Drei Kindertagesstätten im Landkreis Kulmbach dürfen sich seit kurzem Sprach-Kitas nennen. Für die Jungen und Mädchen in den Einrichtungen ist das ein großer Gewinn.

Sprache ist der Schlüssel zur Welt. Durch sie treten Menschen miteinander in Kontakt, erschließen ihre Umwelt und eignen sich Wissen an. Vor allem in der frühkindlichen Erziehung spielt Sprache eine entscheidende Rolle. "Da werden Grundsteine gelegt", ist Elisabeth Weith, Geschäftsführerin des Awo-Kreisverbands, überzeugt.


Kommunikation bleibt oft auf der Strecke


"Es gibt heute so viele Kurse, in denen Eltern ihre Kinder fördern wollen. Turnen, Musik und vieles mehr. Doch die Grundlage, eine gemeinsame Kommunikation, bleibt dagegen leider immer wieder auf der Strecke", so Livia Kunz von der Fachberatung für sprachliche Bildung. Dabei böte der Alltag unendlich viele Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen. In Familien, aber auch in den Kindertageseinrichtungen.

Da kommt es gerade recht, dass das Bundesfamilienministerium ein Förderprogramm aufgelegt hat, durch das Kindertagesstätten zu sogenannten Sprach-Kitas werden. In ihnen soll insbesondere die deutsche Sprache eine noch wichtigere Rolle bekommen als in anderen Tagesstätten.

Drei Kindergärten im Landkreis Kulmbach, die alle drei zur Arbeiterwohlfahrt gehören, können sich über Mittel aus dem Bundesprogramm freuen. Im Haus des Kindes "Fantasia" in Kulmbach, im Lindennest in Limmersdorf und im Herbert-Kneitz-Kindergarten in Wirsberg ist durch die Mittel jeweils eine halbe Stelle für Erzieherinnen geschaffen worden, die über eine spezielle Zusatzqualifikation verfügen.


Im ständigen Dialog


"Unsere Aufgabe ist vor allem, die alltagsintegrierte sprachliche Entwicklung zu fördern", stellt Sabine Kraus-Eckert fest, die die Stelle im Haus des Kindes bekleidet. Was sich hochtrabend anhört, ist eigentlich das, was alle Erzieherinnen machen: Mit den Kindern viel sprechen. Beim Essen, Anziehen oder Spielen: Man ist im ständigen Dialog mit den Kindern, animiert sie zum Reden.

"Dadurch, dass wir der Einrichtung zusätzlich zur Verfügung stehen, haben wir richtig viel Zeit und können uns mit einzelnen Kindern hinsetzen und einfach sprechen," so Katja Pfautsch, die die Stelle in Limmersdorf übernommen hat.

Die zusätzlichen Kräfte schaffen also etwas Freiraum und Zeit für alle - sie entlasten. Und sie beraten durch ihre Sonderqualifikation auch ihre Kolleginnen in der Einrichtung, sie geben Tipps, wie Sprache noch besser in den Alltag der Kinder eingebaut werden kann.


Wirsberger Stelle noch unbesetzt


In Wirsberg ist die Stelle derzeit leider nicht besetzt. Eine entsprechende Fachkraft wird dringend gesucht. Bis 2019 läuft das Programm noch. Danach sollen alle Erzieherinnen in den Einrichtungen über das Wissen verfügen, das die Fachkräfte eingebracht haben. Sie wiederum werden von der Fachberaterin Livia Kunz trainiert. Ihre Stelle wird ebenfalls über das Bundesprogramm finanziert.

Für die Kindergartenleiterinnen, die Erzieherinnen und letztlich auch für die Kinder ist das Programm ein echter Gewinn. Elisabeth Weith hat schon ihre Fühler nach dem Nachfolgeprogramm ausgestreckt. "Klar bewerben wir uns da wieder", ist sie überzeugt. "Der Aufwand war im Vergleich zum Nutzen überhaupt nicht groß. Es hat sich wirklich gelohnt."

Sabine Kraus-Eckert ist schon wieder weg. Sie sitzt im Bücherzimmer mit einigen Kindern am Boden, schaut ein Buch an und lässt sich von den Jungen und Mädchen allerhand erzählen. Dafür ist sie schließlich da: Kinder zum Sprechen zu animieren.