Er könnte sich riesig freuen - immerhin haben seine Farben gewonnen. Rot dominierte auf der (politischen) Landkarte der 50 US-Bundesstaaten. Rot steht für die Republikaner und für Donald Trump, dem künftigen Präsidenten der USA. Douglas Hammond steht dieser großen Partei in den Vereinigten Staaten seit langem nahe - aber nicht ihrem führenden Vertreter, der im Januar ins Weiße Haus einzieht.

Der 59-jährige Physiotherapeut und Chiropraktiker, der im Kulmbacher Klinikum arbeitet, lebt seit 32 Jahren in Deutschland, betreibt nebenbei mit Ehefrau Silvia in Azendorf eine Gaststätte. Er ist amerikanischer Staatsbürger und hätte wählen dürfen. Gewählt hat er diesmal aber nicht. "Es ist das erste Mal überhaupt, seit ich hier bin, dass ich mich der Stimme enthalte."

Den Grund schiebt er gleich hinterher: "Ich mag keinen der Kandidaten, die zur Wahl standen. Auch Donald Trump ist keine Option." Hammond, geboren in Bangor im US-Bundesstaat Maine und aufgewachsen in Connecticut, hätte sich einen anderen republikanischen Kandidaten gewünscht. "Mir war John Kasich sympathisch. Er ist solide und an Fakten orientiert." Aber der Gouverneur von Ohio und ehemalige Kongressabgeordnete, der vielen als gemäßigte Alternative zum Rüpel Trump galt, blitzte im Nominierungsrennen genauso ab wie die übrigen 15 Gegenkandidaten des Milliardärs - von Ted Cruz über Ex-Präsidenten-Sohn Cheb Bush bis hin zu Marco Rubio. "Ich dachte ja, die Partei würde Trumps Nominierung doch noch anfechten und damit verhindern - auch, weil seine Kandidatur die Partei tief spaltet", analysiert Hammond. Passiert ist das nicht.

Die Wahlnacht und den gestrigen Morgen verbrachte Hammond so: "Ich habe früh das ,Morgenmagazin' geguckt, die Nacht durchgemacht vor dem Fernseher habe ich nicht. Man muss die Zeitverschiebung bedenken: Wenn ich daheim ins Bett gehe, sind die Kalifornier noch auf der Arbeit. Da war noch gar nichts entschieden."


"Realität folgt dem Schock"

Als der Sieg Trumps feststand, stellte sich als erste Reaktion Erleichterung bei Douglas Hammond ein. "Ich bin einfach nur erleichtert, dass es vorbei ist. Erleichtert darüber, dass mit der Mehrheit im Senat und im Kongress plus Präsident von einer Partei eventuell was Gutes herauskommen wird. Keiner hat es vorausgesehen. Nach dem Schock kommt die Realität. Warten wir es ab!"

Wäre in diesem Ausnahmefall für den 59-Jährigen ein Wechsel zu den Demokraten denkbar gewesen? "Nein, das sicher nicht", sagt Douglas Hammond und lacht. "Es war in den vergangenen 16 Jahren wirklich schwierig gewesen, sich mit den demokratischen Vertretern abzufinden." Mit dem Ehepaar Clinton im Besonderen, sagt der Kasendorfer. "Die ersten sechs Jahre der Regentschaft Bill Clintons waren schlicht und ergreifend ein Skandal, später hat er er sich immerhin als halbwegs vernünftiger Diplomat entpuppt."

Bills Frau Hillary aber sei für Hammond nie auch nur ansatzweise in Betracht gekommen. Seine Abneigung gegen die 69-Jährige sei zementiert. Dass sie nun, entgegen aller Vorhersagen der Auguren, verloren hat, erinnert ihn an den angeblich unmöglichen Brexit der Briten. "Als Sportler favorisiert man doch immer irgendwie den Underdog, hat klammheimlich Sympathie für den Außenseiter." Das war Trump definitiv.


Reden jetzt Taten folgen lassen

Was geschieht, wenn der Immobilien-Mogul die Schaltzentrale der Macht in Washington eingenommen hat? Es gehe jetzt nicht zuletzt auch darum, die Nation wieder zu versöhnen, sagt Hammond. "Ich bedauere, dass es im Wahlkampf viel zu sehr um Personenkult und persönliche Anfeindungen ging als um wirklich wichtige politische Themen. Die Unruhe, die im Volk geschürt wurde, macht mir zu schaffen. Da nehme ich keinen der beiden Wettbewerber aus. Es genügt nicht, sich gegenseitig einfach nur schlecht zu machen. Wenn ich davon spreche, ich werde neue Arbeitsplätze schaffen: Dann muss ich sagen, wie ich das anstellen will. Oder wie ich das Gesundheitssystem von Barack Obama verbessern will oder durch ein anderes ersetzen."

Nach acht Jahren stellt er dem ersten farbigen US-Präsidenten kein gutes Zeugnis aus. "Er war sicher blockiert durch die republikanischen Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus, aber eigentlich hat er wenig bis fast gar nichts bewirkt." Aus seiner medizinischen Fachkenntnis heraus hat sich Hammond auch mit Obama-Care befasst. "Was ich darüber gelesen habe, kann es nach meinem Dafürhalten nicht funktionieren, weil es zu sehr bürokratisiert und bei steigenden Kosten sinkende Leistungen mit sich bringt."
Mit seiner deutschen Frau Sylvia redet der 59-Jährige wenig über Politik. "Das ist bei uns daheim kein großes Thema."