Wenn viele Hände ineinander greifen, dann ist so manches möglich. Die Schneiderei Ali feierte am Donnerstagabend in der Oberen Stadt 10, im Atelier Andreas Schobert, ihre Eröffnung. Auch Oberbürgermeister Henry Schramm begrüßte den neuen Geschäftsmann in Kulmbach. "Ich hoffe, Sie haben hier das Gefühl, dass sie aufgenommen und sicher sind", sagte der OB und sprach der geflüchteten Familie seinen Respekt für deren Mut aus.

Dabei sei es wichtig, dass es Menschen vor Ort mit einem großen Herzen und Engagement gebe, die unterstützend eingreifen. Wie das Ehepaar Edgar und Margit Schoberth, das die Flüchtlingsfamilie seit geraumer Zeit betreut.


Landrat: "Wir sind weltoffen"


Als einen schönen Termin bezeichnete Landrat Klaus Peter Söllner die Geschäftseröffnung, "in diesen merkwürdigen Zeiten ein wichtiges Symbol". Der Landrat hoffte, dass ein solches Modell noch viele Nachahmer finden werde und dass Menschen ihre Stärken und Fähigkeiten sehen und nutzen können. "Wir sind eine Gesellschaft, die in Wohlstand, Frieden und Freiheit lebt, und wir sind in Kulmbach weltoffen." Noch dazu, wenn es um solche Win-Win-Situationen gehe.

Die entsteht nämlich beispielsweise zwischen Rakan Ali und seinem "Vermieter" Andreas Schobert, der für einige Monate kostenfrei einen Teil seiner Atelierräume zur Verfügung stellt. "Ich habe mich schon länger gefragt, was man als Einzelner zur Lösung der Flüchtlingskrise beitragen kann", sagte der Künstler und Kunstlehrer. Er habe sich überlegt, wie er gern behandelt werden würde, wenn er plötzlich fliehen müsste, "auch mein Großvater war Flüchtling gewesen".

Als er von dem Raumbedarf hörte, bot er sich spontan an - nicht ohne den kleinen Hintergedanken, Hilfe für ein bevorstehendes Kunstprojekt zu bekommen. "Ich möchte mit Stoffen aus Syrien collagenartige Bilder entstehen lassen, dafür kann ich das Geschick eines Schneiders gut brauchen."


"Danke für das Willkommen"


Zwei, die also künftig voneinander profitieren können und auch auf persönlicher Ebene zueinander finden. Damit ist Andreas Schobert einer von den vielen Mosaiksteinchen, die sich laut Peter Müller, am Landratsamt Koordinator der Bildungsangebote für Neuzugewanderte, finden müssen, um zu einem Gesamtbild zusammengesetzt zu werden. "Diese Geschäftsgründung ist ein ausgezeichnetes Argument, das man den ewigen Pessimisten entgegensetzen kann", sagte er und gratulierte Rakan Ali zu seinem Schritt.

Der junge Geschäftsgründer war sichtlich gerührt und bedankte sich bei allen Anwesenden und Helfern. "Ich habe 20 Jahre in Syrien und in Istanbul als Schneider gearbeitet. Ich freue mich, dass ich in Kulmbach diesen Laden eröffnen darf, Danke für das Willkommen."