"Wie schau' ich aus?" fragt Iris Kröner in die Runde. Um ein Haar hätten selbst ihre besten Freundinnen die 37-Jährige nicht wieder erkannt. Sie hat sich von der liebevollen Mami, die sonst gerne mal den Nachwuchs mit zur Probe bringt, in einen sexy Vamp verwandelt.
Mit Lockenmähne, kurzem Röckchen und dick aufgetragener Schminke. Augen und Lippen sind violett umrandet. Die Farbtöne passen perfekt zum Outfit - ein fiktives Polizeikostüm mit unzähligen Pailletten. "Ohne Pailletten geht's beim Fasching überhaupt nicht. sie müssen sein", sagt Iris Kröner - und ihre Mittänzerinnen nicken zustimmend.
"Aber wie lange ich gebraucht habe, um das Kostüm zu verzieren, das kann ich gar nicht sagen. Ich habe abends jede einzelne Paillette von Hand angenäht. Bänder oder so haben wir nicht verwendet", erzählt sie. Offen gibt Iris Kröner, die schon seit elf Jahren begeisterte Tänzerin ist, zu, dass eigentlich nicht ganz so viele Verzierungen geplant waren. "Wir haben ja schon im vergangenen Mai ein Thema ausgesucht. Eigentlich wollten wir nur einen Glitzerrand unten am Rocksaum annähen", berichtet sie. Doch das war zu wenig. Denn die Kostüme waren ruck-zuck fertig. Und da noch Zeit war, konnte man sich weitere Verzierungen und Optimierungen ausdenken.
Die Tänzerinnen verschönerten dann ihre Kostüme, indem sie Glitzerzacken aufnähten,Korsagen verzierten und sich fiktive Glitzertäschchen auf die Brust nähten. Auch die klassischen Polizistenmützen wurden ordentlich verziert.
"Ich habe die Pailletten auch selbst angenäht. Das ist doch klar", erzählt der Youngster der Gruppe, Katharina Linß. Sie ist erst 18 Jahre alt und reist extra aus Bayreuth an. "Ich bin seit drei Jahren dabei, und es macht mir richtig Spaß. Meine Tante ist auch dabei, das ist die Marion Wallsteiner", lacht Katharina. Aber ist der 18-jährigen die restliche Truppe, die so zwischen dreißig und fünfzig ist, nicht zu lahm? "Nein, kein bisschen. Das Tanzen kann ganz schön anstrengend sein. Aber Spaß macht es trotzdem, das muss so sein", sagt Katharina und würde sich trotzdem freuen, wenn noch mehr Jungspunde mit von der Partie wären. Denn schaden könnte das nicht.
"Ich bin ja erst durch meinen Mann zum Fasching gekommen", verrät Katharinas Tante. Denn sie hat bei einer Faschingsveranstaltung ihren heutigen Ehemann Thorsten kennengelernt. Dann hat sie - bei so viel Glück - natürlich Faschingsprinzessin gemacht. Das war Ehrensache, erzählt Marion Wallsteiner. Und seitdem ist sie ein echter KFK-Fan. "Ich habe mich erst nicht so recht getraut, weil ich nicht wusste, ob ich tanzen kann, aber dann habe ich die Birgit Neidhart im Trebgaster Kindergarten getroffen. Man kam ins Gespräch - und so kam ich dazu", hat Marion Wallsteiner ihre Entscheidung noch nicht bereut. Im Gegenteil: Sie hat einen Riesenspaß. Unterdessen braust Isabell Winkler (21) mit einem Bobbycar durch die Gegend und übt schon mal, wie man sich auf elegante Art mit dem kurzen Petticoat auf einem Bobbycar fortbewegt. Mit mehr oder weniger Erfolg.
Aber ein bisschen dürfen die Spitzen ja ruhig blitzen. Denn an Fasching ist fast alles erlaubt. Ebenfalls eine sexy Polizistin ist Julia Wiemann. Sie ist 22 Jahre alt und steht seit ihrem fünften Lebensjahr mit Tanzgruppen und Garden auf der Bühne. "Ich habe ein Jahr pausiert. Aber das war furchtbar. Das war gar kein Fasching", erinnert sich Julia Wiemann. Mit ihrem Beruf kriegt sie Fasching locker unter einen Hut. "Ich bin Zahnarzthelferin, mache Fasching, tanze und gehe dann am Montag ganz normal wieder auf die Arbeit. Das ist überhaupt kein Problem", sagt die 22-jährige.
Beim großen Auftritt 2012 wirbeln nicht nur die sexy Polizistinnen über die Bühne. Auch Verbrecher in schwarz-weiß gestreifen Kostümen treiben ihr Unwesen. Büttenrednerin Birgit Obermaier (42), die seit Jahren beim KFK das Zeitgeschehen aufs Korn nimmt, geht ausnahmsweise fremd - doch welche Funktion sie bei den Tänzerinnen übernimmt, wird vorab nicht verraten. Nur so viel: Es bleibt kein Auge trocken und wird eine Riesen-Überraschung.
"Wir würden natürlich auch gerne ein paar Männer haben. Die sind einfach viel besser für Hebefiguren", lacht Birgit Hofmann, eine der Ideengeber der Gruppe. Sie hat mit Iris Kröner am Motto und an der Choreographie gefeilt. Es kommt schließlich nicht nur darauf an, dass die Kostüme gut sitzen, sondern auch, dass die Mädels eine gute Figur machen und die Zuschauer in eine andere Welt entführen. Bis Samstag wird noch fleißig geprobt, gefeilt und verbessert. Nach Aschermittwoch geht's in eine neue Runde - mit neuem Motto und neuer Narretei.