Meine Güte, was haben wir in den letzten Tagen nicht alles hingekriegt. Die Zeitumstellung mit ihren neurotischen Begleiterscheinungen ("Mein Wecker bringt mich um") ist abgehakt. Die "heute show" hat uns zwar ein bisschen enttäuscht: diesmal leider ohne Mick Knauff, unseren Kulmbacher Mr. Dax. Dafür poliert aber der erste Franken-Tatort aus Nörmberch unser rot-weißes Selbstbewusstsein auf: Bierbrauen, Sex und Raketen - alles drin, was der Franke braucht.

Gott sei Dank, legt der Frühling (20 Grad waren's!) eine kleine Pause ein. Daher können wir uns mit den wichtigen Themen befassen: zum Beispiel E-Mail. Jeder wird täglich mit elektronischer Post zugebombt. Auch das Postfach eines Redakteurs, kaum mal zwei Tage halswehkrank, quillt über. 334 Nachrichten - und die Flut ist fast komplett hausgemacht. Wir werden nicht von "Victoria Milan", von der an dieser Stelle jüngst ein Kollege berichtet hat (Stichwort sexmachine), oder "Shelly Palmer" zugemüllt. Wer uns überschwemmt, sind die Mitarbeiter, pardon: die Mitarbeitenden aus dem eigenen Haus. Ja, das ist neuerdings der O-Ton. Man hat die geschlechtergerechte oder geschlechtsneutrale Sprache entdeckt. Nach den Universitäten, wo längst keine Studenten mehr büffeln, sondern Studierende, schafft auch die Wirtschaft diesen verbalen Sexismus ab.

Schön, wir machen mit! Jetzt im Frühling sitzen halt keine Sonnenanbeter vor der "San" am Marktplatz, sondern Sonnenanbetende und Eisessende. Glücklich die Cabriobesitzenden unter den Autofahrenden, die sich Frischluft um die Nase wehen lassen können. Die Radelnden treten in die Pedale, während die Schwimmenden noch ein bisschen aufs Freibad warten müssen. Da bleibt dem Biertrinkenden doch der Schaum im Halse stecken.

Damit lassen wir Sie, liebe Lesende, für heute mit dem Sprachmüll allein - aber nur bis morgen. Dann meldet sich garantiert wieder ein Flüsternder zu Wort.