Viele Monate haben Sigrid Daum und Bernd Sauermann gesucht: Einen alten Original-Apothekerschrank wollten sie für das neue Gewürzmuseum im Mönchshof erwerben, doch so etwas ist schwer zu finden. Als sie schon beinahe aufgegeben hatten, kam ihnen der Zufall zu Hilfe: Im "Münchner Merkur" entdeckte Sauermann unter den Kleinanzeigen das perfekte Objekt: ein Original aus einer Münchner Drogerie, mehr als hundert Jahre alt, gut erhalten, mit 152 Schubladen, jede mit einem Emailleschild beschriftet. Eine Flohmarkthändlerin hatte ihn zuletzt als Wohnzimmerschrank genutzt und wollte ihn nun zu Geld machen.


Stiftung macht's möglich


Dass das gute Stück jetzt tatsächlich im Museum steht, ist der Großzügigkeit mehrerer Unterstützer zu verdanken. "Wir hatten kein Budget mehr für Kauf, Transport und fachgerechte Restaurierung." So bat Sigrid Daum Apotheker Hans-Peter Hubmann um Hilfe, der einen guten Kontakt zur Lesmüller-Stiftung vermittelt hat. Die Stiftung hat daraufhin die Gesamtkosten von 10 000 Euro übernommen. Daum: "Wir sind sehr glücklich über dieses einzigartige Schmuckstück."

Fachgerecht restauriert hat das wertvolle Möbel Petra Zenkel-Schirmer aus Kronach. Der Schrank wurde leider nicht immer pfleglich behandelt, und so mussten zunächst einige Beschädigungen repariert werden. "Wir haben ihn dann von allen Seiten gründlich gereinigt, denn Schmutz-Ablagerungen sind ein Nährboden für Mikroorganismen. Das können wir im Museum nicht gebrauchen."

Etwa 230 Stunden Arbeit stecken in dem Schrank. Nach der Reinigung mit Wasser, Spezialseife sowie super-saugfähigen Schwämmen und Wattestäbchen wurde das Holz mit einer Schicht Glutinleim gefestigt und konserviert. Schließlich retuschierte die Restauratorin die Oberfläche noch mit Öl-Harz-Farben und bearbeitete den gesamten Schrank mit einem Leinöl-Kopal-Gemisch.

Der Apothekerschrank ist eines der wenigen Exponate, die schon an ihrem endgültigen Platz im neuen Museum aufgebaut sind. Auf der Baustelle geht es derzeit sehr geschäftig zu, überall ist noch reichlich zu tun.


Fünf Kilometer Stromkabel


Zu den Handwerkern, die von Anfang an auf der Baustelle tätig sind, gehört Stefan Teller von der Firma Hetz: Der Elektriker ist zuständig für alles, was Strom braucht - vom Raumlicht über die Beleuchtung einzelner Exponate bis hin zu den Medienstationen. "Fünf Kilometer Kabel habe ich hier bestimmt schon verlegt - wenn's reicht."


Ehrenplatz für die Leuchtreklame


Teller wird auch ein weiteres Schaustück mit Kulmbacher Geschichte zum Leuchten bringen: den Reklame-Schriftzug der ehemaligen Blaicher Metzgerei Stenglein. Das Werbeschild wird derzeit von Franz Schirmer in der Museumswerkstatt restauriert. Die Leuchtreklame wurde einst vom Kulmbacher Unternehmen "Fischer + Jistel" angefertigt.

Markus Finkentey von der Geschäftsleitung der Firma freut sich, dass die rund 60 Jahre alte Reklame einen Platz im Gewürzmuseum bekommt. "Am Herstellungsprozess hat sich seit damals nicht viel verändert, allerdings verwendet man heue stromsparende LED-Technik." Finkentey unterstützt die Restauratoren mit seinem Fachwissen und einem neuen Trafo.

Schon fertig ist der Eingangsbereich des Museums, der als orientalischer Basar gestaltet ist, über den die Besucher die Welt der Gewürze betreten werden. Von dort aus begleiten sie Marco Polo auf dem langen, gefährlichen und beschwerlichen Weg vom chinesischen Meer bis ans Mittelmeer. Vom mittelalterlichen Venedig geht es dann über die Alpen ins fränkische Handelszentrum Nürnberg, wo man alle Gewerbetreibenden trifft, die Gewürze verarbeiten. In diesem Bereich hat der Apothekerschrank seinen Platz gefunden.

In der modernen Gewürzwelt schließlich zeigt das Museum unter anderem den Produktionsablauf in einer heutigen Gewürzmühle, aber auch die Arbeit in einer Metzgerei. Hier ist nicht nur die Leuchtreklame original aus Kulmbach. Die ausgestellten Geräte hat Dieter Weiß dem Museum zur Verfügung gestellt, und ergänzend dazu hat Kama Media einen Film in der Metzgerei Ohnemüller gedreht. "Ich finde es toll, dass in Kulmbach so viele Leute mithelfen, dass unser Museum etwas ganz Besonderes wird", freut sich Sigrid Daum.