Traditionelle Marschmusik, herausragende Kompositionen der leichten Klassik, Bravour-Stücke für Solisten oder auch einmal etwas Außergewöhnliches: das Repertoire der Stadtkapelle Kulmbach ist breit gefächert. Beim Neujahrskonzert am Dienstagabend in der Dr.-Stammberger-Halle zogen die gut 50 Musiker unter ihrem Dirigenten Thomas Besand einmal mehr alle Register ihres Könnens und bescherten dem Kulmbacher Publikum fast drei Stunden lang beste Unterhaltung auf höchstem Niveau.


Zum 25. Mal der Dirigent


Das Neujahrskonzert ist für die Stadtkapelle der Höhepunkt im musikalischen Jahreslauf. Thomas Besand leitete es zum 25. Mal in Folge, und auch diesmal wurde er dem Motto "Von klassisch bis modern" vollends gerecht. Die Dr.-Stammberger-Halle war schon lange vorher ausverkauft und Besand hatte den Klangkörper wie immer perfekt einstudiert.

Einmal mehr war es auch Karl Heinrich Backert, der zwischen den Stücken allerhand Wissenswertes beisteuerte und so gleichzeitig den Musikern die notwendigen Verschnaufpausen ermöglichte.


Original oder absolut authentisch


Ein Markenzeichen der Stadtkapelle ist, dass sämtliche Titel entweder in der Originalausgabe oder in absolut authentischen Bearbeitungen gespielt werden. Das gilt natürlich auch für die so genannte leichte, aber dafür umso anspruchsvollere Klassik wie etwa bei der Ouvertüre zur komischen Oper "Der Barbier von Sevilla", dem bekanntesten Werk von Gioacchino Rossini. Die Spritzigkeit, die eingängigen und doch so raffinierten melodischen Einfälle, sie machen diesen Geniestreich zur Buffa-Krönung schlechthin. Der Stadtkapelle gelingt es hervorragend, Witz und Heiterkeit dieses Stückes zu transportieren. Ja mehr noch, indem der Dirigent das Tempo drosselt, wird das Spiel derart exakt, wie man es bei symphonischen Blasorchestern selten findet.

Eng verbunden mit der Faszination der Neujahrskonzerte sind die Namen der Strauss-Dynastie. Diesmal hatte die Stadtkapelle die Polka francaise "Im Krapfenwaldl" von Johann Strauss Sohn ausgewählt, eine amüsante Tonmalerei, in der ein Kuckuck ruft und die Vögel herrlich jubeln. All das hatte Johann Strauss Sohn in Noten gesetzt, und die Musiker spielten die Polka so wunderbar locker und leicht. Für beschwingt gute Laune sorgten außerdem die lyrisch poetisch musizierte Lustspielouvertüre von Albert Kéler-Béla oder die bekannte und gleichsam rasant musizierte "Petersburger Schlittenfahrt" von Richard Eilenberg.


Unverwechselbar amerikanisch


Unverwechselbar amerikanisch erklingt das Medley mit den schönsten Melodien von George Gershwin. Bärbeißiges Blech versetzt den Hörer mühelos in die swingende Atmosphäre der Goldenen golden zwanziger Jahre, während zuvor im Potpourri aus der Operette "Im weißen Rössl" von Ralph Benatzky Operettenseligkeit und Wiener Schmäh das mitreißende Spiel der Stadtkapelle dominieren.

Neben der leichten Klassik kamen freilich auch diesmal Freunde traditioneller Blasmusik nicht zu kurz. Die dem Blasorchester ureigenste Musikgattung bewältigte die Stadtkapelle spielend, manchmal euphorisch donnernd, manchmal mit viel Sinn für die feinen Zwischentöne, aber immer schmissig und mit den so typischen Schlussritardandi. Etwa beim 92er Regimentsmarsch "Aller Ehren ist Österreich voll" samt Kaiserhymne von Johann Nowotny, beim Potsdamer Jubiläumsmarsch von Hans Ahrens, den die Stadtkapelle aus den handschriftliches Stimmen des Komponisten spielt, beim Konzertmarsch "Schneidig voran" von Willi Löffler oder beim "Graf-Luckner-Marsch" von Walter Heyer.

Solo-Stücke absolute Höhepunkte


Ein weiterer Höhepunkt des Neujahrskonzertes sind die Solo-Stücke, von denen diesmal gleich zwei auf die Pulte kamen: Der Bravour-Walzer "Für Michaela" des Burgenländers Johann A. Steiner für zwei Flügelhörner mit den hervorragend aufgelegten Solisten Reiner Popp und Wolfgang Diehm und die Solistenpolka Hoffmannstropfen für drei Posaunen von Ernst Hoffmann mit Christine Schergun Werner Schneider und Udo Koch. Alle drei musizierten hervorragend mit flexiblem Ton und perfektem Ansatz und verstanden es damit, ihr Spiel brillant in Szene zu setzen. Zuvor durfte natürlich eine kleine Gaudi-Einlage mit Vorstand Roland Jonak in der Hauptrolle nicht fehlen.

Bleibt noch der Slow-Rock "Summerflight" von Hans Kaufmes, indem der fünfköpfige Saxophonsatz zeigen durfte, dass er dem Ensemble von Captain Cook in nichts nachsteht, und das hervorragend vom Vizedirigenten Werner Scheider einstudierte und dirigierte Tongemälde "Highland Cathedral" der Komponisten Michael Korb und Uli Roever, eines von vielen Höhepunkten in einem Neujahrskonzert, das der Tradition entsprechend mit dem Radetzky-Marsch von Johann Strauss Vater als Zugabe zum Mitklatschen zu Ende ging.