Vor einem Jahr verabschiedete die Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Kulmbach ihren langjährigen Vorsitzenden: Schon damals war klar, dass man auf die Schnelle keinen Nachfolger für Wolfgang Schenker finden würde. Bis zu den Neuwahlen 2018 führt stellvertretender Vorsitzender Karlheinz Vollrath die Geschäfte. Wir sprachen mit ihm über Flächenversiegelung im Kreis Kulmbach, über Umgehungsstraßen und Gewerbegebiete. Und er äußerte sich, ob er 2018 als Schenker-Nachfolger zur Verfügung steht.

Gibt es noch Kontakt zu Wolfgang Schenker? Wie geht es ihm in Bamberg?
Vollrath: Es geht ihm gut, und es bestehen auch Kontakte. Einige Mitglieder sind mit ihm befreundet und auch zu seinem Geburtstag eingeladen. Er kommt immer gern nach Kulmbach, wenn es ihm möglich ist.

Heuer wird zwar nicht gewählt. Aber zeichnet sich bei der Besetzung des Vorstandspostens bereits etwas ab? Heißt der Nachfolger vielleicht Vollrath?
Ich weiß, dass manche die Hoffnung haben, dass ich kandidiere. Aber ich kann jetzt schon sagen, dass ich gerne zweiter Vorsitzender bleiben möchte. Aus beruflichen und privaten Gründen könnte ich das Amt des 1. Vorsitzenden nicht ausfüllen. Wir bräuchten jemand, der mehr Zeit hat. Damit wir nicht nur den Themen hinterherrennen, sondern wichtige Projekte angehen können.

Welches Thema oder Problem im Landkreis Kulmbach bewegt Sie derzeit besonders?
Das sind die Umgehungsstraßenprojekte Melkendorf und Untersteinach mit ihrem immensen Flächenverbrauch. Ganz aktuell sieht man, was zwischen Kauerndorf und Untersteinach gerodet worden ist, was die Baustelle für ein gigantisches Ausmaß annimmt. Trotzdem sind die Probleme für Kauerndorf nicht gelöst. Wir lehnen auch die Umgehung Stadtsteinach ab. Es gibt Alternativen - zum Beispiel, die Durchfahrt für große Lkw zu sperren und diese großräumig über die B 85 umzuleiten.

Das Jahresmotto 2016 lautete: Bodenschutz statt Flächenfraß. Wie fällt Ihre Bilanz für den Landkreis Kulmbach aus?
Das Thema bewegt die Menschen - auch hier bei uns. Man muss wissen, dass in Bayern täglich 18 Hektar versiegelt werden, das sind 25 Fußballfelder. Wir sind auf dem Weg zur Betonwüste. Jeder weiß, dass es Wahnsinn ist, wenn wir so weitermachen. Aber die Bürgermeister und Gemeinderäte tun sich schwer, nein zu sagen. Dann werden noch ein Baugebiet oder noch mehr Gewerbeflächen am Ortsrand genehmigt. Mit all den negativen Folgen für die Ortszentren und für die Menschen, die gezwungen sind, mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren. Es muss sich dringend etwas ändern, weil die Dörfer ihr Gesicht verlieren. Ein ganz schlechtes Beispiel ist das neue Gewerbegebiet Unterbrücklein. Vorbildlich handelt dagegen die Gemeinde Thurnau. Sie hat einen Kreis um den Ortskern gezogen und beschlossen, dass nur noch innerhalb neue Einkaufsmärkte genehmigt werden.

Welche Botschaft wollen Sie mit dem Jahresmotto "Lebensmittel" vermitteln?
Es geht um den Wert von Lebensmitteln. Die Leute sind bereit, mehr Geld auszugeben, wenn sie wissen, wo und wie die Lebensmittel produziert werden. Wir wollen zeigen, dass es bei uns in der Region gute Lebensmittel gibt, die nicht durch die halbe Welt gekarrt werden. Wir geben einen Flyer heraus und machen am 22. März eine Veranstaltung zum Thema "Vielfalt auf dem Teller und auf Acker und Wiese". Im April werden wir mit Kindern in Schlömen Kartoffeln stecken und im Herbst wieder ernten. Und wir wandern im Juni zum Patersberghof und zur Hofgärtnerei in Veitlahm.

Die BN-Kreisgruppe versteht sich seit 42 Jahren als Anwalt der Natur. Werden Sie vor der Bundestagswahl heuer wieder den Kandidaten mit Umweltprüfsteinen auf den Zahn fühlen?
Nein, das haben wir noch nicht geplant. Aber es ist eine gute Idee. Vielleicht machen wir das. Eine Frage wäre dann, was die Politiker vom Beitritt des Landkreises zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) halten. Damit würde man ein wichtiges politisches Zeichen setzen und den ÖPNV stärken. Auch wenn es Geld kostet.

Glauben Sie, dass der Bund Naturschutz im Kreis Kulmbach ausreichend wahrgenommen wird?
Nein, an der Außendarstellung hapert es. Das liegt daran, dass das Amt des Vorsitzenden nicht besetzt ist. Dass keiner da ist, der ausreichend Zeit hat für solche Aufgaben. Daher mein Appell: Jeder sollte überlegen, ob er selbst infrage kommt oder ob er einen guten Kandidaten kennt. Noch mal kommissarisch wird's nicht gehen.


Kreisgruppe Kulmbach

Jahresbilanz Die 1150 Mitglieder der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe sind morgen zur Hauptversammlung in der Kommunbräu eingeladen; Beginn ist um 19.30 Uhr.

Umzug Seit einem Jahr hat die BN-Kreisgruppe ein neues Zuhause: Das Büro in der Hans-Herold-Straße 4 in Weiher (Nähe Gastwirtschaft "Kesselstuben") ist Dienstag von 14 bis 18 Uhr und Donnerstag von 9 bis 13 Uhr geöffnet.