Eine Nachfahrin, nämlich die Bonnerin Monika Pertsch, betrieb ab Anfang der 1990er Jahre Ahnenforschung in den Landeskirchlichen Archiven in Regensburg. Der entscheidende Durchbruch gelang ihr allerdings erst, als sie von ihrer Verwandten, Dorothea Günther in München erfuhr. Was dabei heraus kam, berichtete sie im Vortragssaal des Museumspädagogischen Zentrums (MUPÄZ).

Ursprünglich waren die Kulmbacher Pertsch Bäckermeister. So auch Johann Caspar Pertsch. 1833 begann er, nebenbei zu brauen. In seinem Wohnhaus, der Fischergasse 2, neben dem heutigen Hotel Kronprinz, hatte er einen großen Felsenkeller. 1849 wurde der Bauantrag für das Brauhaus genehmigt. Dessen einziges Überbleibsel ist heute ein steinerner Torbogen, den ein pausbäckiger Engel mit Hopfenblättern im Haar ziert. "Durch diesen Torbogen kam es zustande, dass ich diesen Vortrag halte", sagt Monika Pertsch. Denn heute ist er im Kulmbacher Brauereimuseum ausgestellt. Bei einem Besuch sah sie, dass die Beschriftung fehlte. So kam sie mit Sigrid Daum ins Gespräch, der Geschäftsführerin des Vereins Bayerisches Bäckerei- und Brauereimuseum.

Johann Caspar Pertsch erlebte nur drei Jahre seine Brauerei, er starb im Jahr 1852 mit nur 51 Jahren an einer Unterleibskrankheit. An einer ähnlichen Erkrankung war auch seine Frau Dorothea geborene Pöhlmann zwei Jahre zuvor gestorben. Die 19-jährige Tochter starb etwa zur gleichen Zeit an Nervenfieber - der gemeinsame Grabstein steht auf dem Alten Friedhof. Darauf steht geschrieben: "Den Unvergesslichen, Vater, Mutter, Schwester, aus Liebe gewidmet vom dankbaren Sohn und Bruder Christian Pertsch. Ruhet sanft!" - Mit nur 18 Jahren stand er alleine da. Dennoch gab er den Mut nicht auf, wurde Bäckermeister und heiratete 1856 mit 22 Jahren die zwei Jahre ältere Caroline Ruckdeschel. Ihr Bruder, Peter Ruckdeschel, gründete im gleichen Jahr die Backmittel- und Braumalzfirma Ireks.

Ab 1863 wird Christian Pertsch nicht mehr als Bäckermeister, sondern nur noch als Bierbrauer bezeichnet. Er ließ sich in das Firmenregister Bayreuth eintragen und erhielt 1864 eine persönliche Konzession für das Brauhaus.
Er steigerte die Produktion und erwarb weitere Gebäude und Felsenkeller am Festungsberg und Röthleinsberg. Eins davon war das Haus Obere Stadt 10, das 1880 als "Wohnhaus mit Malzgewölb und Malzdarre" bezeichnet wurde. 1885 errichtete Christian Pertsch eine große, neue Brauerei am Schwedensteg. "Sie war mit allen brautechnischen Neuerungen ausgerüstet und verfügte ab 1894 sogar über zwei Dampfkessel", erzählt Monika Pertsch, die einiges von ihrem Geschichtswissen aus Büchern hat, geschrieben von Bernd Winkler, Bernd Körnich, Ottmar Schmitt und Helmut Geiger.

Um 1900 hatte die Brauindustrie in Kulmbach ihre größte Blütezeit. Wenn auch die Pertschbräu mit einer Produktion von rund 16.000 Hektoliter kaum mit den sechs großen Brauereien - EKU, Reichel, Petz, Sandler, Rizzi und Mönchshof - mithalten konnte, so war sie doch die größte von acht Kleinbrauereien und exportierte bis nach Norddeutschland, Schlesien und sogar Nordamerika.

Christian Pertsch starb am 17.12.1904 im Alter von 70 Jahren nach langer Krankheit. Er wurde in der Familiengruft beerdigt, die sich auf dem erhöhten mittleren Teil des Alten Friedhofs befindet. Lediglich eine schlichte Grabplatte mit der Aufschrift "Familie Christian Pertsch" markiert das Grab.

Monika Pertsch zufolge war Christian Pertsch nicht nur ein erfolgreicher Unternehmer, sondern auch 30 Jahre lang Stadtrat, Stifter der städtischen Anlagen, des Volksbads, der Feuerwehrhalle und des Museumsgebäudes. Ihm ist es zu verdanken, dass Kulmbach der Zinsfelder erhalten geblieben ist, der heute am Holzmarkt steht und aus Pertschs Privatbesitz stammt. Gemeinsam mit seiner Frau hatte er in seinem "Letzten Willen" verfügt, dass der Stadtgemeinde Kulmbach aus dem Nachlass 50.000 Mark zu übergeben sind, um damit eine "Christian und Caroline Pertsche Wohlfahrtsstiftung" zu gründen. Die wurde allerdings durch die Inflation 1923 vernichtet. "Der Stadtrat aber erinnerte sich des vorbildlichen Bürgers Christian Pertsch und gab einer Straße seinen Namen", sagte Monika Pertsch. Daher sei es unverständlich, dass sein überwuchertes Grab auf dem Alten Friedhof kaum mehr zu finden ist. Auch auf der Friedhofswebsite http://alter-friedhof-kulmbach.de/ sei das Grab nicht erfasst.

Nach dem Tod von Christian Pertsch übernahm sein Sohn Julius die Brauerei. Doch der Erste Weltkrieg bescherte das Aus. Wie bei allen anderen Brauereien ging die Bierproduktion stark zurück, die Materialien fehlten, Malzkontingente wurden reduziert und es wurde nur noch Dünnbier gebraut - viele kleine Brauereien gaben auf. Julius Pertsch verkaufte 1919 an die Markgrafenbräu, die wurde 1930 von der Reichelbräu übernommen. Julius Pertsch starb 1936 im Haus Obere Stadt 10 unverheiratet und kinderlos. Die Pertsch als Brauer waren ausgestorben. Allerdings heiratete Christian Pertschs jüngste Tochter Anna Babette Rosalie Dr. Johann Adam, kurz Hans, Günther. Er war Lehrer an der damaligen Kulmbacher Realschule. 1912 wurde er zum Studienprofessor ernannt und unterrichtete bis 1938 Chemie und Naturkunde. Nach ihm ist die Hans-Günther-Straße in der Blaich benannt.

Es gibt heute nur noch eine einzige direkte Nachfahrin der Bierbrauerlinie Pertsch, nämlich die Urenkelin von Christian Pertsch, die Hautärztin Dr. Dorothea Günther aus München. Sie war ebenfalls zum Vortrag im MUPÄZ gekommen und berichtet: "Die unerwartete Familienzusammenführung fand ich toll." Daher habe sie gerne viele ihrer alten Fotos sowie die Erzählungen weitergegeben, die in ihrer Familie zum berühmten Verwandten Christian Pertsch kursierten.

Die 70-jährige Monika Pertsch stammt aus der Bäckerlinie der Familie. Sie erklärt: "Mein Urgroßvater Leonhard Andreas ging 1887 nach Bayreuth und dann 1914 nach Nordhorn, sein Bruder Johann Georg wanderte 1880 nach Baltimore/USA aus." Monika Pertsch hat eine Hunderte von Seiten umfassende Familienchronik geschrieben, eine Veröffentlichung ist derzeit jedoch nicht geplant.

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