


Nicht am Ende der Welt

"Wir liegen in einer absolut zentralen Lage und nicht am Ende der Welt, wie es manchmal noch immer behauptet wird", erklärte Trunk. Er lobte das schier unendliche Kulturangebot und die fast 50000 Unternehmen, die engagiert Arbeits- und Ausbildungsplätze bereitstellten.
Oberfranken habe aber auch die Chance, eine europäische Modellregion für Digitalisierung zu werden, da nahezu alle oberfränkischen Kommunen in der Digitalisierungsoffensive des Freistaats dabei sind.


Die Flüchtlingsproblematik

Vor seiner Rede hatte Henri Schramm die Flüchtlingsproblematik in den Mittelpunkt gestellt. Krieg, Vertreibung, Elend, Folter und Terror - das sei ist es, wovor die Menschen auf lebensgefährlichen Wegen fliehen. Man müsste schon sehr hartherzig sein, nicht zu helfen und diese Menschen ordentlich unterzubringen. Das Stadtoberhaupt machte aber auch deutlich, dass keiner mehr verkraften könne, "als er letztlich tragen kann". Niemand habe voraussehen können, dass die Flüchtlingssituation letztlich in einer Völkerwanderung ende, verteidigte er Bundeskanzlerin Angela Merkel. In Kulmbach habe es keine Probleme mit Flüchtlingen, aber eine große Hilfsbereitschaft gegeben, sagte Schramm. Er gab auch zu bedenken: "Es geht immer um Menschen, das dürfen wir nicht vergessen."

Der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel forderte mehr Unterstützung des Bundes für das Bundesamt für Migration. Die Behörde benötige dringend mehr Personal. Es könne nicht sein, "dass nicht mehr Abschiebungen stattfinden können, weil die Verfahren so lange dauern". Außerdem sprach sich Schöffel für mehr Unterstützung der Bundespolizei aus. Es sei höchst problematisch, dass die Bundespolizei aktuell für ihre eigentlichen Aufgaben keine Ressourcen mehr habe.


Zeulner für Dienstpflicht

Für die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht sprach sich die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner aus. Egal ob Mann oder Frau, ob Flüchtling oder Einheimischer: Als Zeichen der Zugehörigkeit zur Gesellschaft sei ein entsprechender Dienst bei der Bundeswehr, im sozialen Bereich oder beim THW wünschenswert. Ein solcher Dienst hätte eine große Signalwirkung, betonte die Abgeordnete. Schließlich gehe es darum, zu zeigen, dass man in der Wohlstandsgesellschaft nichts zum Nulltarif bekomme.