Werner Agly (65) macht seinen ehrenamtlichen Nebenjob schon lange: Seit 20 Jahren trägt er die blaue Kluft der Sicherheitswacht. "Ich laufe ein- bis zweimal pro Woche drei bis fünf Stunden durch die Stadt", berichtet er. Die Anweisungen, wo er nach dem Rechten schauen soll, gibt ihm der Dienstgruppenleiter der Polizei.


Strenges Auswahlverfahren

Das ist auch der große Unterschied im Vergleich zu selbsternannten Bürgerwehren oder Schwarzen Sheriffs. "Bei der Sicherheitswacht findet eine Auswahl derjenigen statt, die Dienst tun dürfen. Wir schauen uns die Leute genau an. Sie dürfen nicht vorbestraft sein", erklärt der Kulmbacher Polizeichef Gerhard Renk. Außerdem müssten die Männer und Frauen eine 40-stündige Schulung absolvieren.

Früher gab es zehn Sicherheitswachtler, seit 2013 leisten neun Männer und drei Frauen in Kulmbach ehrenamtlich Dienst. 2000 Stunden waren sie im vergangenen Jahr unterwegs, auf Patrouille, um in Kulmbachs Innenstadt nach dem Rechten zu schauen. Sie haben gelernt, wie man sich in Konfliktsituationen verhält, sie kennen De-Eskalierungstechniken und werden psychologisch geschult.

"Bürgerwehren dagegen sind ein unkontrollierter Zusammenschluss von Leuten, die meinen, sie wollen für Recht und Ordnung eintreten. So etwas brauchen wir in Kulmbach nicht", sagt Renk deutlich.

Polizeipräsident Reinhard Kunkel bestärkte seinen Kollegen in dieser Auffassung: "Bürgerwehren sind Leute, die meinen, das Recht selbst in die Hand nehmen zu können oder zu müssen. Das brauchen wir nicht", sagte Kunkel. Der Polizeipräsident merkte an, dass die Aufklärungsquote der Polizei spitze sei und dass die Bürger allen Grund hätten, sich sicher zu fühlen.


"Wir wollen keine Wichtigtuer"

"Wenn es die Sicherheitswacht nicht geben würde, müsste man sie erfinden", versichert Renk und dankte den Helfern in den "Kesselstuben" bei einem Dankeschön-Essen. "Wir hatten ein ausgesprochen glückliches Händchen bei der Auswahl. Wir wollen keine Wichtigtuer und Möchtegern-Sheriffs", betont Renk. Von den Sicherheitswachtlern der ersten Stunde seien noch fünf aktiv - darunter auch der Senior Lothar Konrad mit über achtzig Jahren.

"Ich weiß, dass der Job bei der Sicherheitswacht nicht immer einfach ist. Aber ich habe großen Respekt. Die Sicherheitswacht trägt positiv zum subjektiven Sicherheitsempfinden bei - und das ist wichtig", dankte auch Oberbürgermeister Henry Schramm den engagierten Sicherheitswachtlern. "Wir hatten Herausforderungen am zentralen Omnisbusbahnhof zu meistern, und auch in der Basteigasse ist die Sicherheitswacht immer wieder im Einsatz." Sicherheit sei ein wesentlicher Aspekt für Lebensqualität. "Wir haben keine dunklen Ecken, wir können auch nachts ohne Angst auf die Straße", so Schramm.


Funkgerät und Pfefferspray

Schon morgens vor acht Uhr beginnt für die Sicherheitswachtler der Dienst - am ZOB, wenn großer Schüleransturm herrscht. Meistens gehen sie zu zweit auf Streife, ausgestattet mit der dunkelblauen Uniform, Funkgerät und Pfefferspray. "Eigentlich passiert dort, wo die Sicherheitswacht ist, nie irgend etwas", stellt Renk fest.

Die Sicherheitswacht soll vor allem dort präsent sein, wo Straftaten drohen, die Gefährdung aber dennoch nicht so groß ist, dass Polizeibeamte ständig vor Ort sein müssen. Deshalb schaut die Sicherheitswacht in Parkhäusern, die gerne als Treffs von Jugendlichen genutzt werden, oder in der Grünzone nach dem Rechten. Neuerdings wird auch das Umfeld von Flüchtlingsunterkünften kontrolliert. Das ist für die Sicherheitswachtler in Kulmbach ganz normal. "Wenn irgendwo etwas los ist, dann alarmieren wir per Funk die Polizei", sagt Agly.

Einmal hat die Sicherheitswacht einen Spanner aufgespürt, einen Grapscher zur Raison gebracht, Erstversorgung nach Stürzen geleistet und Vandalismus verhindert. Markus Winkler erinnert sich noch an einen Motorradunfall, bei dem er vor Ort war und an einen brennenden Mülleimer.


Unkultur des Wegschauens

"Die Sicherheitswacht soll die Unkultur des Wegschauens bekämpfen", erklärt der frühere Landtagsabgeordnete Dieter Heckel, der sich von Anfang an für die Helfer der Polizei stark gemacht hat. "Es war nie die Idee, Polizisten durch die Hintertür einzusparen."