Wenn es um Schnaps geht, kennt Herbert Steinlein keine Gnade. "Wer ihn reinkippt, bekommt keinen Zweiten", sagt der Neufanger Gastwirt und macht deutlich, dass der Gast, der das Destillat auf einen Zug trinkt und nicht genießt, bestraft wird. Auch handwerkliche Fehler sollte man tunlichst vermeiden. Kalt ausgeschenkt, verliert der Brand an Aroma. "Deshalb sollte man Schnaps nur bei Zimmertemperatur trinken", betont Steinlein und macht dabei auch deutlich, dass man Schnaps nie mit Bier, sondern allein mit Wasser, eventuell auch mit einem schwarzen Kaffee genießen dürfe.

Der radikale Umbruch


Steinleins Schnäpse sind weit über die Landkreisgrenze hinaus bekannt. Das Braurecht der Familie geht bis ins Jahr 1794 zurück. "Das Brennrecht für mehlige und nicht-mehlige Stoffe, sprich Brände aus Getreide oder Obst, erlaubt es uns, jährlich 300 Liter Weingeist zu erzeugen", erläutert der 64-Jährige, der 1983 einen radikalen Umbruch in der langjährigen Brenntradition eingeleitet hat. Seither wird ausschließlich im Verfahren der Spontangärung gebrannt. "Das ist ein sehr aufwändiges, aber das natürlichste Verfahren, um aus Obst Schnaps zu brennen", sagt der Gastwirt. Der Alkohol, das Aroma und der Geschmack würden dabei allein aus der Frucht gewonnen. "Wir verzichten auf die Zugabe jeglicher Zusatzstoffe. Wer unseren Schnaps trinkt, trinkt reine Frucht." Die Nachhaltigkeit des Geschmacks preist er als das Qualitätsmerkmal: "Bei parfümierten Schnäpsen ist der erste geruchliche Eindruck zwar meist intensiver und fruchtiger, er verfliegt aber auch schnell, weil er nur aufgesetzt ist."
Natur pur - das ist das Motto der Neufanger Brennerei, die nur eigenes Obst verwendet. Im Jahre 1994 wurde, gut 500 Meter Luftlinie vom Gasthof entfernt, eine Streuobstwiese angelegt und nach und nach erweitert. Herbert Steinlein: "Wir haben mittlerweile rund 210 Obstbäume gepflanzt: Apfel, Birne, Kirsche, Vogelbeere, Zwetschge, Quitte, Mirabelle und Mispel."
Vor dem eigentlichen Brennen ist Handarbeit angesagt. Die Früchte werden von der Familie geerntet und dann aussortiert. "Es dürfen keine faulen Früchte, Stiele oder Blätter dabei sein. Das ist entscheidend für die spätere Qualität der Brände, die bei uns dann auch nicht kratzen", weiß Herbert Steinlein, der das Obst nach dem mühevollen Aussortieren einmaischt, sprich in einem Fass mit einem Gärspund luftdicht abschließt. Beim späteren Brauvorgang wird die Maische in einem Kupferbrennkessel dann erhitzt.

Fällt die Ernte schlecht aus ...


Trotz eines riesigen Arbeitsaufwands kann der Ertrag gering ausfallen. "Ist die Ernte einzelner Sorten schlecht, kann manchmal erst im darauf folgenden Jahr wieder gebrannt werden", stellt Steinlein fest. Er erinnert sich noch gut an das Jahr, in dem er mit seiner Frau für zwei Liter Schnaps über 60 Stunden Vogelbeeren gerissen hat. Auch wenn die Mühen nicht immer belohnt werden - die Neufanger Brände sind wie die Kochkünste der Familie gefragt. Immer wieder feiern Prominente in der urigen Gaststätte, kommen auch Gäste aus "Herrmanns Posthotel" in Wirsberg, die auch Hochprozentiges kosten. "Wir profitieren von Alexander Herrmann", erklärt Herbert Steinlein, der keinen Zweifel daran lässt, dass auch die Schnaps-Koster von seiner Brennkunst profitieren. Schon sein Opa habe täglich ein Glas getrunken. "Denn Schnaps ist reine Medizin, die dem Körper in geringen Mengen gut tut."