Die Botschaft des Abends ist klar: Da mag einer zwar als Fernseh- und Werbestar Millionen verdient und in den USA gelebt haben, aber vergessen hat er nicht, wie es damals war im beschaulichen Kulmbach, seiner Heimatstadt mitten in Oberfranken. Thomas Gottschalk (64) ist mit seiner Biografie "Herbstblond" auf Tour. Dass er auch in Kulmbach auftritt, sei ihm besonders wichtig gewesen, sagt er kurz vor der knapp zweistündigen Bühnenshow am Montagabend. Denn vermutlich weiß er sehr gut: Treuere Fans dürfte er nirgends haben.

Immer wieder setzt er bewusst den fränkischen Dialekt seiner Heimat ein, was das Publikum ihm mit Szenenapplaus dankt. Im Mittelpunkt stehen weniger seine mehr als vier Jahrzehnte im Radio- und Showgeschäft, sondern Kindheit und Jugend in Kulmbach: Ob über Lehrer, die Nonnen im Caritas-Kindergarten oder die Klavierlehrerin - Gottschalk hat etliche Anekdoten parat. Er macht ein Witzchen über die größere Nachbarstadt Bayreuth, bringt die Idee ins Spiel, in Kulmbach mal eine Straße nach ihm zu benennen. Der Auftritt ist gewohnt selbstbewusst.

Viele Zuschauer kommen aus Gottschalks Generation. Wenn er erzählt, dass er auf der Bank am Güterbahnhof das erste Mal ein Mädchen geküsst und an einem Pavillon am Berg vergeblich auf ein Rendezvous gehofft hat, dann nicken sie wissend. Auch den Comic aus der Lokalzeitung und das Eiscafé San Remo kennen sie gut. Viel Nostalgie steckt in diesem Abend. Wer in den 1960er-Jahren mit wem verheiratet war - Gottschalk weiß es noch: "Es hängt in Kulmbach eben alles zusammen."

Der ehemalige "Wetten, dass..."-Moderator fühlt sich sichtlich wohl an diesem Abend in der ausverkauften Stadthalle. Dass von der Decke eine Discokugel im Stil der 1980er-Jahre baumelt, ist irgendwie passend. Denn damals begann ja seine große Zeit auf der "Wetten, dass..."-Coach, als sich die TV-Gemeinde samstags zu seiner Show versammelte.

Eingeladen hat sich Gottschalk seine zehn Jahre jüngere Schwester Raphaela. Sie darf eine Passage aus dem Buch vorlesen: Die Zuhörer erfahren, dass der junge Thomas Gottschalk Friseurinnen und Fleischverkäuferinnen attraktiver fand als die höheren Töchter Kulmbachs.

"Hier gefällt's mir. Wir können das ja einmal die Woche machen", sagt Gottschalk nach einer neuen Runde Spontan-Beifall. Er besitzt noch das Elternhaus in Kulmbach und schaut gelegentlich vorbei in der nordbayerischen Provinz. Er kaufe sich dann regelmäßig Bratwürste, erzählt er drei jungen Schülerzeitungs-Redakteuren, die ihn live auf der Bühne interviewen dürfen. Auch in einer Cocktail-Bar sei er neulich gewesen.

Nur der Frage der Nachwuchs-Journalisten, ob er sich vorstellen könne, seinen Lebensabend in Kulmbach zu verbringen, weicht er geschickt aus. Später scherzt er allerdings mit seinem Radio-Kollegen Fritz Egner, der sich zu ihm auf die Bühne gesellt, über die Idee, ein Heim in Kulmbach aufzumachen. Man könne dann ja nächtelang Musik hören und Ü80-Partys veranstalten. Die Kulmbacher würde es vermutlich sehr freuen. dpa