Nicht mehr lange, dann sticht Sven Höreth mit der MV Sam Simon in See. Der 32-Jährige hat sich als Freiwilliger bei der Organisation Sea Shepherd gemeldet. Dabei handelt es sich um eine internationale gemeinnützige Organisation zum Schutz der marinen Tierwelt.

Schon immer ein Tierfreund
"Ein Tierfreund war ich schon immer", erklärt Sven Höreth. Auf der Suche nach einer Organisation, "die mit Spenden vernünftig umgeht und deren Aktionen nachvollziehbar sind", sei er auf die 1977 gegründete Vereinigung gestoßen. Seit vier Jahren ist er dort als ehrenamtlicher Helfer tätig - bislang allerdings nur bei den so genannten Land-Crews.

Die informieren an Ständen oder bei Kino-Events über die Organisation. Und nehmen an Aktionen wie der "Operation Sturmmöwe" im vergangenen Jahr teil: 2014 bewachten die Umwelt-Aktivisten eine Brutkolonie der Tiere zehn Wochen lang rund um die Uhr - bis die Küken geschlüpft waren. "Menschliche Eierdiebe haben die Kolonie schon einmal komplett leer geräumt", erklärt er den Hintergrund der Aktion. In bestimmten Ländern gelten Möwen-Eier als Delikatesse. Drei Wochen bewachte der Schmeilsdorfer die Nester mit.

Derzeit liegen mehrere Schiffe der Sea-Shepherd-Flotte in Bremen, um sie für ihren Einsatz an den Faröer-Inseln vorzubereiten. Mit dabei der Schmeilsdorfer, der erst eine Kfz-Ausbildung und dann bei der Bundeswehr eine weitere Ausbildung zum Panzer-Mechaniker absolvierte und damit das Fachwissen für die Wartung der Maschinen hat. Nachdem er sich schon für See-Einsätze beworben hatte, erhielt Sven Höreth dort das Angebot, mit zu den Faröern zu fahren. Für den 32-Jährigen keine Frage, er nahm das Angebot an.

Mehrere Monate unterwegs
Nach Rücksprache mit seinem Arbeitgeber wird Sven Höreth als ehrenamtlicher Mechaniker am 14. Juni nun in Richtung Faröer-Inseln, die zu Dänemark gehören, in See stechen. Bis in den Oktober hinein wird er dann als Mechaniker dafür sorgen, dass die Technik für die Einsätze funktioniert. "Ich habe aber auch keine Angst vor einem Einsatz an vorderster Front", sagt er.

Denn für das Massaker an Walen und Delfinen, das sich alljährlich auf der Inselgruppe wiederholt, hat er kein Verständnis. "Es werden teils komplette Wal-Familien mit bis zu 400 Tieren ausgelöscht", erzählt er. Der einzige Grund für das Abschlachten: Tradition. "Grindadráp" (Grindwaljagd) nennt sich das.

Wie bei einem Volksfest
Das Töten ist gut organisiert: Wird eine Walfamilie entdeckt, verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer - inzwischen vor allem per Handy und über die sozialen Netzwerke. Unzählige Boote rücken aus, um die Meeressäuger in einen Fjord zu treiben und sie dort abzuschlachten - bestaunt und bejubelt von vielen Schaulustigen. "Das ist wie ein Volksfest. Die Inselbewohner kommen mit Kind und Kegel." Nur, um dem blutigen Spektakel zuzuschauen. Bis zu 1000 Wale und Delfine finden jährlich den Tod.

Anfangs empfand Sven Höreth nur Wut angesichts der Bilder der geschlachteten Tiere, des blutrot gefärbten Wassers. Inzwischen ist die Wut der Enttäuschung über die "Gleichgültigkeit der Menschen" gewichen.
Und nicht zuletzt deshalb hat sich der Schmeilsdorfer entschieden, mit zu den Inseln zu fahren. "Es ist von Sea Shepherd nicht nur ein Ziel, das Leben der Tiere zu retten, sondern auch ein Umdenken zu erreichen."

Darauf legt der 32-Jährige großen Wert: "Wir greifen nie Menschen an, sondern versuchen nur, das Töten zu verhindern."